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Grand Prix von Brasilien

Massa erhebt heftige Vorwürfe gegen Sainz

Eine ganze Reihe von Scharmützeln auf der Strecke, ein Showdown im Parc ferme und ein angebliches Geständnis: Warum Massa Sainz an den Kragen wollte.

Dicke Luft zwischen Williams-Pilot Felipe Massa und seinem Renault-Konkurrenten Carlos Sainz nach dem Qualifying zum Brasilien-Grand-Prix am Samstag: Direkt nach dem Abstellen ihrer Autos im Parc ferme gingen die Streithähne aufeinander los. Allen voran der wutentbrannte Lokalmatador machte seinem Ärger Luft. Auch nach dem Wortgefecht behauptete Massa bei TV-Interviews noch überzeugt: "Ich habe eine Runde verloren, weil ein Fahrer sie mir absichtlich zerstört hat."

Anlass des Zanks war eine Szene in dritten Abschnitt des Qualifyings. Als Massa seinen erste gezeiteten Umlauf setzen wollte, lief er vor Kurve 7 auf Sainz auf. Der Spanier zog auf der kurzen Geraden nach links, um ihn passieren zu lassen, doch der Routinier fühlte sich behindert und fuchtelte wild mit einer Hand, die er für sein Gestikulieren vom Lenkrad nahm. Prompt verlor er die Kontrolle über den Williams und fing den Wagen mit viel Talent ab - sonst wäre er in der Mauer gelandet.

Dass es sich um absichtliches Blockieren handelte, vermutet Massa deshalb, weil der Abstand zu Sainz vor dem Aufeinandertreffen seiner Meinung nach "deutlich größer gewesen" wäre. Ergo: Der Renault-Mann soll vorsätzlich langsam gemacht haben, um ihn auflaufen zu lassen und zu blocken.

Eine Retourkutsche? Sainz deutet an, dass es zuvor eine (nicht im TV-Bild gezeigte) Szene gegeben hätte, in der er von Massa aufgehalten worden wäre. Er hat selbst einen dicken Hals: "Er hätte in Kurve 4 aus dem Weg gehen sollen, aber ich musste die ganze Kurve hinter ihm fahren und wurde in der Situation von ihm behindert. Da hat er mich zwei oder drei Zehntelsekunden gekostet. Ich weiß nicht, warum er behauptet, dass ich ihn aufgehalten hätte. Noch weniger, warum ich es absichtlich hätte tun sollen."

Davon, dass er mit miesen Tricks agiert hätte, distanziert sich Sainz: "Es sind heftige Anschuldigungen, wenn er behauptet, ich hätte es absichtlich gemacht." Der tobende Massa will jedoch vernommen haben, dass Sainz ein Geständnis abgelegt hätte, als er ihn im Parc ferme zur Rede stellte: "Ich habe ihm gesagt: 'Diesmal hast du mich absichtlich behindert. Du wusstest, dass ich komme.' Er hat gemeint: 'Ja, das habe ich, weil du mir das Wochenende vermasselt hast.'"

Laut Massa ist Hintergrund der Aussage ein weiteres Aufeinandertreffen, das im Freien Training am Freitag stattfand und Sainz einen Longrun verhagelte - so bestätigt es auch der Spanier. Dass es zu der Beichte wirklich kam, darf jedoch bezweifelt werden. Sainz zuckt nur mit den Schultern, wenn es um die Konversation mit Massa geht: "Er war ziemlich angespannt und wohl mit viel Adrenalin vollgepumpt. Er hat angefangen, sich zu beschweren und etwas von gestern zu erzählen. Ich weiß nicht warum. Ich verstehe es auch nicht. Ich habe nicht wirklich zugehört, das war es mir nicht wert."

Die Szene vom Vortag sei längst verziehen, so Sainz: "Natürlich hatten wir Probleme, ich würde es im Qualifying aber nie riskieren, jemanden so abzuwatschen." Für Massa ist die Sache längst nicht ausgestanden. "Das Maß ist voll", schimpft er und wünscht, dass die Rennleitung eine Strafe gegen Sainz verhängt: "Hoffentlich verstehen sie es und erkennen, was passiert ist." Sein Ärger rührt auch daher, dass er das Qualifying auf Rang zehn beendete, während der Rivale einen Platz besser abschnitt.

Denn auch bei seinem zweiten Versuch lief es für Massa nicht reibungslos, obwohl weit und breit kein Konkurrent zu sehen war: "Als es ein wenig geregnet hat, habe ich meine Runde nicht hinbekommen. Ich habe mich hier und da verbremst. Ich stehe nicht auf der Position, auf der ich stehen sollte", grantelt Massa weiter. "Es ist komplett inakzeptabel, da er mich behindert und mich vier oder fünf Plätze gekostet hat." Sainz kann sich vorstellen, die Sache noch vor dem Rennen aus der Welt zu räumen: "Abwarten, in welcher Verfassung er morgen aufsteht. Vielleicht haben wir dann Zeit zu reden."

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