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Grand Prix von Malaysia

Wunderasphalt und „seltsame“ Zielkurve

Der neue Sepang-Belag erweist sich als Alleskönner: Welche Auswirkungen der Asphalt und die neue unbeliebte Zielkurve haben – Fällt der Rundenrekord?

Plötzlich alles anders in Sepang? Sieht so aus! Der Tropenkurs war für viele Piloten am ersten Trainingstag wie von den Veranstaltern vorhergesagt nicht wiederzuerkennen. Obwohl nie dagewesene Asphalttemperaturen von 61 Grad Celsius erreicht wurden (der bisherige Rekord waren 59 Grad in Interlagos), hielt der Pirelli-Gummi auf dem neuen Asphalt. Und dennoch wurden die Rundenzeiten um mehrere Sekunden schneller.

Lewis Hamilton benötigte für seine Tagesbestzeit 1:34.944 Minuten. Im Vorjahr fuhr Nico Rosberg im Qualifying die schnellste Runde des Wochenendes in 1:39.269 Minuten. Das bedeutet einen Unterschied von rund 4,3 Sekunden. Und man darf nicht vergessen: Die Teams befinden sich mit ihren Erfahrungen mit dem dunkleren Asphalt, der sich schneller aufheizt, erst am Anfang.

Für Pirelli-Mann Mario Isola sind die Zeiten keine große Überraschung. "Wir haben bereits bei der GP2 eine Verbesserung der Rundenzeiten im Vergleich zu 2013 gesehen", sagt er. Obwohl der Unterschied von 4,3 Sekunden mit Vorsicht zu genießen ist, weil die Teams dieses Jahr mit der Soft-Mischung einen um eine Stufe weicheren Gummi zur Verfügung haben.

Rundenrekord in Gefahr

"Die Soft-Mischung ist unserer Ansicht nach 1,3 bis 1,4 Sekunden schneller als der Medium-Reifen", rechnet der Italiener. "Das müssen wir also abziehen, wenn wir es mit dem Vorjahr vergleichen wollen. Das sind dann aber immer noch 2,5 bis 3 Sekunden. Der Asphalt hat also eine große Auswirkung."

Wackelt sogar der Rundenrekord von 1:32.582 Sekunden, den Fernando Alonso 2005 im Renault aufgestellt hat? "Das wird nicht einfach, aber wir werden nahe rankommen", glaubt Isola. Fakt ist aber schon jetzt, dass der Kurs seinen Ruf als schlimmster Reifenkiller im Kalender verloren hat. "Die Reifen verhalten sich durch den neuen Asphalt ganz anders", bestätigt der Pirelli-Manager. "Der Grip ist nach wie vor gut, aber die Strecke ist viel weniger rau."

Piloten bei Rekordtemperaturen von geringem Reifenabbau überrascht

Und auch die Stirnfalten der Piloten wirken dieses Jahr nach dem ersten Malaysia-Trainingstag weniger ausgeprägt als in den vergangenen Jahren. "Die Soft-Mischungen hätte beim alten Asphalt vielleicht nicht einmal drei oder vier Runden überstanden. Jetzt sind es vielleicht zehn bis 15 Runden", bringt es Carlos Sainz auf den Punkt. "Das ist einfach unglaublich. Vielleicht sollte man diesen Asphalt überall verwenden."

Und auch Mercedes-Pilot Lewis Hamilton zeigt sich überrascht: "Der Reifenabbau ist hier normalerweise mörderisch, aber mit dem neuen Asphalt scheinen die Reifen zu halten. Wir sind für die Longruns dadurch gut aufgestellt." Dennoch ortet er auch eine Schattenseite: "Ich weiß nicht, ob das für die Action gut oder schlecht ist." Der Rennverlauf könnte nun berechenbarer werden.

Button: Plötzlich reißt der Grip ab

Pirelli-Motorsportchef Paul Hembery sieht dennoch zahlreiche Variablen: "Das Wetter könnte sich ständig ändern, was die Strategieplanung sehr schwierig macht." Red-Bull-Pilot Max Verstappen, der bei den Longruns ziemlich aufdrehte, hat wie die meisten Piloten seine Freude mit dem neuen Belag: "Er hat viel mehr Grip, und ich mag das. Mir ist das lieber als das Herumgerutsche."

Einer, der für seinen besonders feinfühligen Umgang mit den Reifen bekannt ist, hat eine seltsame Eigenart des Asphalts erkannt: Jenson Button. Der McLaren-Pilot hält ihn für "schwierig. Er macht dir Hoffnung, weil man den Eindruck bekommt, dass man viel Grip hat, aber plötzlich wird er dir weggenommen. Wir sind die besten Fahrer der Welt und fühlen normalerweise, wann wir Übersteuern bekommen, aber hier kommt es aus dem Nichts."

Neue Zielkurve fordert die Piloten

Wie in Spielberg oder Sotschi weist die neue Asphaltschicht kaum Bodenwellen auf. Dafür wurde die letzte Kurve massiv umgestaltet. Sie hängt nun nach außen und ist enger - und bereitet vielen Piloten Kopfzerbrechen. "Sie ist extra so gestaltet worden, dass man sich schwertut", weiß Sebastian Vettel. Laut dem Ferrari-Piloten haben die italienischen Streckendesigner ihr Ziel erreicht: "Es gibt nicht so viel Grip, man verbremst sich schnell oder verpasst den Scheitelpunkt."

WM-Leader Nico Rosberg wähnte sich plötzlich auf einem anderen Kurs: "Mit ein wenig Neigungswinkel hat sich alles verändert. Es ist jetzt richtig schwierig. Die Ideallinie war kaum zu finden. Sie liegt jetzt in der Mitte der Strecke, was total ungewöhnlich ist." Der Fahrspaß hält sich nun bei vielen Piloten in Grenzen.

Nur Verstappen als ausgewiesener Fan

"Ich mag die neue letzte Kurve nicht", stellt Sainz klar. "Da die Kurve nach außen hängt, verliert man Grip und muss ganz seltsame Linien fahren. Es fühlt sich einfach nicht natürlich an. Man hat das Gefühl, dass man die ganze Runde wie wild pusht und dann am Ende verliert man alles wieder." Auch der Hintergrundgedanke, dass durch die unterschiedlichen Ideallinien mehr Überholmanöver möglich sein könnten, rechtfertigt den Umbau für den Toro-Rosso-Piloten nicht: "Man konnte schon bisher gut überholen und unterschiedliche Linien fahren."

Laut Nico Hülkenberg ist vor allem der Kurveneingang knifflig, während sich Daniel Ricciardo und Romain Grosjean eine attraktivere Kurve gewünscht hätten. Nur einer ist begeistert: Max Verstappen. "Die Kurve ist cool, sie ziemlich breit", frohlockt er. "Man kann dort überholen und verschiedene Linien fahren - das hängt davon ab, ob du Über- oder Untersteuern hast."

Außerdem sei es auch mit verschlissenen Reifen noch möglich, in dieser Passage schnell zu sein: "Dann kannst du dich raustragen lassen und den Schwung mitnehmen. Wenn die Reifen noch frisch sind, willst du natürlich so eng wie möglich fahren."

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