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Grand Prix von Japan

Holt Hamilton den 50. Grand-Prix-Sieg?

Nach seinem Pech in Sepang steht der Brite im Titelduell mit dem Rücken zur Wand, doch Suzuka könnte die ideale Konterchance werden.

War Sepang schon die Vorentscheidung in der Fahrer-WM? Nach Lewis Hamiltons kapitalem Motorschaden, der seine Siegträume nach einem bis dahin perfekten Wochenende zunichte machte, führt Nico Rosberg fünf Rennen vor Schluss nun bereits mit 23 WM-Punkten Vorsprung. Er könnte sich also einen Ausfall leisten und wäre immer noch auf Augenhöhe mit Hamilton. Doch den Briten abzuschreiben, wäre ein Fehler, zumal der anspruchsvolle Kurs in Suzuka ihm ganz besonders liegt.

"Ich liebe die Strecke in Suzuka. In den vergangenen beiden Jahren war ich dort schnell unterwegs", sagt Hamilton, der Rosberg 2014 und 2015 im direkten Duell um den Sieg schlagen konnte und somit zwei Suzuka-Siege zu Buche stehen hat. Rosberg jagt einem Triumph auf der "Achterbahn" hingegen noch nach. Abgesehen von zwei Podestplätzen und den zwei Pole Positions gab es nicht viel Zählbares; daher sieht er Verbesserungspotenzial: "Dort ist es für mich bislang nie richtig gut gelaufen, aber ich glaube, dass ich in dieser Saison gezeigt habe, dass ich aus den letzten beiden Jahren viel gelernt habe."

Ist Hamilton nach seinem noch nicht restlos geklärten Motorschaden nun im Nachteil gegenüber Rosberg? Nein, denn der Brite hat nun genau die gleiche Ausgangslage wie der Deutsche, was gebrauchte Aggregate, die im freien Training eingesetzt werden können, betrifft. Für Salz in der Suppe könnte an diesem Wochenende auch das Wetter sorgen: Nach einem vermutlich trockenen Freitag wird für Samstag und Sonntag eine zunehmende Regenwahrscheinlichkeit prognostiziert. Eine nasse Piste während des Qualifyings gilt als wahrscheinlich, am Sonntag könnten kräftigere Schauer folgen.

Das Rennen im Jahr 2014, das von Jules Bianchis Unfall überschattet wurde, hat gezeigt, wie schwierig es ist, bei derartigen Bedingungen in Suzuka zu fahren. Durch die hügelige Topographie müssen die Piloten mit zahlreichen Rinnsalen quer über die Fahrbahn rechnen. Öffnet der Himmel tatsächlich seine Schleusen, ist auch Red Bull Racing wieder ein Siegkandidat. Kein Bolide funktioniert in Nassen so gut wie der RB12, doch auch bei trockener Piste darf ihn nicht unterschätzen, denn in Suzuka zählt vor allem Abtrieb – die Spezialität der Mannschaft um Adrian Newey.

Die in Sepang erneut schwer geschlagene Scuderia Ferrari muss hingegen vorrangig versuchen, die Abwärtsspirale zu stoppen: Suzuka liegt zwar beiden Piloten, doch Sebastian Vettel wird wegen seiner Startkollision von Sepang nach dem Qualifying um drei Plätze zurückversetzt. Auch das Aero-Update aus Malaysia schlug nicht wie erhofft ein, in Suzuka wird man den Flügel erneut testen. Inzwischen hat man aber in Maranello erkannt, dass Platz zwei in der Konstrukteurs-WM vermutlich verloren ist.

"Es wird sehr schwer, sie noch einzuholen", fürchtet Teamchef Maurizio Arrivabene. Dazu müssten man 46 Punkte aufholen." In der Fahrer-WM läuft der inzwischen nur noch fünftplatzierte Vettel sogar Gefahr, auch noch von Max Verstappen überholt zu werden, der lediglich sechs Zähler hinter ihm liegt. Wie zuletzt probiert Ferrari eine aggressive Reifenstrategie und wählte für Suzuka neun Sätze Softreifen, die weichste verfügbare Mischung. Vettel ist der einzige Fahrer, der lediglich einen Satz Mediumpneus bestellte; wegen des erwarteten Regens bleibt all das aber vielleicht ohnehin nur Theorie.

Bleibt es hingegen trocken, müssen die Piloten in Japan wie schon in Sepang einen Satz der härtesten Reifenmischung aufziehen. Das ergibt dort Sinn, denn der alte Suzuka-Asphalt ist deutlich rauer als der neue Belag in Malaysia, und in den schnellen Kurven werden die Pneus ordentlich auf die Probe gestellt. Im Vorjahr konnte sich Hamilton mit einer Zweistoppstrategie durchsetzen; eine Safety-Car-Wahrscheinlichkeit von 60 Prozent und ein nicht gerade überholfreundlicher Kurs mit nur einer DRS-Zone bei Start und Ziel müssen in die Strategie einberechnet werden.

Im Duell um Platz vier in der Konstrukteurs-WM ist diesmal Force India leicht zu favorisieren, denn der Williams-Bolide gilt nicht gerade als Abtriebswunder – doch genau darum geht es in Suzuka. Das Team rund um Nico Hülkenberg und Sergio Pérez war in Japan schon im Vorjahr stark und liegt heuer nur haarscharf vor Williams: Drei Zähler trennen die beiden Rennställe. Dahinter hat McLaren im Duell gegen Toro Rosso mit 15 Punkten Vorsprung für eine kleine Vorentscheidung gesorgt, was für Honda an diesem Wochenende aber nur Nebensache ist: Für die Lokalmatadoren gilt es, nach der peinlichen Vorstellung im Vorjahr, als Fernando Alonso das Aggregat als GP2-Motor bezeichnet hatte, das Gesicht zu wahren.

Das ist wohl auch der Grund, warum Jenson Button auf sein Motorupdate bis Austin warten muss, das Alonso bereits in Sepang erhalten hat. "Bloß keine Startplatzstrafen", lautet die Devise. Am Ende des Feldes wird es für Sauber langsam eng. Die Schweizer haben es trotz Updates bislang nicht geschafft, den ersten WM-Punkt der Saison einzufahren und liegen somit nach wie vor hinter Manor auf dem letzten Platz, der im nächsten Jahr keine TV-Gelder einbrächte. Mit insgesamt 19 Rennen ohne Zähler hat man nun auch den eigenen Negativrekord aus dem Jahr 2014 gebrochen; ein Chaosrennen in Suzuka könnte sich als ein Rettungsanker erweisen.

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