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Grand Prix von Österreich

Hamilton gewinnt den Quali-Showdown

Regenschauer in Q3 und weitere Aufhängungsbrüche: Lewis Hamilton holt im spannenden Qualifying in Spielberg die Pole-Position vor Nico Hülkenberg.

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Lewis Hamilton hat sich in einem dramatischen Qualifying zum Österreich-Grand-Prix die Pole-Position gesichert. In Spielberg setzte sich der Mercedes-Pilot am Samstag im auf feuchter Bahn, aber mit Slickreifen ausgetragenen Shootout der Top 10 im letzten Augenblick gegen Teamkollege und WM-Rivale Nico Rosberg durch, der mit 0,543 Sekunden Rückstand auf Platz zwei landete. Die Top 3 komplettierte Überraschungsmann Nico Hülkenberg (+1,363 Sekunden) im Force India.

Bei Hamilton war der Jubel über das 53. Mal Bestzeit in einem Formel-1-Zeitraining groß: "Das hat Spaß gemacht. Es war trocken, dann nass, und so schnell wieder trocken. Ich bin hier nie bei Regen gefahren und es war sehr rutschig", beschreibt der Brite knifflige Bedingungen im Schlussabschnitt. Den Erfolg sicherte ein brillantes Taktikmanöver, als er auf Bestzeitkurs absichtlich vom Gas ging: "Am Ende, als es trocken war, ging es um die letzte Runde. Die vorletzte war gut, aber wenn ich bis zum Ende gepusht hätte, hätte ich hinter Ricciardo gesteckt. Deswegen habe ich nachgelassen, was ein großes Risiko war." Einmal Gelb und die Pole-Position wäre futsch gewesen, weiß Hamilton.

Vor Q3 hatte Regen über der Steiermark eingesetzt. Die Piloten gingen anschließend zunächst auf Intermediates auf die Bahn. Doch weil es keine weiteren Niederschläge gab und der Kurs schnell abtrocknete, riskierten es kurz vor dem Ende viele Fahrer, die Ultrasoft zu zücken. Zu lange zögerte Rosberg, der seinem Renningenieur funkte, als sich die Konkurrenz ihre Slicks holte: "Negativ! Negativ!" Der Deutsche revidierte seine Entscheidung, ihm blieben aber nur noch zwei schnelle Runden, was letztlich zu wenig war, um sich auf die kniffligen Bedingungen einzuschießen.

Hamilton-Mechaniker retteten Rosbergs Qualifying-Teilnahme

Rosberg räumt ein: "Ich habe nicht erwartet, dass es schon mit Trockenreifen geht, aber am Ende hat es ganz gut geklappt. Lewis hat eine Superrunde hingelegt, ich war mit meiner auch zufrieden." Toto Wolff lässt durchblicken, dass sein Pilot die Rolle rückwärts nicht selbst vollführte. Er sagt: "Alle anderen haben es gemacht, also hatten wir keine Wahl." Dabei war es nach dem Crash im dritten Freien Training ein Erfolg für Rosberg, überhaupt am Qualifying teilgenommen zu haben.

Dass die Hamilton-Crew beim Wiederaufbau des Autos in Rekordzeit mithalf und der Silberpfeil zehn Minuten nach Beginn des Q1 fahrbereit war, würdigt er: "Vielen Dank an alle meine Jungs, denn sogar die Mechaniker von Lewis sind rübergekommen zu meinem Auto, sonst wären wir nicht rechtzeitig fertig geworden." Wolff unterstreicht, wie knapp es war: "Drei Minuten vor Beginn bestand Nicos Auto aus Einzelteilen. Drei Minuten nach dem Start wurde zusammengeschraubt, dann fuhr er auch noch die schnellste Zeit in Q1", staunt der Österreicher und bekennt: "Hut ab!"

Trotz FIA-Untersuchung: Hülkenberg glückt nächster Regenkracher

Einmal mehr demonstrierte Nico Hülkenberg Talent unter schwierigen Bedingungen. Der Force-India-Pilot lag in Q3 auf Kurs zur Pole-Position, ehe die Favoriten ihn von der Spitze verdrängten und auf den dritten Rang zurückschoben. Im Funk klang der Emmericher anschließend sogar ein wenig zerknirscht, freute sich aber später dennoch. "Ein sehr cooler Tag heute. Ich bin sehr, sehr zufrieden. Unter solchen Bedingungen fühle ich mich sehr wohl", erklärt Hülkenberg grinsend.

Dabei zitterte er nach dem Ende des Qualifyings um den Bestand seines Resultats. In Q1 leiteten die Sportkommissare eine Ermittlung ein, weil er eine persönliche Sektoren-Bestzeit unter Gelb gesetzt haben sollte, die ihn vor dem K.O. bewahrte. "Mir ist das gar nicht bewusst. Ich habe gelupft und habe Zeit verloren, aber die Strecke wurde ständig besser und mit den neuen Reifen kann es sein, dass ich dennoch schneller als zuvor war. Besorgt bin ich nicht", meint Hülkenberg.

Sebastian Vettel im entscheidenden Moment zu konservativ

Nach Bestzeit im Abschlusstraining war Sebastian Vettel mit dem vierten Platz (+1,859) nur bedingt zufrieden: "Mit der Sonne wurde jede Runde schneller. Zehn Sekunden später am gleichen Ort war die Strecke wieder ganz anders", beschreibt der Ferrari-Starpilot eine Lotterie, nimmt das Ergebnis aber auf seine Kappe. "Ich beiße mir ein bisschen in den Po, ich hätte mehr Risiko gehen können. Gleichzeitig hat man nur eine Runde zum Schluss. Die drei vor mir waren einfach ein bisschen aggressiver", bedauert Vettel, im entscheidenden Moment zu konservativ gewesen zu sein.

Ein echter Hammer glückte Jenson Button, der im technisch und PS-mäßig unterlegenen McLaren auf Rang fünf (+1,978) vorpreschte. "Ich liebe diese Bedingungen! Können wir die jedes Rennen haben?", freut sich der Ex-Weltmeister, der schon mehrere Chaos-Grand-Prix mit Wetterkapriolen für sich entschied. Dabei wäre er im zweiten Abschnitt fast dem Regen zum Opfer gefallen, als er bei den ersten Tropfen von der Bahn abkam, sich aber doch noch für den Shootout qualifizierte.

Getriebewechsel werfen Rosberg und Vettel noch zurück

Button wischt sich den Schweiß von der Stirn: "Da dachte ich schon: 'Oh nein!'. Aber am Ende haben wir es hinbekommen. Auf den Regenreifen waren wir schnell, auf den Trockenreifen waren wir nicht so schlecht", lobt er die Leistung, die Fernando Alonso (13.) nicht reproduzierte. Ebenfalls in den Top 10: Kimi Räikkönen (Ferrari/+1,979), Daniel Ricciardo (Red Bull/+2,058), Valtteri Bottas (Williams/+2,518), Max Verstappen (Red Bull/+3,231) sowie Felipe Massa im Williams (+4,055). Da Rosberg und Vettel wegen Getriebewechseln um fünf Plätze rückversetzt werden - also auf Position sieben und neun - starten Hamilton, Hülkenberg und Button das Rennen vorne.

Ebenfalls mit einer Topleistung auf sich aufmerksam machte Formel-1-Neuling Pascal Wehrlein, der seinen Manor sensationell auf den zwölften Rang stellte - ohne, dass das Wetter mitgespielt hätte. "Ich bin super zufrieden. Wir haben einige Jungs heute hinter uns gelassen, die besseres Material als wir haben", frohlockt der Mercedes-Junior über die beste Startposition seiner noch jungen Karriere in der Königsklasse. "Das Team hat super gearbeitet, wir hatten die perfekte Strategie. Wir sind immer früh raus gefahren, ich habe eine gute Runde getroffen", so Wehrlein.

Aufhängungsbrüche: Heftiger Kwjat-Crash entfacht Diskussionen

Schon zuvor hatten mehrere Aufhängungsbrüche für Diskussionen um die Qualität der Randsteine gesorgt. Nach Verstappens Schäden am Freitag und Rosbergs Unfall am Vormittag erwischte es in Q1 Daniil Kwjat (20./Toro Rosso), der in der Schlusskurve einen heftigen Abflug zu verzeichnen hatte, aber unverletzt blieb. "Als die Aufhängung gebrochen ist, hatte ich keine Kontrolle mehr. Ich weiß nicht, was genau passiert ist", meint der Russe. Und Kwjat zeigt ein Mysterium auf.

"Das Problem ist, dass es nicht die erwischt hat, mit der ich auch über den Randstein gefahren bin, sondern die gegenüberliegende", sagt er. Weiteres Aufhängungsopfer war Sergio Perez (16.), der aber sicher an die Box zurückkam. Anschließend ereigneten sich jedoch keine Vorfälle mehr, was damit in Zusammenhang stehen könnte, dass die Piloten über Funk vor dem Attackieren der sogenannten Randsteine gewarnt wurden. Nichtsdestotrotz bleibt das Thema am Rennsonntag ein heißes.

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