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Grand Prix von Bahrain

Teamorder: Doppelte Ohrfeige für Bottas

Bitterer Bahrain-Grand-Prix für Valtteri Bottas: Gleich zweimal muss er auf Anweisung des Teams Lewis Hamilton passieren lassen.

Den 16. April 2017 dürfte Valtteri Bottas so schnell nicht vergessen. Vielleicht wird es sogar ein Wendepunkt in seiner Formel-1-Karriere sein. War er einen Tag vorher beim Grand Prix von Bahrain nach seiner ersten Pole-Position noch obenauf und träumte davon, mit Lewis Hamilton um den Sieg zu kämpfen, musste er gut 24 Stunden später erkennen, dass er wenn es hart auf hart kommt, gegen seinen Teamkollegen den Kürzeren zieht. Oder vielmehr den Kürzeren ziehen muss.

Gleich zweimal ging Hamilton im Rennen an Bottas vorbei, und beide Male war es kein normaler Zweikampf auf der Strecke. Vielmehr musste Bottas seinen Teamkollegen zweimal auf Bitten des Teams passieren lassen. "Das ist wahrscheinlich das härteste, was man Rennfahrer hören kann und schwierig zu akzeptieren, aber ich habe das fürs Team gemacht", sagte der Finne, dem man die Enttäuschung nach dem Rennen deutlich ansah.

Beim ersten Boxenstopp hatte Mercedes die Strategie aufgeteilt. Bottas wählte erneut supersofte Reifen, während der hinter ihm platzierte Hamilton von supersoft auf soft wechselte, mit denen er schnell zu Bottas aufschloss, während an der Spitze Ferrari-Pilot Sebastian Vettel auf supersoften Reifen den Silberpfeil-Piloten enteilte. Das ließ bei Hamilton die Alarmglocken läuten. "Ich kann Vettel vielleicht einholen. Falls es nicht klappt, lasse ich Valtteri wieder vorbei", fordere er per Boxenfunk eine Ansage an Bottas, ihn vorbeizulassen.

Toto Wolff verteidigt "unpopuläre Entscheidung"

Dieser kam dann in Runde 27, und Bottas spielte brav mit. "Ich habe die Entscheidung des Teams verstanden. Er war schneller, und Sebastian fuhr vorne weg", gibt sich der Finne als verständnisvoller Teamplayer - und durfte das in Runde 47 gleich noch einmal tun, nachdem Hamilton aufgrund einer 5-Sekunden-Strafe beim zweiten Boxenstopp hinter ihn zurückgefallen war und mit zehn Runden frischeren soften Reifen aufschloss. "Halte Lewis nicht auf", kam die Ansage von Renningenieur Tony Ross, und erneut machte Bottas brav Platz.

Zweimal Teamorder im dritten Saisonrennen, und das von einem Team wie Mercedes, welches sich bisher immer damit gerühmt hatte, beiden Fahrern gleiche Chancen zu geben? Das sorgte für Gesprächsbedarf mit Sportchef Toto Wolff. "Solch eine Ansage will man nicht machen", stellt der Wiener fest. Allerdings habe Mercedes keine andere Möglichkeit gesehen, Vettel an diesem Tag zu schlagen.

"Wenn der Moment kommt, an dem man erkennt, dass man das Rennen verlieren wird, wenn man nichts ändert, muss man eine solch unpopuläre Entscheidung treffen", verteidigt er die Entscheidung. "Wir haben es zweimal gemacht, weil wir geglaubt haben, dass es die einzige Möglichkeit ist, das Rennen zu gewinnen." Dieser Logik kann sich Bottas nicht verschließen. "Ich verstehe die Sicht des Teams. Lewis hatte die Möglichkeit, um den Sieg zu kämpfen und mehr Punkte für das Team zu gewinnen."

Einzige Chance im Kampf gegen Vettel

Auch Experte Martin Brundle stellte diesen Punkt in seiner Analyse bei 'Sky Sports F1' heraus: "Es ging nicht darum, welcher Mercedes auf Platz eins und welcher auf Platz zwei ankommt, sondern es ging darum, etwas gegen den Ferrari zu unternehmen", sagt der frühere Formel-1-Fahrer. "Sie hatten unterschiedliche Strategien und Lewis war zwei Sekunden pro Runde schneller."

Auch Wolff beteuert, es sei keineswegs darum gegangen, Bottas früh in der Saison zur Nummer zwei zu degradieren. "Hätte Valtteri in Führung gelegen und Lewis wäre Zweiter gewesen, hätten wir sie fahren gegeneinander lassen." Doch ob diese Aussage nach dem heutigen Sieg von Vettel auch in Zukunft bestand haben wird, daran hat Experte Brundle so seine Zweifel. "Die Meisterschaft wird zwischen Sebastian und Lewis entschieden. Darauf müssen sich die Teams einstellen", prophezeit er indirekt, dass Bottas eventuell nicht zum letzten Mal den Blinker hat setzen müssen.

Auch Ex-Formel-1-Pilot und TV-Experte Paul di Resta glaubt, dass die Rollenverteilung bei Mercedes jetzt klar vergeben ist: "In Wahrheit sitzt Lewis jetzt da und denkt sich: 'Ha, ich bin selbst mit fünf Sekunden Strafe vor dir!' So etwas haben wir bei Rosberg vergangenes Jahr nie gesehen, der konnte Lewis immer bis zum Ende Vollgas pushen."

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