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Grand Prix von Abu Dhabi

Mercedes dominiert Gähn-Finale

Valtteri Bottas verliert den Kampf um die Vize-WM gegen Sebastian Vettel, gewinnt aber den letzten Grand Prix des Jahres letztendlich souverän vor Lewis Hamilton.

Valtteri Bottas (Mercedes) hat beim Finale der Formel-1-Weltmeisterschaft 2017 in Abu Dhabi seinen dritten Grand-Prix-Sieg gefeiert, aber den erhofften Vize-WM-Titel um zwölf Punkte verpasst. Sebastian Vettel (Ferrari) belegte hinter Bottas und dessen Teamkollege Lewis Hamilton den dritten Platz und beendete die Fahrerwertung somit als Zweiter. "Ein sehr wichtiger Sieg für mich", jubelt Bottas, "besonders nach der schwierigen zweiten Saisonhälfte. Ich könnte gar nicht glücklicher sein, die Saison so zu beenden."

Hamilton war über weite Strecken des Rennens der schnellere Mercedes-Fahrer, konnte seinen Speed-Vorteil auf dem Yas Marina Circuit nach dem verlorenen Start aber nicht in eine Attacke ummünzen. Nur einmal wurde es spannend: Als Bottas in Runde 22 von Ultra- auf Supersoft wechselte und Hamilton bis Runde 25 draußen blieb und mit gebrauchten Reifen trotzdem die schnelleren Zeiten fuhr, lag ein Führungswechsel in der Luft.

Doch als es wirklich knapp zu werden drohte, holte Mercedes Hamilton an die Box, um einem Paket überrundeter Fahrer aus dem Weg zu gehen. Hamilton drehte danach einige schnelle Runden und saugte sich in die DRS-Sekunde, doch ein Verbremser in Runde 30 verschaffte Bottas etwas Luft. Später kam Hamilton nochmal bis auf 0,3 Sekunden ran, durch einen kleinen Fehler von Bottas. Doch kurz darauf war der alte Abstand wiederhergestellt.

Mercedes-Sportchef Toto Wolff, das Duell seiner Fahrer in einem sonst langweiligen Rennen genießend, quittierte das alles ganz entspannt mit einem Lächeln. Zumindest im Finish roch es stark nach einem Nichtangriffspakt zwischen den Silberpfeil-Stars. Oder? "Unmöglich hier zu überholen", beteuerte Hamilton vor der Siegerehrung im Podium-Room. "Ich denke, sie sollten etwas unternehmen, um die Strecke zu ändern."



Von einem Nichtangriffspakt will er jedenfalls nichts wissen: "Ich habe alles gegeben, jede einzelne Runde! Im letzten Sektor hatte ich Schwierigkeiten. Ich konnte ihn einfach nicht überholen", ärgert sich Hamilton. Bottas baute seinen Vorsprung in den letzten Runden noch auf 3,9 Sekunden aus. Das zeigt, dass auch er nicht an seine Grenzen gehen musste. "Ich habe das Tempo verwaltet. Ein schönes Gefühl", sagt er.

Vettel, dem trotz Bottas-Sieg schon ein achter Platz gereicht hätte, um den Vize-WM-Titel abzusichern, fuhr auf Platz drei ein einsames Rennen. Letztendlich kam er 26,1 Sekunden vor seinem Teamkollegen Kimi Räikkönen ins Ziel, der wiederum von einem Ausfall von Red-Bull-Pilot Daniel Ricciardo (Hydraulik) profitierte und so einen Platz gewann. Denn in den ersten Runden gab es auf den ersten zwölf Positionen (!) nicht ein einziges Überholmanöver!


Vettel gab eigenen Angaben zufolge besonders im ersten Stint "alles"; letztendlich hatte er nach 55 Runden 19,3 Sekunden Rückstand. "Ich hatte einen guten Start, aber mir ging der Platz aus", schildert er die aus seiner Sicht vorentscheidende Szene in der ersten Runde. "Ich verbremste mich, das hat dem Reifen nicht gut getan. Von da an war es ein einsames Rennen. Es war einfach nicht genug, um Mercedes herauszufordern."

Für Action sorgten lediglich die beiden Ex-Teamkollegen Nico Hülkenberg (Renault) und Sergio Perez (Force India) im Kampf um Platz sieben. Perez schob sich am Ende der langen Gerade an Hülkenberg vorbei. Hülkenberg gelang der Konter nur, indem er eine Kurve abkürzte - was ihm eine Fünf-Sekunden-Strafe einbrachte, abzusitzen beim Boxenstopp. Doch trotz der Strafe und eines klemmenden Rads blieb er nach dem Boxenstopp vor Perez.

Das wirft Fragen über die Sinnhaftigkeit der Fünf-Sekunden-Strafe auf, weil Hülkenberg die Position eigentlich sofort zurückgeben hätte müssen, anstatt sich danach rundenlang einen Vorsprung zu erkämpfen. Perez ärgerte sich darüber schon am Boxenfunk: "Was ist nur mit Charlie los?" Denn ihm dauerte die Untersuchung des Zwischenfalls zu lange.


Wie dem auch sei: Hülkenberg brachte Platz sechs ins Ziel ("That's what I am here for") und bescherte damit seinem Renault-Team den sechsten Platz in der Konstrukteurs-WM, letztendlich vier Punkte vor dem in Abu Dhabi desolat auftretenden Toro-Rosso-Team. Wenn Brendon Hartley (15.) und Pierre Gasly (16.) mal im Bild waren, dann bei Drehern oder Ausritten. Der Platztausch zwischen den beiden Teams ist rund sieben Millionen US-Dollar an Preisgeldern wert.

Hülkenberg setzte das gleiche Manöver wie gegen Perez später gegen Romain Grosjean (Haas), der zu dem Zeitpunkt noch nicht an der Box war. Diesmal ging er kein Risiko ein und gab die Position zurück. Das Haas-Team hätte theoretisch ebenfalls noch Sechster werden können. Ein elfter Platz durch Grosjean und P13 durch Kevin Magnussen (nach Dreher in der ersten Runde) waren aber zu wenig, um noch vom achten WM-Rang nach vorne zu kommen.


Dabei kann man Haas nicht den Vorwurf machen, nicht gekämpft zu haben. Grosjean fightete rundenlang mit Lance Stroll (Williams) um P13, ehe er in Runde elf endlich vorbeikam. Und Magnussen wehrte sich gegen den tapfer fahrenden Pascal Wehrlein, der im Sauber eine fantastische Abschiedsvorstellung darbot und versuchte, sich doch noch für ein Stammcockpit zu empfehlen. Auch wenn er beim tollen Manöver gegen Magnussen ausgekontert wurde.

In einem über weite Strecken ziemlich einschläfernden Rennen (Helmut Marko: "Das fadeste Rennen, an das ich mir erinnern kann") kamen 18 von 20 Autos ins Ziel. Neben Ricciardo schied auch Carlos Sainz aus. Beim Spanier pfuschte die Renault-Crew beim Boxenstopp, sodass er unmittelbar danach ein Rad verlor und aufgeben musste. Berater Alain Prost hätte sich wohl grün und blau geärgert, wenn das den sechsten Platz in der Konstrukteurs-WM gekostet hätte.


In der Fahrer-WM gab es durch das Ergebnis in Abu Dhabi eine nennenswerte Veränderung, denn Räikkönen schob sich noch an Ricciardo vorbei auf Platz vier. "Wenn ich brutal ehrlich bin", sagt Ricciardo achselzuckend, "hätte er mit diesem Auto sowieso meilenweit vor mir liegen müssen. Für mich ist das also keine große Sache." Zumal er ohnehin keine Chance mehr hatte, unter Umständen noch Gesamtdritter zu werden.

Die Formel-1-Saison 2017 ist damit Geschichte. Am Dienstag und Mittwoch findet auf dem Yas Marina Circuit noch ein Pirelli-Reifentest mit allen Teams statt, doch danach geht's endgültig in die Winterpause. Weiter geht's dann erst mit dem Grand Prix von Australien in Melbourne am 25. März 2018. Dann aufgrund teilweise neuer Regeln (Einführung von Halo) mit neu gemischten Karten …

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