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Grand Prix von Österreich

Keine Änderung der Curbs in Spielberg

Trotz Gegenwind der Teams und einiger Zwischenfälle will die Rennleitung an den aggressiven Randsteinen in Spielberg festhalten.

Nach dem Trainingsauftakt zum Grand Prix von Österreich wurde es noch als zu wildes Räubern von Teenager Max Verstappen abgetan. Aber die aggressiven Randsteine am Red-Bull-Ring haben auch am Samstag ihre Opfer gefunden. Darunter Toro-Rosso-Pilot Daniil Kwjat, der im Qualifying spektakulär abflog und Nico Rosberg, den es schon im dritten Training erwischte. Die gelben "Baguettes", die die Übeltäter genannt werden, sind zu Radaufhängungsbrechern geworden und haben rote Komplizen bekommen. Dennoch will die Rennleitung an der Lösung festhalten.

"Es sind nicht nur die Gelben", betont Williams-Pilot Felipe Massa. "Es sind auch die Randsteine davor. Sie sind einfach zu weitläufig." Und wie aus dem Mercedes-Lager zu hören ist, geht eben nicht nur das "Baguette" aufs Material, sondern das Randstein-Kollektiv in der Kombination. "Es ist nämlich nicht der Winkel, sondern es sind die entstehenden Vibrationen an den Hinterreifen. Dadurch bricht dann die Radaufhängung", erklärt Niki Lauda bei RTL.

Der Aufsichtsratsvorsitzende des Mercedesteam weiß auch, wie es zu der ungewöhnlichen Kombination als Streckenbegrenzung kam: "Der Kurs wurde neu asphaltiert, und es wurden neue Randsteine angebracht, die auch für die MotoGP geeignet sind. Diese Randsteine sind ein Kompromiss zwischen Formel 1 und MotoGP." Renndirektor Charlie Whiting erklärt dazu bei Auto, motor und sport: "Das Problem hier in Österreich ist, dass die Fahrer in den Kurven 6, 8 und 9 ständig drüberfahren. Das tun sie auf anderen Strecken nicht in diesem Maß. Es ist möglich, dass die dauerhafte Belastung zu Materialbrüchen führt."

Gemeinsam mit Kwjat, Paddy Lowe (Technischen Direktor Mercedes) und Alex Wurz (Vorsitzender der Fahrergewerkschaft GPDA) hat Whiting die Randsteine nach dem Qualifying noch einmal inspiziert. Er kam zu dem Schluss: "Wir können deshalb nicht die Strecke umbauen. Entweder müssen die Fahrer von den Randsteinen wegbleiben, oder die Teams müssen ihre Aufhängungen stärker bauen."

"Ich frage mich, wie viel noch passieren muss, ehe ein Auto in der Mauer landet und sich jemand verletzt", mosert aber auch Weltmeister Lewis Hamilton mittlerweile über die gelbe Gefahr. Er war nicht der einzige, der von Kwjats Abflug in Q1 erschrocken war. "Die Idee ist gut, denn wir sollten auf der Strecke bleiben, aber vielleicht ist da eine andere Lösung notwendig."

Eine Alternative hätte er auch: Eine Rückkehr des Kunstrasen, der noch vor einem Jahr an gleicher Stelle lag. Der bremse die Fahrer so sehr runter, dass man sie von allein vermeiden würde. Auch Massa hat eine Idee: Strafen von der Rennleitung. "Auf den meisten Strecken wird man dafür bestraft, wenn man mit allen vier Rädern über die weiße Linie kommt", merkt er an. Die FIA müsse sich nicht wundern, wenn die Piloten das Limit ausreizen würden, wenn es dafür keinen Denkzettel gäbe.

"Gestern waren noch alle Fahrer zufrieden mit den Randsteinen. Heute sind es einige vielleicht nicht mehr", hat Verstappen derweil seinen "Hab-ich-doch-gesagt"-Moment. "In Kurve 8 ist es wirklich gefährlich, wie man bei Daniils Crash sehen konnte." Der 18-Jährige gibt außerdem zu bedenken: "Man kann ja für sich selbst versuchen, sie zu vermeiden. Aber wenn man im Rennen mit jemanden kämpft und man rausgedrängt wird, kann man nichts machen."

Das Fahrerlager bleibt gespalten. Verstappen Teamkollege Daniel Ricciardo bleibt dabei: "Ich nehme es wie eine Mauer: Wenn ist sie treffe, beschädige ich das Auto. Nichts gegen Dany oder andere, die einen Crash hatten, aber ich sehe das schwarz und weiß. Auf so vielen Strecken beschweren sich die Fahrer, dass man in den weitläufigen Auslaufzonen nicht bestraft wird - hier wird man es."

Rob Smedley sagt zwar: "Es kann nicht sein, dass die Strafe für das Missachten der Streckenbergenzungen ein kaputtes Auto ist", doch der Williams-Chefingenieur hätte gerne erst einmal mehr Informationen. "Bevor wir fordern, dass sich etwas ändert, sollten wir unter den Teams offen damit umgehen, was genau passiert ist", sagt er in Richtung Toro Rosso und Mercedes. Williams selbst habe am Wochenende noch keine auffälligen Daten bei ihren Aufhängungen feststellen können.

Beim neunten Grand Prix der Saison 2016 wird es nun aber erst mal"Baguette"-Verbot geben. "Wir haben jetzt zweimal gesehen, dass die Autos damit nicht wirklich klarkommen", sagt Sebastian Vettel. "Gefährlich sind sie per se nicht. Aber wenn es dann irgendwie abgeht, kann natürlich was passieren. Ich glaube, man muss im nächsten Jahr einfach schauen, dass man vielleicht eine bessere Lösung findet."

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