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Grand Prix von Japan

UPDATE: Mercedes zieht Protest zurück

Max Verstappen sorgte mit einem „hart aber fairen“ Manöver gegen Lewis Hamilton für Aufsehen - Das Manöver wird von der FIA nicht mehr untersucht.

Der Fahrer des Tages beim Großen Preis von Japan in Suzuka war Max Verstappen - so sahen es zumindest die Fans bei der Abstimmung auf der offiziellen Internetseite der Formel 1. Der Red-Bull-Pilot sorgte nicht nur durch seinen starken zweiten Platz, sondern wieder einmal durch beinhartes Zweikampfverhalten für Furore. In der Schlussphase des Rennens verteidigte sich Verstappen vehement gegen den von hinten heranstürmenden Lewis Hamilton (Mercedes). Und das mit Erfolg.

Dabei war Verstappen einmal mehr in der Wahl seiner Mittel nicht zimperlich. In der vorletzten Runde warf er Hamilton in letzter Sekunde vor dem Anbremsen der Schikane die Türe zu. Der Mercedes-Pilot wich nach links in den Notausgang aus und hatte danach keine Chance mehr, einen weiteren Angriff auf Verstappen zu lancieren.

"Ich habe die Türe zu gemacht, aber er war noch weit genug entfernt um das zu sehen", erklärt Versteppen und beteuert, dass er Hamilton keinesfalls von der Bahn drängen wollte. "Ich weiß, dass er um die WM kämpft, da macht man keine verrückten Sachen. Er ist gut aus Kurve 14 heraus gekommen. Ich habe den Überhol-Knopf gedrückt, um ein paar PS mehr freizusetzen und habe mich in der Schikane gut verteidigt. Das war kein Problem."

Erinnerungen an Ungarn und Belgien

Den Zusatzboost seines Renault-Antriebs sparte sich Verstappen bei der Abweher der Angriffe Hamiltons immer geschickt für die Gegengerade auf. "Ich bin jedes Mal so gut aus der Schikane gekommen, dass es dort nicht notwendig war. So konnte ich es mir für die andere Gerade aufsparen, wo ich es wirklich gebraucht habe."

Das Manöver des Niederländers erinnerte an ähnliche Aktionen in Ungarn und Belgien, wo sich Verstappen aggressiv gegen Kimi Räikkönen zur Wehr gesetzt hatte. "Max Verstappen hat sich schon öfter in diese Situationen gebracht, und er nutzt das aus", erinnert Experte Timo Glock bei RTL. "Wenn er keine Strafe bekommt, hat er wieder alles richtig gemacht. Er muss seinen zweiten Platz verteidigen und muss keinen vorbei winken."

Während Verstappen damals teilweise heftig kritisiert wurde, blieb heute ein Aufschrei aus. Selbst Hamilton, der als Erster Grund gehabt hätte, sich über das Manöver zu beschweren, meinte nach einem für ihn enttäuschenden Rennwochenende lediglich niedergeschlagen: "Das ist jetzt auch egal. Es ist passiert, ich muss nach vorne schauen."

Mercedes legt Protest gegen Verstappen ein

Mercedes-Sportchef Toto Wolff stimmte sogar ein Loblied auf den jungen Niederländer an. "Im Grunde meines Herzens bin ich Rennfahrer und liebe hartes Racing. Er ist erfrischend und verteidigt sich sehr hart", sagt er über Verstappen. "Aus meiner Sicht ist hartes Racing okay." Niki Lauda teilt zwar einerseits die Meinung seines Landsmanns und findet: "Das Manöver ist für mich normal." Gleichzeitig merkt er aber an: "Er hat beim Bremsen die Seite gewechselt. Den Vorfall sollten sich die Stewards ansehen. Sie müssen sich darüber ihre Meinung bilden, ich sage dazu nichts."

Und das müssen die Sportkommissare tatsächlich. Denn obwohl Mercedes öffentlich beteuert, dass sie die Aktion hart aber fair finden, legte das Team nach dem Rennen Protest gegen Verstappen ein. Mercedes wirft dem Red-Bull-Piloten einen Verstoß gegen Artikel 27.5 des Sportlichen Reglements der Formel 1 vor, der unberechenbare oder für andere gefährliche Fahrweise unter Strafe stellt.

Die Erfolgsaussichten dieses Protests sind jedoch eher gering einzuschätzen, nachdem ähnliche Aktionen von Verstappen in der Vergangenheit nicht geahndet worden waren. Allerdings wird der Protest zur Hängepartie. Da Mercedes ihn erst eingelegt hatte, nachdem Hamilton die Rennstrecke verlassen hatte, konnte dieser nicht mehr von den Sportkommissaren gehört werden. Nach Beratungen mit Vertretern beider Teams wurde daher entschieden, den Fall an die Rennleitung des Grand Prix der USA in Austin zu verweisen. Bis diese in der übernächsten Woche darüber entscheiden, bleibt das Ergebnis inoffiziell.

Entscheidung erst in Austin

Die Haltung der Sportkommissare in Suzuka zum Manöver des Niederländers zeichnete sich jedoch klar durch folgenden Vorgang ab: Nach dem Rennen wurde Verstappen zwar von der Rennleitung zum Gespräch gebeten, allerdings wurde vor dem Protest von Mercedes keine formelle Untersuchung gegen ihn eingelegt. In Austin entscheiden jedoch andere Sportkommissare über den Fall.

So oder so wird jedoch erwartet, dass Rennleiter Charlie Whiting bis zum nächsten Rennen in Austin noch einmal klar stellt, welches Verhalten im Zweikampf erlaub ist und welches nicht. Das wäre auch im Sinne von Mercedes-Sportchef Wolff. "Das Regelbuch sagt, dass man in der Bremszone nicht herüber ziehen darf, aber er hat bisher keine Strafe bekommen. Wir müssen wissen, was erlaubt ist und was nicht."

Für Verstappens Teamchef Christian Horner liegt die Sache hingegen klar auf der Hand. "Aus meiner Sicht war es hart, aber fair, ich habe da kein Problem gesehen. Er hat nur einmal die Spur gewechselt und ist auch vor der Bremszone herüber gezogen", sagt der Brite und bemerkt: "Lewis war auch etwas zu schnell." Bei dem Geschwindigkeitsüberschuss, mit dem der Mercedes-Pilot in den Notausgang auswich, scheint es in der Tat fraglich, ob er die Schikane auf der Innenbahn noch erwischt hätte. Daher steht für Horner fest: "Es war gutes Racing zwischen den beiden, und auch Lewis schien nach dem Rennen kein Problem damit zu haben."

UPDATE: Mercedes zieht Protest zurück

Mercedes hat seinen Protest gegen die Wertung des Japan-Grand-Prix am Sonntagabend wieder zurückgezogen. Die formelle Beschwerde über das Verteidigungsmanöver Max Verstappens im Zweikampf mit Lewis Hamilton wird von der FIA demnach nicht weiter verfolgt - und hätte wohl ohnehin kaum Aussicht auf Erfolg gehabt, nachdem sogar Verantwortliche der Silberpfeile den Niederländer für seine Fahrweise gelobpreist hatten. Von all dem wusste Hamilton allerdings nichts.

Im Flieger Niki Laudas gemeinsam mit Sportchef Toto Wolff auf dem Rückweg nach Europa ließ der Weltmeister via Twitter verlauten: "Es gibt keinen Protest von mir oder von Mercedes. Ein Idiot hat das behauptet, aber es ist nicht wahr." Zu diesem Zeitpunkt war das offizielle FIA-Dokument lägst im Umlauf. Schwarz auf Weiß, datierend auf 19:12 Uhr Ortszeit Suzuka. Um 19:56 Uhr meldete sich dann Hamilton über den Kurznachrichtendienst zu Wort und fügte noch anerkennende Worte über den Kontrahenten an: "Max ist gut gefahren. Ende. Wir machen weiter."

Warum Lauda - der augenscheinlich von dem Einspruch wusste - ihn nicht aufgeklärt hatte oder er anderweitig von der Aktion erfuhr, bleibt ein Rätsel. Fakt ist: Wenige Minuten nach dem Absetzen des Tweets löschte Hamilton ihn und schrieb in einer neuen Mitteilung, dass nur er persönlich nicht protestiert hätte. "Ich habe gerade gehört, dass das Team es getan hat, aber ich habe ihnen gesagt, sie sollten es lassen. Wir sind Champions und machen weiter. Ende!" Zu Ende ist die Story nicht.

Wie Mercedes offiziell mitteilt, hätte die Rolle rückwärts nichts mit der Meinung des Piloten zu tun. Vielmehr sei man als Team daran interessiert gewesen, ein definitives Klassement zu ermöglichen und nicht dafür zu sorgen, dass die Rennleitung eine Entscheidung erst in der übernächsten Woche in Austin treffen kann. Weil Lewis Hamilton zum Zeitpunkt des Protests schon aus Japan abgereist war (und das auch durfte), wäre der US-Grand-Prix die erste Möglichkeit zur Anhörung gewesen.

Ob die Teamentscheidung nicht doch auf Hamiltons Einfluss zurückzuführen war - etwa während eines Gesprächs mit Wolff und Lauda im Flieger, die die Sache daraufhin an die Truppe vor Ort kommunizierten - bleibt zunächst offen. Wen Hamilton im ersten Tweet mit dem "Idioten" meinte, konnten sich auch die Silberpfeile nicht erklären.

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