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Grand Prix von Bahrain

Bottas knackt Hamilton hauchdünn

Valtteri Bottas sichert sich in Bahrain die erste Pole-Position seiner Karriere - Mercedes dank Extra-Power wieder unantastbar, Vettel aber optimistisch.

So spannend hatte es nach dem Abschlusstraining ausgesehen, sogar Red Bull schien in den Kampf an der Spitze eingreifen zu können. Aber letztendlich war das Qualifying zum Grand Prix von Bahrain in Sachir dann doch wieder eine rein silberne Angelegenheit - mit überraschenden Ausgang: Valtteri Bottas sicherte sich die Pole-Position vor Lewis Hamilton.

"Deine neunte Pole-Position, Valtteri!", gratulierte Renningenieur Tony Ross, der Bottas schon in Schanghai mit Nico Rosberg verwechselt hatte. Trockene Antwort des Finnen: "Es ist meine erste, Jungs." Aber das kann seine Freude nicht trüben, denn die Pole war kein Zufallstreffer. Schon nach dem ersten Q3-Run fehlten nur 0,052 Sekunden auf Hamilton.

Dann steigerte sich Bottas von 1:28.844 auf 1:28.769 Minuten. Im ersten Sektor der entscheidenden Runde war er um 30 Tausendstelsekunden schneller als Hamilton - da deutete noch alles auf einen Thriller hin. Aber als Hamilton im zweiten Sektor weitere 209 Tausendstelsekunden verlor, war die Entscheidung gefallen. Da gibt's sogar von Niki Lauda Lob: "Wenn du nach dem Fehler von Schanghai so einen Druck auf dir hast, dann ist diese Leistung jetzt unglaublich", gratuliert er.

Hamiltons Analyse lautet: "Ich habe im ersten Sektor viel Zeit verloren. Das ist meine Schwachstelle, obwohl ich da früher immer gut war." Tatsächlich waren seine besten Zeiten in Sektor zwei und drei schneller als jene von Bottas. Aber in eine Runde bekam er diese nicht. Trotzdem ist Hamilton nicht unzufrieden: "Toll für das Team, auf P1 und P2 zu stehen." Das war nach den knappen Trainingsergebnissen keine Selbstverständlichkeit.

In Q1 noch Kopf an Kopf an Kopf, zogen sich die drei Topteams erst ab Q2 auseinander. In Q3 war Mercedes dann in einer eigenen Liga: "Das kennen wir schon", sagt Formel-1-Experte Marc Surer. "Aber dass es gleich so heftig ist, das ist ein bisschen überraschend." Am Ende hatte Bottas eine halbe Sekunde Vorsprung auf den drittplatzierten Ferrari-Star Sebastian Vettel.

Der war "sehr zufrieden" mit seiner ersten Q3-Runde, aber auch "ziemlich geknickt", als er auf dem Zeitenmonitor sah, dass trotzdem eine halbe Sekunde fehlte. In der zweiten Runde konnte er sich nicht mehr steigern, weil er angesichts des großen Rückstands ein bisschen zu viel riskierte. "Konnte eh nichts mehr passieren", sagt Vettel - schließlich hatte er nach hinten genug Vorsprung.

Für das Rennen hat er auch von P3 aus noch Hoffnung, zu gewinnen: "Das Auto ist gut. Das ist das Wichtigste für morgen." Und auch Experte Surer sieht Mercedes zumindest nicht in einer dominanten Ausgangsposition: "Sie waren heute in einer eigenen Liga, aber diese Power können sie nur in einer Runde abrufen."

Dazu kommt: Toto Wolff vermutet, dass Ferrari das bessere Renn-Set-up haben könnte. "Beide haben sich am Ende über ein Untersteuern beklagt. Das deutet darauf hin, dass sie ihre Hinterreifen schützen mit dem Set-up, und das wiederum könnte im Rennen ein Vorteil sein", befürchtet der Mercedes-Sportchef. Auf der Habenseite steht, dass Hamilton am Freitag den schnellsten Soft-Longrun gefahren ist.

Wieder nur dritte Kraft war Red Bull, aber: "In Melbourne haben uns 1,7 und 1,8 Sekunden gefehlt. Jetzt sind wir 0,8 hinten", stellt Motorsportkonsulent Helmut Marko zufrieden fest. Und Daniel Ricciardo, morgen neben Vettel in der zweiten Reihe, strahlt: "Guter Fortschritt für eine Woche! Ich bin happy." Am Ende fehlten 0,776 Sekunden auf die Pole. So nahe dran war Red Bull im Qualifying noch nie.

"Und im Rennspeed", sagt Marko, "werden wir noch näher dran sein. Wir sind mehr als zufrieden." Klares Ziel für das Rennen: "Das Podium", gibt der Österreicher selbstbewusst vor. Verärgert ist er nur über Max Verstappen: "Er hatte diverse Fehler. Sonst wären wir Vierter und Fünfter gewesen." So steht Kimi Räikkönen (Ferrari/+0,798) zwischen den beiden Marko-Schützlingen.

Zumindest ein Ferrari scheint in Reichweite zu liegen. "Der Abstand ist schon noch groß, aber wenn ihre Reifen abbauen, haben wir vielleicht eine Chance", glaubt Ricciardo. Denn die Reifen sind in Bahrain zum ersten Mal in dieser Saison ein Thema - eine Zweistoppstrategie laut Computer sogar etwas schneller. Und wenn Ferrari auf Renn-Set-up setzt und Red Bull weiter "Reifenflüsterer" bleibt, wird sich Mercedes im Rennen strecken müssen.

Nichts mit den Podestplätzen wird Nico Hülkenberg (+1,073) zu tun haben, aber als Siebter lieferte er nach Schanghai ein weiteres Top-Qualifying ab. "Das Auto hat, ähnlich wie in Schanghai, auf eine Runde super funktioniert", sagt der Renault-Fahrer. "Und meine Runde in Q3 war wirklich eine hundertprozentige. Die kommt meiner Pole-Runde in Sao Paulo 2010 sehr nahe." Im Qualifying-Duell gegen Jolyon Palmer (10./+2,305) steht es jetzt 3:0.

Erfreulich auch die Vorstellung des dritten Deutschen: Pascal Wehrlein hatte seinen Sauber-Teamkollegen Marcus Ericsson jederzeit locker im Griff und belegte letztendlich den respektablen 13. Platz. "Das tut sehr gut. Das waren schwierige Tage und schwierige Wochen, die ich hinter mir habe", strahlt der 22-Jährige. Aber: "Ich bin noch keine Renndistanz gefahren. Deshalb lasse ich mich überraschen."

Und sonst? Lance Stroll (12./Williams) wurde von Teamkollege Felipe Massa (8.) einmal mehr deklassiert, Fernando Alonso (15./McLaren) erlitt den nächsten Honda-Antriebsdefekt und Romain Grosjean (9./Haas/+1,994) wurde am Funk wieder mehrmals laut, schaffte es aber irgendwie trotz seiner miesen Laune ins Q3.

Der Pechvogel des Tages war Carlos Sainz: Nach absoluter (!) Bestzeit im ersten Sektor war er in Q1 zu einer Top-5-Platzierung unterwegs (vielleicht sogar Top 3), als er mit technischem Defekt ausrollte. "Nicht das Wochenende meines Autos", seufzt der Toro-Rosso-Fahrer, der schon am Freitag mit einem Auspuffproblem stehen geblieben war. P16.

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