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Grand Prix von Großbritannien

Hamilton deklassiert die Ferraris

Lewis Hamilton deklassiert die Konkurrenz und sichert sich die 67. Pole seiner Karriere - FIA bestätigt Ergebnis, Räikkönen bleibt auf dem zweiten Startplatz.

Lewis Hamilton, Silverstone-Sieger der vergangenen drei Jahre, hat im Qualifying zum Grand Prix von Großbritannien die 67. Pole-Position seiner Karriere erobert. Der Mercedes-Fahrer erzielte in einer dramatischen Q3-Entscheidung eine Bestzeit von 1:26.600 Minuten und verwies die beiden Ferrari-Stars Kimi Räikkönen und Sebastian Vettel um 0,547 beziehungsweise 0,756 Sekunden auf die Positionen zwei und drei.

Allerdings hing unmittelbar nach Ende des Qualifyings noch ein Fragezeichen über dem Endergebnis. Denn Hamilton hatte Haas-Fahrer Romain Grosjean (10./+2,949) nach seinem ersten Q3-Run bei Club-Corner behindert (laut Haas-Angaben um drei Zehntelsekunden), weshalb die FIA eine Untersuchung eingeleitet hat. Die Rennkommissare entschieden sich aber gegen eine Strafe.

"Wir haben Grosjean übersehen und haben es ihm nicht gesagt", erklärt Sportchef Toto Wolff. "Es wäre schade, wenn er mit so einer Runde nach hinten versetzt werden würde." Zumal Grosjean in seiner zweiten Q3-Runde ohnehin schneller war als in der ersten. Hamilton: "Wenn ich im Weg stand, tut es mir leid. Ich hatte keine Meldung vom Team, dass jemand kommt. Ich glaube, dass ich gerade noch weggekommen bin, ohne ihn zu behindern."

Die alles entscheidende Pole-Runde war dann wie von einem anderen Stern. Hamilton hatte schon nach der ersten Q3-Runde geführt. Und als alle anderen zu Beginn ihrer zweiten Runden langsamer waren als in ihrer ersten, legte er noch einmal mächtig zu und setzte eine neue Bestzeit im ersten und zweiten Sektor. Spannend war demnach nur der Kampf um den zweiten Platz.

"In Q3 wäre noch ein bisschen mehr drin gewesen", ärgert sich Vettel, der mit seiner letzten Runde immerhin noch Valtteri Bottas (4./Mercedes/+0,776) abfangen konnte. Nach einem schwierigen Freitag gelang Ferrari am Samstagmorgen die Wende: "Da haben wir das Auto zum Leben erweckt." Und trotzdem sieht Räikkönen trotz des tollen zweiten Platzes keine Siegchancen: "Dafür sind wir nicht schnell genug."

Der Speed wäre bei Bottas durchaus vorhanden - im Abschlusstraining lag der Finne noch Kopf an Kopf mit Hamilton und Vettel. Trotzdem startet er morgen wegen Getriebewechsel nur vom neunten Platz. Sein großer Vorteil: Weil er in Q2 als einziger Fahrer mit härteren Soft-Pirellis gezockt hat, darf er mit diesen Reifen morgen auch starten.

Das könnte helfen, um Max Verstappen (5./+1,530) den vierten Platz streitig zu machen. Red Bull ist in Silverstone wider Erwarten chancenlos: "Die Balance war nicht perfekt", seufzt der Niederländer. "Schon das ganze Wochenende." Motorsportkonsulent Helmut Marko sieht nicht ganz so schwarz: "Max hat das Optimum herausgeholt. Wenn es gut läuft, ist ein Podium drin."

Früh zu Ende war das Qualifying für Daniel Ricciardo. Der Red-Bull-Fahrer, wegen eines Getriebewechsels ohnehin schon mit fünf Startpositionen gehandicapt, rollte gut zehn Minuten vor Ende des ersten Abschnitts mit einem Antriebsdefekt aus. Besonders bitter: Zu dem Zeitpunkt war er Schnellster. Erst als es gegen Ende von Q1 abtrocknete, fiel er noch auf den letzten Platz zurück.

Sein Renault-Antrieb habe "krank" geklungen, engt der Sunnyboy die Ausfallursache ein: "Ich verlor Leistung, dann hörte ich merkwürdige Turbo-Geräusche. Und plötzlich war alles aus. Schade, denn bei diesen Bedingungen hätten wir eine Chance gehabt. Ich war am Anfang auch recht schnell unterwegs." Gut möglich, dass der Motor nicht mehr zu retten ist.

Wie so oft bei wechselnden Bedingungen lieferte Nico Hülkenberg (Renault) eine blitzsaubere Performance ab. Der Deutsche belegte mit 2,256 Sekunden Rückstand den sechsten Platz, vor den beiden Force Indias. Wegen der Bottas-Strafe wird er als Fünfter ins Rennen gehen. "Ich hatte eine gute Harmonie mit dem Auto, ich war der Chef im Auto. Immer gut, wenn es so ist und nicht andersrum", grinst er.

In Q1 hatte auch Fernando Alonso (McLaren) seinen großen Moment. Der Spanier pokerte bei abtrocknenden Bedingungen goldrichtig und ging auf den letzten Drücker noch mit Supersoft-Slicks raus. Trotz anfänglicher Zweifel, ob er rechtzeitig über die Linie gefahren ist, timte er seinen Run perfekt und sicherte sich die Bestzeit, 1,314 Sekunden vor Verstappen und 1,471 Sekunden vor Hamilton, die ihre Zeiten auf Intermediates gesetzt hatten.

Am Ende belegte Alonso den 13. Platz und stand damit im Schatten seines Teamkollegen Stoffel Vandoorne, der als Zehnter ins Top-10-Finale einzog. Während Alonso wegen seiner Grid-Strafe (30 Positionen) von hinten starten muss, steht Vandoorne (9.) auf dem achten Startplatz (+2,818). Das ist die bisher beste Ausgangsposition seiner Formel-1-Karriere, und sein erster Sieg im internen McLaren-Stallduell in dieser Saison.

Pascal Wehrlein konnte die große Chance in Silverstone nicht nutzen. Das Sauber-Team hatte beim Timing kein so glückliches Händchen wie McLaren: "Ich wollte in die Box kommen und auf Slicks wechseln, aber mein Team hat gesagt, dass die Zeit nicht mehr reicht. Also sind wir mit den Intermediates zu Ende gefahren. Aber dafür war es einfach zu trocken", seufzt der Deutsche (18.), der immerhin Teamkollege Marcus Ericsson um 0,040 Sekunden schlug.

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Vettel schimpft über Ferrari-Timing Vettel schimpft über Ferrari-Timing Resultat Qualifying Resultat Qualifying

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