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Grand Prix von Österreich

Weiterer Zuseherschwund in Spielberg

Sorge um den Großen Preis von Österreich: Nur noch 40.000 Fans pilgerten am Sonntag nach Spielberg – zieht Mateschitz die Reißleine?

Stetig nachlassendes Interesse und halbleere Tribünen: Der Große Preis von Österreich in Spielberg hat einen dramatischen Zuschauerschwund zu beklagen. Das gesamte Rennwochenende verfolgten an der Strecke nur noch rund 85.000 Zuschauer. Besonders dramatisch: Für das Rennen am Sonntag wurden nur rund 40.000 Tickets abgesetzt. Zum direkten Vergleich: Bei der Rückkehr in die Steiermark 2014 war der Grand Prix selbst mit 95.000 Besuchern restlos ausverkauft.

Schon im vergangenen Jahr hat das Interesse deutlich nachgelassen: 55.000 kamen zum Rennen, an allen drei Tagen waren es 120.000 Fans. Das neunte Rennwochenende der Formel-1-WM 2016 lockte aber keine Massen mehr an. Während 2014 an vier Tagen 225.000 Zuschauer die Strecke besuchten, waren es in diesem Jahr ganze 140.000 Fans weniger: 5.000 am Donnerstag, 15.000 zu den freien Trainings am Freitag, 25.000 am Samstag und eben die ernüchternden 40.000 beim Rennen sind für die Veranstalter des Grand Prix von Österreich alarmierende Zahlen.

Schon im Vorjahr hatte man erkannt, dass nach dem Comeback 2014 die Neugierde schwinden würde, und versucht, mit einem umfassenden Rahmenprogramm gegenzusteuern: Autogrammstunden, Pitwalk, Legendenparade und Konzerte haben aber nicht wesentlich dazu beigetragen, die Massen zu mobilisieren. Zum Vergleich: Die Motorrad-WM, die vom 12. bis 14. August nach Spielberg zurückkehren wird, soll laut Veranstalter bis zu 250.000 Fans anlocken, wenngleich auch dies ein Einmaleffekt bleiben könnte.

Das Problem könnte also beim Produkt, sprich der aktuellen Formel-1-WM, zu suchen sein, wie auch Dietrich Mateschitz, der geistige Vater der Neuauflage des Grand Prix von Österreich, bestätigt. "Dass die Formel 1 derzeit nicht gerade boomt, ist bekannt, aber wir bräuchten mehr solche Rennen wie heute, dann würde sich das schnell ändern", so der Konzerngründer im hauseigenen Medium Speedweek nach dem diesjährigen Rennen.

Als einen der Gründe für das nachlassende Interesse hat Mateschitz die fortwährende Mercedes-Dominanz auf der Rennstrecke ausgemacht. "Wenn es Ferrari und uns gelingt, Mercedes noch mehr unter Druck zu setzen, dann wird das Interesse sehr rasch wieder steigen", so seine Hoffnung. Der Österreicher verweist auf die vielen Zusatzangebote für die Besucher in Spielberg und ist der Meinung, nichts unversucht gelassen zu haben: "Was wir an Extras für die Fans versuchten, wurde allgemein anerkannt und sehr gut aufgenommen." Auch Bernie Ecclestone sei sehr zufrieden gewesen.

Gibt es weitere Gründe für den dramatischen Zuschauerrückgang in Spielberg? Mateschitz' Motorsportberater Helmut Marko etwa verweist neben der Mercedes-Dominanz auf den starken Euro und das aktuelle Formel-1-Reglement, das seit Jahren in der Kritik steht. Force-India-Co-Teamchef Robert Fernley bringt überdies die Fußball-EM ins Spiel, die derzeit die sportlichen Schlagzeilen auf dem Kontinent dominiert, wenngleich die Spiele ihrer KO-Phase nicht mit dem Motorsportangebot kollidieren.

Fernley vergleicht außerdem die Veranstaltungen in Spielberg und in Baku – in der aserbaidschanischen Hauptstadt hat vor gut zwei Wochen zum ersten Mal in der Geschichte ein Formel-1-Rennen stattgefunden. Zwar waren auch dort viele Tribünenplätze leer geblieben, doch das soll sich im kommenden Jahr ändern. "Wegen Baku mache ich mir weniger Sorgen, da werden viele die TV-Übertragung gesehen haben und nächstes Jahr kommen", so der Force-India-Verantwortliche.

Ernsthafte Gedanken müsse man sich seiner Meinung nach aber um die etablierten europäischen Kurse machen: "Vielleicht hat sich etwas daran geändert, was die Menschen wollen. Hockenheim oder Spielberg, das sind reinrassige Rennstrecken. Wer die Reise macht, kommt für den Motorsport und für nichts anderes. In Baku zum Beispiel ist es eher eine Kombination mit dem Sightseeing. Das sollte sich CVC ansehen", so Fernley. Sein Argument: Die Anzahl der klassischen Formel-1-Fans nimmt ab, die Mehrheitseigner der Formel-1-WM müssten daher Angebote schaffen, die über den Rennsport hinausgehen.

Nur so ließen sich neben den Eintrittskarten auch andere Einnahmequellen generieren, glaubt Fernley. "Wenn diese Erlöse steigen, lastet vielleicht nicht mehr so viel Druck auf den Promotern", meint der Brite. Doch genau solchen Mehrwert haben Mateschitz & Co. in Österreich ja zu schaffen versucht und wurden damit zum zweiten Mal in Folge nicht belohnt. Steht jetzt sogar zu befürchten, dass der österreichische Geschäftsmann das Experiment "Spielberg und die Formel-1-WM" bald wieder beendet, weil es sich nicht wirklich lohnt?

Landsmann Gerhard Berger teilt diese Befürchtung nicht. "Er wird sich zunächst anschauen, woran es liegt", so der Ex-Rennfahrer. "Wichtig ist, dass er sich sicher sein kann, dass es nicht an der Art und Weise krankt, wie er den Österreich-Grand-Prix veranstaltet. Das Wochenende hier ist außergewöhnlich, es ist einer der besten Grands Prix des ganzen Jahres", glaubt Berger trotz ausbleibender Zuschauer nicht an ein baldiges Ende der Formel-1-Rennen in Österreich.

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