Formel 1

  • Motorline auf Facebook
  • Motorline auf Twitter

Inhalt

Vorschau: Die ultimative Stadtrundfahrt

Was das Stadtrennen in Monte Carlo einzigartig macht, warum Fahrer dort Angst und Freude empfinden, und wer die Favoriten sind ...

Monaco lässt die Herzen von Fahrern und Fans gleichermaßen höher schlagen. Das dortige Rennen ist das Kronjuwel schlechthin im Kalender der Formel-1-WM. Ein Sieg auf diesem schwierigen Stadtkurs gilt als spezielle Auszeichnung, der Kurs selbst ist schon lange eine echte Legende, und wer dort als Erster ins Ziel fährt, trägt sich in die Geschichtsbücher ein.

Es sind große Motorsport-Namen, die in Monaco zu den erfolgreichsten Fahrern zählen: Ayrton Senna mit sechs Siegen, Graham Hill und Michael Schumacher mit jeweils fünf Erfolgen. Insgesamt 15 Siege gehen auf das Konto des McLaren-Teams, Ferrari brachte es bisher auf acht Triumphe und Lotus auf sieben. Auch mit fünf Pole Positions ist Senna die Nummer eins.

Die spezielle Herausforderung von Monaco

Ankommen ist in Monte Carlo wichtiger als auf jeder anderen Strecke, denn der Circuit de Monaco stellt die Piloten vor besonders schwierige Aufgaben. Auf 3,340 Kilometern bewegen sich die Fahrer in einem engen Leitplanken-Kanal, Auslaufzonen gibt es nur wenige. Reifenstapel? Die finden sich nur an ausgewählten Stellen, und dann nicht sehr viele.

Dafür bietet Monte Carlo, was die meisten anderen Formel-1-Kurse nicht haben: Enge und nicht einsehbare Kurven, die langsamste Passage der gesamten Saison, etliche Unebenheiten, Fahrbahnmarkierungen und Kanaldeckel. Nirgendwo sonst werden die Flügel steiler gestellt, nirgendwo sonst werden die Radaufhängungen extra verstärkt. Und nirgendwo sonst sprudelt mehr Adrenalin durch den Körper.

"Monaco ist einfach unglaublich", sagt beispielsweise der aktuelle WM-Spitzenreiter Lewis Hamilton (Mercedes). Er schwärmt: "Als Kind träumst du davon, mit dem Rennwagen durch den Tunnel zu fahren. Und es ist ein absolut fantastisches Gefühl, es in der Realität zu erleben. Auf der Strecke in Monte Carlo zu fahren, ist ein haarsträubendes Erlebnis: Es ist die härteste Achterbahn, die du dir vorstellen kannst!"

4.000 Schaltvorgänge pro Rennen

Dabei ist in Monaco die geringste Renndistanz zu absolvieren: Nur 260 statt der sonst üblichen 305 Kilometer stehen beim Grand Prix auf dem Programm. Dafür ist Monte Carlo auch anstrengender als andere Rennen, schließlich sind im Verlauf einer Runde acht Links- und elf Rechtskurven zu meistern. Von 50 bis 300 km/h ist alles dabei, mit durchschnittlich 53 Prozent Vollgas.

Bei rund 50 Gangwechseln pro Runde schalten die Piloten im Rennen etwa 4.000 Mal, weshalb die Fahrer zu Zeiten von Schalthebeln, als noch nicht sequentiell am Lenkrad geschaltet wurde, oft mit aufgescheuerten oder gar blutigen Handflächen aus ihren Autos stiegen. Doch selbst wenn Monaco körperlich nicht mehr so fordernd ist, mental ist es das allemal noch. Das zeigt sich in der hohen Fehlerquote: Die Wahrscheinlichkeit einer Safety-Car-Phase beträgt 82 Prozent!

Das bedeutet auch: Ein Moment der Unachtsamkeit reicht aus, um den Rennbetrieb im Fürstentum zum Erliegen zu bringen, denn Ausweichen ist in Monte Carlo nur bedingt möglich – zu eng geht es zu auf der Strecke, die für viele Beteiligte die letzte unverfälschte Herausforderung der Formel 1 darstellt. "Fangio und Co. sind schon auf diesem Layout gefahren", erklärt Jenson Button (McLaren) nicht ganz wahrheitsgetreu.

Geduld und Disziplin sind gefragt

Damals wie heute gilt: Willst du in Monaco erfolgreich sein, brauchst du gewisse Tugenden. "Unfälle sind schnell passiert. Deshalb ist unbedingt Disziplin erforderlich", meint etwa Ex-F1-Pilot David Coulthard. Gar nicht so einfach, wenn sich – wie in diesem Jahr – 22 ehrgeizige Rennfahrer nach dem Start auf die erste Kurve zubewegen. "Dort durchzukommen, ist schon die halbe Miete", so Coulthard.

Dies gelte sowohl für die Qualifikation als auch für den Rennstart. Aber Monaco hat mehr zu bieten als Sainte Dévote: "Ja, es ist nur eine Kurve", erklärt Coulthard. "Doch viele Fahrer sind dort schon zu gierig." Ausdauer und vor allem Geduld seien gefragt, um in Monaco sicher und schnell über die Distanz zu kommen. Oder wie es Hamilton formuliert: "Es sind nur du, das Auto und der Asphalt."

Konzentration ist also gefragt in Monte Carlo, mehr noch als auf anderen Kursen. "Es ist extrem schwierig", sagt Vorjahressieger Nico Rosberg (Mercedes), "alles aus dir und dem Auto herauszuholen und dabei keinen Fehler auf dieser unnachgiebigen Strecke zu machen. Die kleinste Fehleinschätzung kann dir das gesamte Wochenende ruinieren und ein potentielles Topergebnis verhindern."

Cool bleiben in Monaco unmöglich

"Du bist an beiden Seiten von den Leitplanken umgeben und fährst pausenlos am Limit. Dabei kannst du nicht weit vorausblicken. Das bedeutet, dass du einen Großteil der Strecke aus dem Gedächtnis fahren musst. Du musst wissen, welche Kurven als nächstes anstehen", erklärt Rosberg, der 2013, 30 Jahre nach seinem Vater Keke, den Formel-1-Klassiker für sich entscheiden konnte.

Die Vorbereitung darauf ist also sehr wichtig, aber gar nicht so einfach, wie Daniel Ricciardo (RB Racing) gesteht: "Jedes Jahr nehme ich mir vor, das Wochenende distanziert und kühl anzugehen. Doch das endet dann immer darin, dass ich herumhüpfe und total aufgeregt bin." Aussagen, die belegen, dass Monaco etwas Besonderes ist. Oder schlichtweg der Wahnsinn, wie Ricciardo meint.

"Dort ein Formel-1-Auto zu fahren, ist sehr speziell. Die Geschwindigkeit, die Leistung und die Beschleunigung blasen dich einfach weg", meint der junge Australier. Und dann wäre da natürlich noch die bereits angesprochene Historie. Da bekommen selbst gestandene Rennfahrer leuchtende Augen: "Jede Kurve ist weltbekannt. So etwas gibt es nur einmal", meint etwa Sergio Pérez (Force India).

Im Land der Reichen und Schönen

Einmalig ist auch das Flair, das dieses Rennen umgibt: Im direkt an die Rennstrecke angrenzenden Hafen räkeln sich Schönheiten auf imposanten Jachten, auf Modenschauen posieren auch manche Rennfahrer auf dem Laufsteg, die Startaufstellung ist voller VIP-Gäste, der Champagner fließt in Strömen, eine Cola kostet 80 Euro und für ein Hotelbett sind vierstellige Beträge und mehr zu entrichten.

Kann man sich als Rennfahrer angesichts dieses hohen Glamourfaktors überhaupt noch auf seine Arbeit konzentrieren? "Es ist schon eine verrückte Woche", meint Romain Grosjean (Lotus). "Aber alle lieben Monaco." Diese spezielle Szenerie gehört einfach dazu. Für jene Piloten, die in Monte Carlo wohnen, ist es aber auch bloß der ganz normale Wahnsinn.

Da wäre zum Beispiel Rosberg, der im Fürstentum aufgewachsen ist – ein unverfälschteres Heimrennen kann es gar nicht geben. Der berühmte Tunnel? Sein früherer Schulweg. "Hier bin ich mit dem Schulbus durchgefahren. Und jetzt fahre ich auf der gleichen Straße mit 300 km/h in einem Formel-1-Auto entlang", so der Mercedes-Pilot, der von einem ganz besonderen Gefühl spricht, wenn er dort seiner Arbeit nachgeht.

Für seine Fahrerkollegen wie Valtteri Bottas (Williams), die ebenfalls in Monaco residieren, geht es bei dem ganzen Trubel um das Rennen aber auch um ganz banale Dinge: Endlich mal im eigenen Bett schlafen! "Es ist schön, den Tag einfach von zuhause aus beginnen zu können", sagt der Finne. Ausgeschlafen müssen sie alle sein. Vor allem im Qualifying, dem entscheidenden Moment.

Denn ein Blick in die Monaco-Statistiken zeigt: Eine gute Startposition ist unerlässlich, um eine Chance auf den Sieg oder einen Podestplatz zu haben. Wer am Samstag in die ersten beiden Startreihen fährt, darf sich Hoffnungen machen. Von weiter hinten haben seit 1950 nur sechs Fahrer das Formel-1-Rennen in Monte Carlo gewonnen – und so konzentrieren sich alle Piloten besonders auf das Qualifying.

Es sei dort intensiver als auf anderen Strecken, meinen die Beteiligten. Jenson Button sagt: "So etwas erlebt man nicht so oft. Man geht bis an die letzten Limits und weiß genau, dass alles vorbei ist, wenn man auch nur einen Millimeter über das Limit hinausgeht. Dann landest du eben in einer Wand. Wenn du also in Monaco die Pole Position holst, dann ist das viel wert." Für das Prestige, aber auch für das Rennen.

Wie viel Risiko ist ratsam?

"Überholen ist in Monaco nur mit extrem viel Risiko möglich", erklärt Weltmeister Sebastian Vettel (RB Racing). "Die beste Überholmöglichkeit ist vor der Hafenschikane, genau wenn man mit rund 300 km/h aus dem Tunnel auf die im ersten Gang gefahrene Schikane zuschießt. Ansonsten geht es in Monaco nur mit Geduld und der Hoffnung auf ein zuverlässiges Auto", so der Titelverteidiger.

Manchmal ist auch die Hafenschikane kein idealer Ort für ein Manöver: "Schwierig wird es, wenn du über den Hang zur Bremszone vor der Schikane kommst. Dort wird das Auto leicht. Und an dieser Stelle ist es auch holprig. Vor dem Einlenken in die Schikane fährst du zudem noch ein bisschen nach rechts." Also alles andere als eine einfache Stelle, um einen Ausbremsversuch zu wagen, aber vielleicht die einzige.

Und das alles direkt nach dem berühmten Tunnel, der für sich genommen schon zu den verrücktesten Passagen in Monaco zählt. "Ein einzigartiger Streckenabschnitt", meint Hamilton. "Du fährst mit Vollgas in die Dunkelheit und erkennst nicht, wohin du fährst. Du hoffst einfach, dass du das Auto an der richtigen Stelle platziert hast, um auf der anderen Seite wieder gut ins helle Sonnenlicht zu fahren."

Der Fürst ehrt den Sieger

Um am Rennende als strahlender Sieger in die Fürstenloge zu dürfen, wo das Staatsoberhaupt traditionell die Trophäe überreicht – mit der ebenfalls traditionellen Formulierung: "Ich freue mich, dass Sie es sind." Doch wer wird es sein, der sich am Sonntag als großer Gewinner feiern lassen kann? Der bisherige Saisonverlauf lässt kaum Zweifel: Es wird einer der beiden Mercedes-Fahrer sein.

Rosberg ist jedoch bemüht, die Erwartungen zu dämpfen: "Ich bin der Monaco-Titelverteidiger und freue mich darauf, es wieder zu versuchen. Ich möchte aber auch festhalten, dass uns dort die Konkurrenz näher sein wird. Unser Vorteil ist die Motorenpower, die in Monaco praktisch nicht bedeutend ist. Deswegen könnte dieses Wochenende schwieriger für uns werden."

Die Motoren sind trotzdem gefordert, wie Remi Taffin von Renault bei Autosport erklärt: Die Energierückgewinnung spiele angesichts der wenigen Vollgaspassagen nur eine Nebenrolle, es komme mehr auf den V6-Motor selbst an. "Wahrscheinlich zum ersten und einzigen Mal in diesem Jahr. Gefahren wird in jedem Fall mit anderen Einstellungen als sonst", so Taffin.

Und natürlich mit komplett anderen Antriebssträngen als in den vergangenen Jahren, was die Aufgabe der Fahrer zusätzlich erschwert. "Die diesjährigen Autos sind schwieriger zu fahren. Und Monaco ist mit keinem Fahrzeug einfach zu meistern", erklärt McLaren-Pilot Button. Er fügt hinzu: "Wegen des höheren Drehmoments sind wir in diesem Jahr viel länger an den Grenzen der Traktion. Einfach wird es also nicht."

Der Reifen als Entscheidungskriterium

"Weil wir weniger Grip haben als in der Vergangenheit, müssen wir mit dem rechten Fuß noch viel vorsichtiger sein", sagt Grosjean. Ganz besonders, weil auch in Monaco auf den Reifenverschleiß geachtet werden muss. Nur ein Boxenstopp – das ist meist die ideale Strategie, sofern die Pneus mitspielen. Deshalb erledigen die Teams die Reifenarbeit in Monte Carlo noch sorgfältiger als üblich.

"Solange ich in der Formel 1 bin, waren die Hinterreifen dort das große Problem. Das ist, was dich einschränkt", meint Rob Smedley, bei Williams für die Fahrzeugperformance verantwortlich. "Du kannst dir aber erlauben, die Reifen etwas mehr zu verschleißen, weil Überholen in Monaco ohnehin schwierig ist." Generell gelte folgende Faustregel: "Wer seine Reifen am längsten am Leben halten kann, der siegt."

Das war in der Vergangenheit nicht immer eine Stärke von Mercedes, doch inzwischen hat man die Pneus gut im Griff. Gut genug, um die bisherige Dominanz auch in Monaco fortzusetzen? Ja - das ist die einhellige Meinung im Fahrerlager. Wenngleich Fernando Alonso (Ferrari) zumindest RB Racing gewisse Chancen einräumt: "Sie haben dort eine der wenigen Möglichkeiten, Mercedes zu schlagen."

Red Bull Racing in Lauerstellung?

"Red Bull ist schnell in den Kurven, aber langsam auf den Geraden. Da scheinen sie am meisten Zeit zu verlieren", erklärt der zweimalige Formel-1-Weltmeister. Er merkt an: "In Monte Carlo gibt es aber keine Geraden. Deshalb könnte es Red Bull gelingen, Mercedes dort unter Druck zu setzen." Hamilton und Rosberg seien dennoch die Favoriten. "Sie haben quasi schon eine Hand am WM-Pokal", meint auch Alonso.

Doch es gab schon einige Fahrer, die ihre Rechnung ohne den Kurs gemacht und das teuer bezahlt haben. "Monaco ist auch Monaco, weil dort alles passieren kann", sagt Christian Horner, Teamchef von RB Racing. Das gilt natürlich auch für das Wetter: Wenn vom Mittelmeer ein Unwetter aufzieht und an den Hügeln Monacos hängenbleibt, wird die Stadtrundfahrt schnell ungemütlich.

Eines ist Monaco nicht: gewöhnlich

"Das wäre ein Spaß, wirklich ein Spaß. Vielleicht für die Zuschauer, aber nicht für uns", sagt Jean-Éric Vergne (Toro Rosso). Und Button pflichtet seinem Fahrerkollegen bei: "Im Nassen", so der F1-Champion von 2009, "kann Monaco ein bisschen beängstigend werden." Und überraschend, wie der Sieg von Olivier Panis im Regenrennen 1996 zeigt. Der Monaco Grand Prix ist eben eines nicht: gewöhnlich.

Wer dort etwas wagt, gewinnt - vielleicht. Das glaubt zumindest McLaren-Rennleiter Éric Boullier. Er meint: "Wie im berühmten Casino kann man manchmal gewinnen, wenn man nur sein Glück herausfordert." Doch das gleicht in Monaco, einer wahrhaft historischen Rennstrecke, einem Drahtseilakt. Oder wie es Smedley ausdrückt: "Monaco ist ein besonderer Ort. Der letzte dieser Art."

Vorschau Mercedes Vorschau Mercedes Die besten Bilder Die besten Bilder

Ähnliche Themen:

Grand Prix von Monaco 2014

+ Nachberichte

+ Sonntag

+ Samstag

+ Freitag

+ Donnerstag

Vorberichte

Weitere Artikel

Was fünf Jahre für einen Unterschied machen ...

Die beeindruckende Evolution der E-Autos

Elektrofahrzeuge werden weltweit immer beliebter. Dafür gibt es zwar viele Gründe, aber die hier schön illustrierte, enorme Verbesserung der Autos selbst ist sicherlich ein Hauptmotiv.

Wie die Marke mit dem Stern zu ihrem Namen kam

Mercedes: Eine Elfjährige als Namensgeberin

Am Anfang stand ein elfjähriges Mädchen. Sie gab vor 120 Jahren einer Marke den Namen, die zum Inbegriff für Autos und zur ersten Luxusautomobilmarke der Welt wurde.

Carmelo Ezpeleta gibt zu, dass er schon froh wäre, wenn 2020 zehn MotoGP-Rennen zustandekommen würden - komplette Absage der Saison sei nicht ausgeschlossen.

Wilder Kerl mit Macho-Aura

Harley Davidson Low Rider S – erster Test

Für 2020 betreibt Harley-Davidson Modellpflege; packt elektronische Helfer in die Tourer-Modelle und bringt in der Softtail-Familie die Low Rider S neu auf die Straße. Wir sind sie testgefahren.