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Grand Prix von Italien

Hamilton: „Weiß nicht, was da passiert ist“

Lewis Hamilton entschuldigte sich gleich nach dem verpatzten Start bei seiner Boxencrew, die genaue Ursache ist ihm aber ein Rätsel - Wolff: „Das hat er versemmelt“.

Es war alles angerichtet für den Sieg beim Italien-Grand-Prix in Monza, doch Lewis Hamilton warf den nach dem Qualifying scheinbar beschlossenen Erfolg am Sonntag weg - direkt am Rennstart. Beim Losfahren von der Pole-Position hatte der Brite zu stark durchdrehende Räder und fiel auf den sechsten Rang zurück, ehe er sich mit zwei Überholmanövern und mit der Hilfe der Boxenstrategie wieder auf Platz zwei vorarbeitete. Noch im Boxenfunk nahm Hamilton die Sache auf seine Kappe.

Er beruhigte seine Ingenieure über den Äther: "Jungs, macht euch wegen des Starts keine Sorgen, das war mein Fehler." Hamilton spielte den Psychologen, denn er wusste, dass er seine Mannschaft noch brauchen würde, um Schadensbegrenzung zu betreiben, obwohl er sich über das Geschehen am Start gar nicht uneingeschränkt im Klaren war. "Ich wusste, dass sie sich Sorgen machten und nervös waren. Ich weiß aber nicht wirklich, was passiert ist. Ich habe alles gemacht wie immer."

Er spricht von zu viel Wheelspin und vergleicht den Start mit dem Nico Rosbergs in Hockenheim. Fortan sei er im Fight um den Sieg chancenlos gewesen. "Ganz einfach", sagt Hamilton, "der Start war entscheidend, und danach wollte ich einfach nur zurückkommen und Zweiter werden." Der Teamkollege und WM-Rivale war ab der ersten Runde auf und davon. Er zog den Plan durch, mit dem Hamilton bis zum Erlöschen der Ampel gerechnet hatte. "Er ist mit freier Fahrt weggezogen, hat es laufen lassen. Meine Chancen sind Runde für Runde und Sekunde für Sekunden gesunken. Ich wusste früh, dass ich nicht gewinnen könnte, aber versuchte es wenigstens", seufzt der Brite.

Hamilton wusste sofort, dass er nicht mehr gewinnen kann

Hamilton dagegen sollte trotz Verkehr die Reifen schonen, zumal ein möglicher Bremsplatter aus dem Qualifying zusätzlich für Bauchschmerzen sorgte. Das tat er, nachdem er sich an Daniel Ricciardo im Red Bull und an Valtteri Bottas auf Rang vier vorgearbeitet hatte. Die Ferrari kassierte Hamilton dank perfekter Boxenstopps mit taktischen Mitteln. Sowohl Sebastian Vettel als auch Kimi Räikkönen kamen zweimal, der Weltmeister zog einen langen ersten Stint auf Soft durch und legte am Ende zu. Er holte sich kurz vor Halbzeit Mediums und fuhr das Podium sicher nach Hause.

Hamilton lobt seine Crew für das Lösen einer kniffligen Aufgabe: "Wir haben die beste Strategie durchgezogen. Wenn man aber hinter langsamen Autos steckt..." Er habe sich nur rehabilitieren wollen, nicht mehr an den Sieg gegen Rosberg gedacht. Und immerhin musste er nicht in dem Stile durch das Feld pflügen wie nach Antriebsstrafen in Spa-Francorchamps. "Eigentlich ein einfaches Wochenende verglichen mit dem vergangenen", ist Hamilton wieder zu Scherzen aufgelegt.

Nach großen Lobeshymnen infolge der Fabelrunde am Samstag musste Mercedes-Sportchef Toto Wolff seinem Superstar ein schlechtes Zeugnis ausstellen - ohne Vorwürfe zu formulieren: "Das hat er versemmelt", stellt er klar, will seinen Schützling damit aber nicht an den Pranger stellen. "Wir versuchen, im Team Transparenz zu haben. Mal machst du den Fehler, mal ein anderer. Aber wir zeigen nicht mit dem Finger drauf, sondern versuchen, das Problem zu lösen", erklärt Wolff.

Neues Reglement oder W07 der Grund für die Probleme?

Auch wenn Hamilton wohl nicht akkurat mit der Kupplung arbeitete, Mercedes wird in dem Fall Ursachenforschung betreiben. "Wir wissen es nicht ganz genau. Die Hinterreifen sind von Anfang an weggerutscht", schildert Chefingenieur Aldo Costa seine Beobachtungen. 'Sky'-Experte Marc Surer wundert sich derweil: "Er fuhr rechtzeitig los, aber dann ging nichts mehr. Ich denke, dass er in den zweiten Gang schaltet und dann durchdrehende Räder bekommt." Bei über 900 PS Systemleistung und einer Beschleunigung in 2,5 Sekunden von null auf 100 ist das fatal.

Übrigens: Im Funk wurde Hamilton offenbar noch deutlicher als bei den Worten, die im TV-Bild gesendet wurden. "In Deutschland und in Österreich hat man das Wort verstanden. Er war einfach so dominant gestern im Qualifying - und dann hat er es am Start verloren", sagt Toto Wolff. Es war nicht das erste Mal, dass Hamilton den Start verpatzte. Nach vielen Kupplungsproblemen zum Saisonauftakt misslang das Losfahren auch in Kanada. Anschließend hatte nur Rosberg Probleme.

Was den Sportchef nicht wundert: "An einem Tag geht es richtig gut, an einem richtig schlecht. Wir haben die Regeln geändert und den Fahrern mehr Verantwortung gegeben. Das kann passieren." Hamilton sieht das anders. Er erkennt die Schwierigkeiten bei Mercedes' W07, nicht im Reglement: "Meiner Meinung nach hängt nicht mehr vom Fahrer ab, es ist genau wie früher. Wir haben eine sehr ungleichmäßige Kupplung." Früher sei es aber selbst mit dieser Technik einfacher gewesen, weil der Ingenieur über die Temperatur informierte und sich so der Schleifpunkt besser bestimmen ließ. "Jetzt ist es kniffliger einzuschätzen, was die Kupplung leistet und was nicht", sagt Hamilton.

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RBR: „Fast optimale Schadensbegrenzung“ RBR: „Fast optimale Schadensbegrenzung“ Rennen - Bericht Rennen - Bericht

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