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Grand Prix von Abu Dhabi 2015

Wolff: „Hamilton hatte alle Optionen offen“

Zwölfter Doppelerfolg für Mercedes: Rosberg ist Mann der Stunde. Hamiltons „Offset-Strategie“ ging laut Toto Wolff nicht auf - „Er hätte frei wählen können“.

Mercedes hat die Formel-1-Saison 2015 in Abu Dhabi beendet, wie man sie begonnen hat: mit einem Doppelerfolg. Nico Rosberg holte auf dem Yas Marina Circuit bereits seinen dritten Sieg in Folge, Teamkollege Lewis Hamilton musste sich erneut mit dem zweiten Platz zufriedengeben, obwohl er taktisch in der Zwischenzeit alles versucht hatte. Für Mercedes war es bereits der zwölfte Doppelerfolg in diesem Jahr, womit die Saison noch erfolgreicher war als die vergangene.

703 Punkte konnten die Silberpfeile in diesem Jahr einfahren, womit sie die Bestmarke von 701 Zählern aus dem Vorjahr noch einmal knacken konnten, obwohl es vor Jahresfrist doppelte Zähler beim Saisonfinale gab. Die Dominanz von Mercedes zeigt sich auch darin, dass man 86 Prozent aller möglichen Punkte erreichen konnte, da kommt nicht einmal die spektakuläre McLaren-Honda-Saison 1988 mit.

Nico Rosberg war auch beim Saisonfinale der Mann der Stunde. Der Deutsche konnte einen Start-Ziel-Sieg feiern und gab die Führung nur ab, als Teamkollege Hamilton noch nicht in die Box gefahren war. Damit hat der Deutsche alle wichtigen Sessions seit dem feststehenden WM-Titel seines Stallrivalen für sich entschieden und kann mit einem guten Gefühl in die Winterpause gehen. "Es ist großartig, die Saison so zu beenden und so in die Pause zu gehen", strahlt der Vizeweltmeister nach dem gelungenen Abschluss.

Doch eigentlich braucht es bei einem solchen Lauf überhaupt keine Pause, meint er: "Ich freue mich, wie die Saison geendet hat, und das neue Jahr kann sofort kommen. Ich kann schon morgen weitermachen, ich brauche keine Ferien", lacht er. Die erneute Dominanz von Rosberg bringt selbst die Teamverantwortlichen in Verzückung. Aufsichtsratsvorsitz Niki Lauda lobt bei RTL ein "unglaubliches Rennen", und Motorsportchef Toto Wolff adelt: "Die Leistung war wirklich brillant, er war heute uneinholbar."

Hamiltons strategisches Manko

Das musste heute auch Lewis Hamilton einsehen, der wieder einmal den Kürzeren zog. Einzig von der Strategie her hätte der Brite eine Chance haben können, doch sein Team brachte ihn wieder einmal von der Risikovariante ab. In Runde 31 von 55 fuhr Rosberg zu seinem finalen Boxenstopp herein, um sich die weichen Pneus zu holen, doch Hamilton folgte ihm nicht zum Service, sondern blieb noch weitere Runden draußen.

Eigentlich wollte der Weltmeister auf seinem aktuellen Satz durchfahren, doch von der Box kam die Ansage, dass das ein zu großes Risiko sei und vermutlich nicht aufgehen werde. Nur widerwillig fuhr Hamilton in Runde 41 an die Box und holte sich ebenfalls die weichen Pneus. Die Siegchance war für ihn somit dahin, denn in den verbleibenden Runden konnte er auf gleichem Material nicht genügend Boden gutmachen, um die verlorenen 13 Sekunden aufzuholen.

"Das Team hat mich gebeten zu stoppen - und ich habe gestoppt", beschreibt Hamilton bei Sky Sports F1 die Situation. Zwar dachte er, dass er mit den Reifen durchfahren könne, muss im Nachhinein aber zugeben, dass es dafür eine frühere Entscheidung gebraucht hätte: "Wenn das von vornherein eine Option gewesen wäre, dann hätte ich sie zum Halten gebracht, aber ich habe eine Weile lang gepusht. Als ich in die Box kam, hätte ich sie mit Sicherheit nicht durchfahren können, aber wenn ich es vorher gewusst hätte, hätte ich bis zum Ende gehen können."

Toto Wolff erklärt gegenüber Sky, dass das Team heute Hamilton selbst die Strategie hat wählen lassen: "Wir haben Lewis heute die Alternativen der Strategien gegeben: weiche oder harte Reifen, länger draußen bleiben oder gleich pitten - und das hat heute nicht gereicht, weil Nico der schnellere Mann war", so der Wiener, der damit allerdings die Anzahl der Boxenstopps nicht mit in die Wahlmöglichkeit einschließt.

Supersoft oder Soft? Das Team entscheidet...

Und so blieb Hamilton bei seinem Stopp eigentlich nur die Wahl, ob er die Jagd mit Supersofts startet oder wie Rosberg auf Soft geht. Im Nachhinein könnte man sich wundern, warum es Hamilton nicht mit den Supersofts probiert hat, denn nach dem Rennen sagt er: "Am Ende war die Lücke zu groß, und mit den gleichen Reifen holt man das nicht auf." Die Reifenwahl traf im Übrigens dann doch nicht der Fahrer selbst.

Letzten Endes hat das Team die Strategie entschieden, doch die ganze Wahrheit ist das nicht. Denn inzwischen ist bekannt geworden, dass die Ingenieure ihm angeboten haben, auf Soft oder Supersoft zu wechseln, Hamilton selbst hatte die Wahl. Von ihm kam aber keine Antwort - und dann bekam er Soft aufgezogen. Seine Erklärung: "Ich habe dem Team die Entscheidung überlassen, weil ich nicht wusste, wie die richtige aussieht."

Warum das Team sich für die Softs entschied, das ist Hamilton auch nach dem Rennen aber noch unklar: "Man kennt das große Bild nicht und muss sich auf die Ingenieure verlassen, dass sie dir die beste Strategie geben", setzt er sein Vertrauen in die Mercedes-Jungs, die ihm allerdings keine großen Chancen mehr gaben: "Ich hatte nach dem Stopp einen Berg zu erklimmen, und durch das Pushen sind die Reifen eingegangen."

Party mit "scharfem Alkohol"

Nico Rosberg kontrollierte derweil seinen Vorsprung an der Spitze und fühlte sich auch durch die alternative Strategie seines Teamkollegen kurz vor Ende nicht bedroht: "Ich wusste, was ich zu tun hatte und kannte auch die Gefahr von hinten und die alternativen Strategien", sagt er. "Ich wusste, dass ich im Rennen die schnellste Strategie hatte, um von A nach B zu kommen, und ich wusste, dass es für Lewis schwierig werden würde, mich herauszufordern."

Und so konnte Nico Rosberg am Ende einen ungefährdeten Sieg ins Ziel retten und das Jahr auf einem Hoch abschließen. "Nico war der schnellere Mann heute und hat das Rennen, mit welcher Strategie auch immer, kontrolliert", zieht Motorsportchef Wolff bei RTL ein Fazit. "Lewis hat versucht, eine Offset-Strategie zu fahren, also ein bisschen später reinzukommen. Die ist aber nicht aufgegangen."

Und damit ist die Saison 2015 für die Silberpfeile auch beendet. Heute Abend soll noch einmal eine Riesenfete steigen, laut Wolff sogar mit "scharfem Alkohol". Danach sollten die Augen aber bitteschön schon auf 2016 gerichtet sein, denn bei Mercedes weiß man, dass man sich nicht auf den Lorbeeren ausruhen darf: "Es war ein unheimlich gutes Jahr. Aber am Ende sind das nur irgendwelche Zahlen, die in irgendeinem Buch in irgendeiner Ecke stehen werden", mahnt Wolff.

Und Nico Rosberg, der kann es ohnehin kaum noch abwarten, ins neue Jahr zu starten und Hamilton endlich in der Gesamtwertung zu schlagen: "Intern ist es immer ein großartiger Kampf, und für solche Kämpfe fahre ich. Ich freue mich umso mehr auf das kommende Jahr."

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