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Grand Prix von Italien

Sieg und WM-Führung für Hamilton

Mercedes dominiert im Ferrari-Tempel: Lewis Hamilton feiert in Monza einen ungefährdeten Sieg - Daniel Ricciardo begeistert mit sensationeller Aufholjagd.

Ausgerechnet beim Heimrennen des Ferrari-Teams in Monza hat Lewis Hamilton einen überlegenen Sieg gefeiert. Der Mercedes-Fahrer gewann den 4,5 Sekunden vor seinem Teamkollegen Valtteri Bottas und 36,3 Sekunden vor Sebastian Vettel (Ferrari). Damit wechselt nach 13 von 20 Rennen der Formel-1-Saison 2017 auch die WM-Führung von Vettel zu Hamilton.

Vettel hatte zu keinem Zeitpunkt des Rennens eine Chance, Mercedes gefährlich zu werden. "Wir waren einfach nicht so schnell", sagte der Deutsche unmittelbar nach der Zieldurchfahrt im Smalltalk mit Hamilton im Podium-Room. Dabei glaubt er, dass die Silberpfeile noch nicht einmal ans Limit gehen mussten: "Ihr habt doch nicht gepusht, oder?" Was Hamilton mit einem vielsagenden Grinsen quittierte ...

Am Start blieb Vettel ("Ich hatte etwas Wheelspin und brauchte ein paar Runden, um meinen Rhythmus zu finden") zunächst Sechster, beinahe hätte aber Teamkollege Kimi Räikkönen den Bottas-Mercedes geschnappt. Räikkönen gewann das Beschleunigungsduell, Bottas konterte aber mit einem sehenswerten Manöver außen in der Parabolica.

Schon in der dritten Runde kam es zum Ferrari-internen Platztausch, bei dem Räikkönen nach einem Fahrfehler in der zweiten Schikane eingangs Lesmo wenig Gegenwehr zeigte; und als Bottas nach Lance Stroll (Williams) auch noch Esteban Ocon (Force India) überholt hatte, gab es in der vierten Runde erstmals eine Mercedes-Doppelführung.



Vettel hatte da schon sieben Sekunden Rückstand. Vor dem ersten Boxenstopp in Runde 31 waren es 23,3 Sekunden, bis zur Zielflagge in Runde 53 wurden 36,3 Sekunden daraus. Was im TV nicht zu sehen war: Im letzten Renndrittel kämpfte er mit stumpfen Waffen. "Diese letzten 15 bis 20 Runden, nach meinem Ausritt, stimmte etwas nicht mehr. Darum drehte ich den Motor hoch und runter", erklärte sich Vettel am Boxenfunk.

Zwischen Hamilton und Bottas schwankte der Abstand mal mehr, mal weniger, aber letztendlich taten sich die beiden nicht weh. Hamiltons Drift in Runde 19 blieb unbestraft. "Mercedes-Power", provoziert er die 75.000 Tifosi, "ist definitiv besser als Ferrari-Power!" Bottas legt nach: "Das Auto war heute so gut! Erstaunlich, wie schnell wir waren." Und Sportchef Toto Wolff strahlt: "Heute hat einfach alles gepasst. Wir hatten keine Probleme."


Vettel muss das neidlos anerkennen: "Heute hat uns der Speed gefehlt und wir haben eine auf den Deckel bekommen." Aber obwohl die WM-Führung erst mal futsch ist und er nach 13 von 20 Rennen drei Punkte Rückstand auf Hamilton hat, sagt er: "Auch wenn Monza ein schwieriges Rennen war, bin ich sicher, dass wir ein schnelles Auto haben und einem sehr, sehr starken Saisonende entgegenblicken können."

Mann des Rennens war weder ein Mercedes- noch ein Ferrari-Pilot, sondern Daniel Ricciardo. Von P16 gestartet, wäre er gleich in der ersten Schikane beinahe zwischen einem Sauber und einem Haas eingeklemmt worden. Doch dann fuhr Ricciardo einen langen ersten Stint auf den härteren Soft-Reifen, für die sich Red Bull aufgrund der Grid-Strafen entschieden hatte. Und das ging im weiteren Rennverlauf voll auf.


Nach seinem späten Boxenstopp - niemand sonst blieb so lang draußen - hatte er, an fünfter Stelle liegend, 3,3 Sekunden Rückstand auf Räikkönen, der seinerseits über Balanceprobleme klagte. Die waren ruck-zuck wegrasiert, und nach einem kompromisslosen Ausbremsmanöver in der ersten Schikane ging Ricciardo mit den weichen und frischen Supersofts auf Vettel-Jagd.

Die begann in der 41. Runde mit 11,9 Sekunden Rückstand. "Du kriegst ihn in der letzten Runde", feuerte die Box den Australier an. Eine zu optimistische Prognose: Auf der Ziellinie fehlten immer noch 4,0 Sekunden. Aber nach den Grid-Strafen ist das für Red Bull ein Riesenerfolg: "Wir hätten uns nicht im Traum gedacht, dass wir um ein Podium kämpfen können", strahlt Motorsportkonsulent Helmut Marko. "Unser Speed im Rennen war super. Besser als erwartet!"

Und zwar prinzipiell mit beiden Autos. Dass Max Verstappen, der dank eines Raketenstarts nach der ersten Runde sieben Positionen vor Ricciardo lag, nicht weiter vorne landete, lag an einer Berührung mit Felipe Massa (Williams). "Ein Rennunfall", verteilt Marko keine Schuld. "Das Pech war, dass Max einen Reifenschaden davongetragen hat. X andere haben das Gleiche gehabt, und denen ist nichts passiert. Ohne das wäre Max auf das Podium gefahren."


Hinter Ricciardo und Räikkönen lieferten sich Ocon, Stroll und Massa einen bis zur letzten Runde spannenden Kampf um P6. Ocon schnappte sich Stroll gleich am Start, und auch wenn Stroll phasenweise einen Tick schneller wirkte, konnte er keine Gegenattacke reiten - auch, weil Williams den Boxenstopp verpatzte. "Normalerweise", ärgert sich Technikchef Paddy Lowe, "sind wir beim Reifenwechsel die Besten. Sonst hätten wir Ocon heute packen können."

Durch den Dreikampf witterte in der letzten Runde sogar Sergio Perez (Force India) Morgenluft, der letztendlich aber Neunter blieb, eine halbe Minute vor Verstappen. Letzterer schob sich in der Schlussphase noch an Kevin Magnussen (11./Haas) vorbei - hart, aber fair. Magnussen sah das anders und schimpfte am Funk: "Das kann nicht erlaubt sein!"


Nico Hülkenberg (Renault) spielte mit seiner Zweistoppstrategie keine Rolle und wurde 13., eingebettet in ein Toro-Rosso-Sandwich. Pascal Wehrlein wurde als 16. gewertet, Marcus Ericsson als 18. Zwischendurch wären sich die Sauber-Fahrer in der ersten Schikane fast ins Gehege gekommen. Dass die Situation glimpflich ausging, lag daran, dass Wehrlein dazu bereit war, mit einem harten Bremsmanöver seinen Reifensatz zu opfern.

Weiter geht's in zwei Wochen mit dem Nachtrennen in Singapur. Dort werden komplett andere Vorzeichen gelten als in Monza, denn der Stadtkurs zählt zu den engeren Strecken des Formel-1-Kalenders und gilt traditionell als Anti-Mercedes-Terrain. Für Vettel also vielleicht die beste Gelegenheit, die WM-Führung nach nur einem Rennen zurückzuerobern ...

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