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Grand Prix der USA 2015

Rosberg: „Lewis ist zu weit gegangen“

Nico Rosberg ist über das Manöver seines Teamkollegen am Start verärgert und beschwert sich: „Lewis war viel zu aggressiv“.

Es hätte kein besseres Sinnbild für eine Sahnesaison des Lewis Hamilton und das Seuchenjahr des Nico Rosberg geben können als den US-Grand-Prix in Austin am Sonntag. Zum Sieg und damit zum dritten WM-Titel seiner Laufbahn führten den Briten zwei rennentscheidende Szenen, in denen er das Teamduell der Silberpfeile für sich entschied: Direkt nach dem Start überholte er Rosberg mit harten Bandagen und Berührung, kurz vor Ende profitierte er von einem Schnitzer. Anschließend flogen die Giftpfeile.

Schon die Reaktion des Deutschen auf dem Weg auf das Podium ließ ganz tief blicken und zeugte von Frustration pur: Nachdem Hamilton ihm die Pirelli-Kappe, die bei der Siegerehrung Pflicht ist, zugeworfen hatte, pfefferte Rosberg sie mit versteinerter Mine auf einem Sessel sitzend sichtlich bedient zurück in seine Richtung. Kein Lächeln, kein Spaß, kein Sterbenswörtchen. Auch als auf dem Podest Champagner gereicht wurde, reichte der Geschlagene die Flasche sofort an Technikchef Paddy Lowe weiter.

Auf ein Jubelfoto mit Hamilton, Lowe und Stargast Elton John, der die Podiuminterviews führte, hatte Rosberg dann auch keine Lust mehr. "Ja, ich bin sehr enttäuscht", murrte er im Gespräch mit dem Popstar - während der bis über beide Ohren strahlende Ex-Kumpel zwei Meter weiter in den Partymarathon startete. In der Pressekonferenz fuhr Rosberg dann schwere Geschütze auf. Thema Kurve eins: "Mich nervt der Start sehr. Ich finde, ich habe ein Recht auf ein Stück Strecke", klagt der 30-Jährige.

Hamilton entschuldigt sich für Startmanöver im Funk

Dass Hamilton zweifellos besser loskam und ihn direkt attackierte, musste Rosberg schlucken. Die Art und Weise des Angriffs, bei dem der Champion sich weit nach außen tragen ließ und die Vorräder der Silberpfeile sich berührten, schmeckt ihm aber auch mit etwas Abstand gar nicht. "Dass mich mein Teamkollege extra verhungern lässt und sogar so weit geht, dass er in mich reinfährt, ist ein Schritt zu weit", beschwert sich Rosberg, der in der Auslaufzone weitere Plätze verlor.

Es war ein Déjà-vû aus Suzuka, als Rosberg ebenfalls eine Pole-Position verzockte. Damals hatte die Teamführung Hamilton wegen seiner Gangart in Schutz genommen, in Austin geht sie trotz Jubelstürmen härter mit ihrem Goldjungen ins Gericht. "Das Manöver in Kurve 1 war hart, und Lewis hat sich dafür am Funk entschuldigt", sagt Mercedes-Sportchef Toto Wolff - offenbar bat Hamilton aber nicht bei seinem Teamkollegen um Absolution. "Es war nass. Da ist es natürlich immer schwierig, dass man die Kurve kriegt, aber das weiß er ganz genau", erklärt der Wiener weiter.

Teambosse zeigen kein Mitleid mit Rosberg: "Eigener Fehler"

Wolff geht sogar so weit, einen Rosberg-Sieg als "moralisch richtig" zu bezeichnen. Niki Lauda legt nach: "Das Manöver war zu hart - überhaupt keine Frage!", stellt der Aufsichtsratschef des Teams klar und erkennt Gesprächsbedarf. "Sie haben sich berührt, und er hat ihn rausgedrängt. Dass Nico mit diesem Manöver nicht zufrieden war, ist klar, und darüber wird man reden müssen. Das war aber nicht die Priorität seiner Wut. Das war nämlich sein eigener Fehler, der ihn zwei Tage lang wurmen wird."

Denn es wäre nicht 2015, hätte Rosberg es geschafft, eine ab diesem Zeitpunkt blitzsaubere Fahrt mitsamt eines ebenso glanzvollen Manövers gegen Hamilton zum Erfolg zu bringen. Sieben Runden vor dem Ende warf er - mit einem auf frischen Reifen anrauschenden Stallrivalen im Rückspiegel - den Sieg über Bord. Ein Fahrfehler in Kurve 16 und die Messe war gelesen. "Ich verstehe es nicht", wundert er sich. "Mir ist noch nie passiert, dass mir beim normalen Fahren die Hinterräder durchdrehen, sodass ich mich fast wegdrehe. Ich muss erst schauen, ob ich selbst schuld bin."

Rosberg weiß selbst, wie folgenschwer der Schnitzer war, der ihm die WM-Chancen kostete: "Es war sehr überraschend und heftig, weil ich mir sicher bin, dass ich es nach Hause hätte bringen können." Lauda zeigt wenig Mitleid: "Wenn dem einen ein Patzer unterläuft, ist der andere Weltmeister. Völlig klar. Nico war zu schnell unterwegs, war unter Druck und hat einen Fehler gemacht. Mir wäre Recht gewesen, wenn Nico gewonnen hätte. Aber dieser Fehler hat Lewis die WM gebracht." Und das Ergebnis war das gleiche wie so oft in den vergangenen sieben Monaten.

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