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Grand Prix von Österreich

Mercedes-Crash: Aussage gegen Aussage

„Hirnlos“: Während Toto Wolff klare Worte nach dem Mercedes-Crash in der letzten Runde findet, sind sich die Piloten keiner Schuld bewusst.

Mercedes-Teamchef Toto Wolff konnte es wohl nicht glauben, was er da in der letzten Runde des Großen Preises von Österreich sehen musste. In Kurve 2 kam es zu einer weiteren Kollision zwischen Nico Rosberg und Lewis Hamilton - wie auch schon in Barcelona. Während Hamilton das Rennen trotzdem gewinnen konnte, fiel der Deutsche noch bis auf Rang vier zurück - und handelte sich zu allem Überfluss auch noch eine Untersuchung ein. Ihm droht für die Kollision nun auch noch eine Strafe.

Wolffs unmittelbare Reaktion nach dem Vorfall: Der Teamchef schlug in der Box mit der Faust auf den Tisch. Auch nach Ende des Rennens ist ihm der Frust deutlich anzumerken. "Manchmal ist schwer nachzuvollziehen, was in den Köpfen da vorgeht", ärgert sich Wolff im ORF und verrät: "Wir haben auf beiden Autos überhaupt keine Bremen mehr gehabt. Das konnten wir den Fahrern nicht sagen, so sind die Regeln."

"Bei Nico ist das Brake-by-Wire ausgefallen, also auf der Spitzkehre oben hat er keine Bremse mehr gehabt und hat Lewis den Platz nicht gelassen. Das ist besonders ärgerlich", so Wolff, der die Freude über den Hamilton-Sieg als "total getrübt" bezeichnet. Der Österreicher kündigt an: "Da werden wir uns jetzt ernsthaft unterhalten müssen." Im englischen Fernsehen bezeichnet Wolff die Aktion sogar als "hirnlos".

Wolff kritisiert beide Fahrer

Auf Nachfrage, wen genau er damit meint, antwortet er: "Das muss ich nicht kommentieren. Die Bremsen waren am Limit, oder sogar darüber. Aber das durften wir den Fahrern nicht sagen. Nico hatte auf der Geraden einen Brake-by-Wire-Defekt. Aber dass sie sich dann ins Auto fahren, macht mich sauer. Ich weiß noch nicht, was ich ihnen sagen werde. Es hätte ebenso gut ein Doppelausfall sein können."

"Wir müssen uns das genau anschauen", ergänzt Niki Lauda und erklärt: "Es hat keinen Spaß gemacht, das anzuschauen. Ich schätze, Nico hatte in der Kurve ein Bremsproblem. Dadurch wurde er rausgetragen und Lewis rausgedrängt. Aber warum sie sich danach reinfahren, das habe ich nicht eindeutig gesehen und ich verstehe es nicht. Ich glaube, das war Nicos Fehler. Aber ich muss es mir anschauen."

"Man kann sich verbremsen, aber wenn ich weiß, dass die Bremsen schwach werden, muss ich schon vorher anfangen, etwas zu tun. Mehr Schuld hat Nico, sagen wir einmal so", ergänzt Lauda bei RTL, wo sich Wolff auch noch einmal darüber ärgert, dass man ein gutes Ergebnis "weggeworfen" hat. Die Aktion sei "absolut vermeidbar" gewesen - und zwar von beiden Seiten. Rosberg habe sich "zu hart" vereidigt, doch auch das "brutale Zurückkommen von Lewis" sei "unerfreulich" gewesen, so Wolff bei Sky.

Interessant: Mit der Aufarbeitung der Situation möchte Wolff noch abwarten. Man wolle sich erst "in den nächsten Tagen" zusammensetzen. "Ich möchte das nicht in der Öffentlichkeit machen. Ich glaube, das müssen wir hinter verschlossenen Türen machen", sagt der Teamchef und ergänzt: "Da müssen zuerst die Emotionen abkühlen, und dann kann man darüber diskutieren."

Rosberg gibt Hamilton die Schuld...

Bei den beiden Betroffenen kochen die Emotionen unmittelbar nach dem Rennen jedenfalls noch ziemlich. "Das ist manchmal echt hart! Ich war überzeugt, dass ich das nach Hause fahre", ärgert sich Rosberg bei RTL und erklärt: "In der letzten Runde haben die Bremsen überhitzt. Dadurch war es in dem Moment noch schwieriger und Lewis hat eine kleine Chance bekommen."

"Nichtsdestotrotz war ich auch so überzeugt, dass ich das halte. Innen war ich in einer starken Position. Mein Bremsweg war etwas länger, weil ich mit den Bremsen ein bisschen Schwierigkeiten hatte. Innen war aber eigentlich alles unter Kontrolle. Ich war überrascht, dass Lewis eingelenkt hat. Dadurch kam dann die Kollision und das war´s dann - mega enttäuschend", so Rosberg, der damit Hamilton zumindest indirekt die Schuld an der Kollision gibt.

Auf eine klare Schuldzuweisung verzichtet der Deutsche allerdings und erklärt lediglich: "Ich belasse es dabei, was ich gerade gesagt habe. Das sind die Fakten, so wie ich sie geschildert habe. Es ist besser, wenn ich da jetzt nicht weiter reingehen. Ohwei, ohwei - unglaublich!" Bei 'Sky' legt Rosberg allerdings noch einmal nach und erklärt: "Ich bin innen und kann das diktieren, da hat es mich sehr überrascht, dass Lewis eingelenkt hat, voll in mich rein."

"Somit kam es zur Kollision, mega enttäuschend, das Rennen so zu verlieren", ärgert sich Rosberg. Sein Teamkollege sieht das erwartungsgemäß leicht anders und erklärt gegenüber Sky Sports F1: "Ich fuhr nach außen, war vorne. Ich habe ihm unendlich viel Platz gelassen, um die Kurve zu kriegen. Ich lenkte bei der weißen Linie ein - und bumm! Ich wurde getroffen. Es ist ziemlich klar, dass er mich getroffen hat, und nicht umgekehrt."

...und Hamilton Rosberg

"Nico hat in der ersten Kurve einen Fehler gemacht, erwischte den inneren Randstein und kam weit nach draußen. Ich saugte mich dann rauf zu Kurve 2 an, war auf der Ideallinie. Er war dann in meinem toten Winkel, ich rechnete also damit, dass er immer noch hier ist. Ich fuhr also einen weiten Bogen und war am Streckenrand, aber er kollidierte mit mir", schildert Hamilton den Vorfall aus seiner Sicht.

"Mein Renningenieur hat mir gesagt, dass er ein Problem hat, dass vielleicht etwas mit seinen Bremsen nicht in Ordnung ist. Ich bin also nicht ganz sicher, was passiert ist. Als ich auf die Strecke zurückkam, war es sehr knapp zwischen uns beiden", so der amtierende Weltmeister. Im Hinblick auf die bevorstehende Aufarbeitung der Situation erklärt er ganz locker: "Das wird sehr geradlinig sein."

"Ich habe ehrlich gesagt noch nicht wirklich ein Bild von den Ereignissen, wo genau ich auf der Strecke war und was dann passiert ist. Ich kann das also nicht beurteilen, ehe ich die TV-Wiederholungen gesehen habe. Vielleicht hat er einen Fehler gemacht? Vielleicht war es ein Problem? Wer weiß... Manchmal passieren solche Dinge eben", so der Spielberg-Sieger.

Rosberg hingegen erklärt, dass er "nichts" Positives aus dem Rennen mitnehmen kann. "Ich wollte gewinnen heute und in der letzten Runde war es aus", so der enttäuschte WM-Spitzenreiter. Es bleibt abzuwarten, welche Konsequenzen Mercedes nach dem erneuten Crash der beiden ziehen wird. Selbst eine Stallregie scheint mittlerweile nicht mehr ausgeschlossen zu sein...

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