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Grand Prix von Australien 2014

Ron Dennis ist wieder da - als WM-Leader

Der gefürchtete starke Mann, Ron Dennis, kehrte zurück an die McLaren-Kommandobrücke – prompt landeten Magnussen und Button auf dem Podium…

Mit Lewis Hamilton, dem "Weltmeister aus dem Reagenzglas", erfüllte sich Ron Dennis 2008 den damals letzten großen Traum seiner Karriere als Formel-1-Teamchef: Überlegene Rennautos hatte McLaren schon zur Genüge entwickelt (15 Siege in 16 Rennen 1988), große Stars gegeneinander antreten lassen (Alain Prost und Ayrton Senna 1988/89), aber einen zehnjährigen Knirps aus dem Go-Kart heraus zum Champion zu formen, quasi einen Weltmeister "selber machen", das hatte zuvor noch niemand geschafft. Also war es im März 2009 an der Zeit, das Teamchef-Zepter an Martin Whitmarsh zu übergeben.

Doch seine langjährige rechte Hand gewann mit dem einst erfolgreichsten Rennstall der Formel-1-Geschichte in fünf Jahren keinen einzigen Titel und hatte 2013 die erste Saison ohne Podestplatz seit 1980 zu verantworten. Das hatte es unter Dennis' Regie bei McLaren noch nie gegeben. Da konnte der inzwischen 66-Jährige nicht länger zuschauen, sodass er effektiv wieder die Kontrolle über das Team übernahm - in neuer Konstellation allerdings mit Rennleiter Eric Boullier als verlängertem Arm.

Und kaum ist der "Mister McLaren" wieder da, schon läuft's wieder: Kevin Magnussen ist als Zweiter des Saisonauftakts in Melbourne der beste Formel-1-Quereinsteiger seit Jacques Villeneuve 1996, und Jenson Button rundete als Dritter im Albert Park einen grundsoliden ersten WM-Lauf ab. Unterm Strich bedeutet das 33 Punkte für die Konstrukteurs-WM - und die Führung vor Mercedes (25) und Ferrari (18). So viele Punkte hat McLaren seit dem US-Grand-Prix 2012 nicht erbeutet, als Hamilton gewann und Button Fünfter wurde.

Button begrüßt Rückkehr von Dennis

Kein Wunder also, dass man bei McLaren froh über Dennis' Rückkehr ist: "Wenn du eine schwierige Saison hast, wie wir sie vergangenes Jahr hatten, dann schreien viele nach einer Veränderung. Dass Ron wieder in der Verantwortung steht, ist eine tolle Sache für dieses Team", unterstreicht Button in einem Interview mit der Mail on Sunday. Denn sein neuer Chef ist für die 630 Mitarbeiter auch eine Identifikationsfigur: "McLaren würde ohne Ron nicht existieren."

"Sie haben schon viele Weltmeisterschaften gewonnen - und Ron wirkt auf mich hungriger denn je, wieder auf die Siegerstraße einzubiegen. Alle im Team sind glücklich, dass er da ist, und die Atmosphäre ist gerade deswegen wirklich gut", so Button. "Es wird immer wieder Management-Veränderungen geben und das ist auch noch gar nicht abgeschlossen, denn es kommen noch andere neue Leute auf Management-Seite dazu. Aber es scheint, dass es in die richtige Richtung geht."

Konkret wird noch ein Mann für die Ebene zwischen Dennis und Boullier gesucht. Logischer Kandidat wäre eigentlich Geschäftsführer Jonathan Neale. Vorerst hat aber - zumindest auf operativer Seite - Boullier die Fäden in der Hand. Button begrüßt das: "In den vergangenen Jahren hat er bei seinem vorherigen Team offensichtlich sehr gut gearbeitet, obwohl die nicht annähernd die gleichen Mittel hatten. Er ist gut und ich freue mich darauf, dieses Jahr mit ihm zusammenzuarbeiten."

Boullier nur Dennis' "Statthalter"?

Boullier ist vermutlich klar, dass er bei McLaren bei weitem nicht die Macht eines waschechten Teamchefs hat, auch wenn er McLaren in den Teamchef-Meetings vertreten wird. Zu spüren bekam er das schon in Melbourne, als Dennis überraschend am Kommandostand auftauchte und ihm über die Schulter schaute. Auch sonst entgeht dem "Mister McLaren" nichts - aber: "Solange er uns unseren Job machen lässt, ist mir das egal", winkt Boullier gelassen ab.

Vorgänger Whitmarsh galt bei den McLaren-Mitarbeitern als extrem beliebt, hatte einen guten Humor, war in vielerlei Hinsicht nicht so pingelig wie Dennis. Aber mit dem detailverliebten alten Haudegen kehrt der Erfolg zu McLaren zurück - und das respektieren letztendlich auch die Mechaniker. Die maulen zwar innerlich, wenn sie beim allerkleinsten Fehler vom Oberboss höchstpersönlich ermahnt werden, sehen aber, dass dieser strenge Weg zum Erfolg führt.

Wer diesen Weg nicht mitgehen will, der wird gefeuert: "Ich weiß, ich bin hart, und ich weiß, dass die Leute meine Liebe zum Detail negativ sehen", gibt sich Dennis keinen Illusionen hin. Gleichzeitig sagt er aber: "Die Firma war nicht mehr auf zack. Martin muss einsehen, dass es nicht funktioniert hat. Ich habe den Mitarbeitern gesagt, dass wir wieder gewinnen, wenn sie meine Hingabe teilen. Wer das nicht tut, hat in der Firma keinen Platz mehr."

Und wie groß die Hingabe ist, die Dennis selbst beispielhaft vorlebt, das konnte man in Melbourne gut beobachten. Als Rookie Magnussen im Qualifying sensationell auf den vierten Startplatz fuhr, huschte dem sonst so abgebrühten Geschäftsmann ein erleichtertes Lächeln über das Gesicht, und auch während des Rennens fieberte er jede Sekunde mit fast kindlichem Enthusiasmus mit. Vielleicht ist es genau diese unbändige Motivation, die er in fünf Jahren ohne Formel 1 aufgefrischt hat.

Fünf Jahre, in denen Dennis nach der Scheidung von seiner Langzeit-Ehefrau Lisa auch privat Veränderungen durchstehen musste, in denen er sein (inzwischen erfolgreiches) Sportwagen-Projekt beinahe an die Wand gefahren hätte, in denen er zwischenzeitlich den Führerschein los war. Zum letzten Mal hat McLaren im April 2012 die Konstrukteurs-WM angeführt. Kaum ist der "Mister McLaren" zurück, steht das Team wieder ganz vorne...

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