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Grand Prix von Japan

Ferrari-Debakel: Rückschlag für Vettel

Sebastian Vettel fällt durch seinen Ausfall beim Grand Prix von Japan in Suzuka weiter zurück und kann nicht mehr aus eigener Kraft Weltmeister werden.

Wieder eine Ferrari-Panne, wieder viele verlorene Punkte: Beim Grand Prix von Japan in Suzuka musste Sebastian Vettel beim dritten Rennen in Folge in der Formel-1-Saison 2017 einen Rückschlag hinnehmen. Nach dem Startcrash in Singapur und den Motorenproblemen in Malaysia spielte nun eine Zündkerze verrückt und riss den Deutschen bereits nach nur vier Runden aus dem Rennen. Weil sein großer WM-Rivale Lewis Hamilton (Mercedes) in Suzuka siegte, liegt Vettel in der Fahrerwertung nun fast aussichtslos zurück.

Während Vettel aufgrund seines "Nullers" in Japan bei 247 Punkten stehenbleibt, stockt Hamilton sein Punktekonto durch den Sieg auf 306 Zähler auf. Bei noch 100 zu vergebenden Punkten in den vier finalen Rennen der Formel-1-Saison 2017 muss Vettel auf Schützenhilfe hoffen, will er den Rückstand von jetzt 59 Punkten auf Hamilton noch wettmachen. Und von hinten droht ihm nun auch noch Hamiltons Teamkollege Valtteri Bottas das Leben schwer zu machen: Der Finne ist bis auf 13 Punkte an Vettel herangekommen.

Alles nur, weil der Ferrari SF70H von Vettel beim Grand Prix von Japan bockte - und das von Anfang an, wie der sichtlich geknickte Vettel unmittelbar nach seinem Ausfall erklärte. "Wir haben das Problem schon bei der Fahrt in die Startaufstellung bemerkt, dann auch in der Einführungsrunde. Es war keine Leistung da, schon am Start nicht. Sonst wäre ich [an Hamilton] vorbeigekommen."

Probleme schon vor dem Start

Denn eigentlich hatte Vettel einen guten Start erwischt und schien auf den ersten Metern besser zu beschleunigen als sein großer WM-Gegner. Doch spätestens am Ende der Zielgeraden wurde deutlich: Vettel kämpfte mit stumpfen Waffen.

Bereits in der Startaufstellung war es bei Ferrari hektisch geworden. Wohl auch deshalb verpasste Vettel die Hymnen-Zeremonie, bei der Anwesenheitspflicht für die Fahrer herrscht - und kassierte eine Verwarnung für sein Fernbleiben. Die Szenen an seinem Auto glichen indes dem emsigen Treiben um das Fahrzeug von Kimi Räikkönen beim Grand Prix von Malaysia. Dort blieb Räikkönen aufgrund eines technischen Defekts die Rennteilnahme verwehrt. Vettel wiederum wurde in Suzuka zwar an den Start geschickt, aber per Funk bereits nach wenigen Umläufen zurück an die Box beordert: "Sebastian, wir müssen das Auto abstellen."

Bis dahin hatten Ferrari und Vettel "alles Mögliche versucht", um den SF70H mit der Startnummer 5 doch wieder in Gang zu kriegen. "Wir haben ein Reset probiert und versucht, alle möglichen Sensoren aufzuwecken. Das hat aber leider nicht funktioniert. Es ging nicht", erklärt Vettel, dessen Enttäuschung nach eigenen Angaben "groß" ist. Der Deutsche weiter: "Wir wissen noch nicht ganz genau, was das Problem war, vermuten aber, es lag an der Zündkerze. Und was es ausgelöst hat, wissen wir noch nicht."

Der Verdacht erhärtet sich: die Zündkerze

Formel-1-Weltmeister Nico Rosberg, der das Rennwochenende als TV-Experte verfolgte, hatte von Anfang an die Zündkerze als Ausfallursache im Verdacht. "Sebastian hatte ein bisschen weniger Motorleistung. Da hat vielleicht eine Zündkerze nicht richtig funktioniert. Dann hat man genau diesen Effekt", hatte Rosberg noch während des Rennens als Vermutung geäußert. Später erklärte Vettel, Ferrari stünde noch vor einem Rätsel: "Am Motor war nichts. Die Zündkerze war auch eingefahren. Wenn wir es wüssten, dann hätten wir es vermieden."

Und so reist Vettel ohne WM-Punkte aus Japan ab. Rosberg, der selbst mehrfach im Titelkampf gegen Hamilton gescheitert war, ehe er 2016 den WM-Titel gewann und dann abtrat, bekundet sein Mitgefühl: "Es sah so gut aus. Vom zweiten Platz hatte Sebastian alle Chancen, das Rennen zu gewinnen. Wir wissen: Mercedes hat Schwierigkeiten mit der Hitze. Und wenn dich die Technik dann so im Stich lässt - schon wieder. Echt nicht schön."

Vettel selbst bezeichnet die Erfahrung in Suzuka als "bitter", zumal es seit dem Beginn der Asien-Tournee der Formel 1 bereits sein zweiter Ausfall im nur dritten Rennen war und er seit Singapur insgesamt 56 Punkte auf Hamilton eingebüßt hat. Der erste WM-Titelgewinn mit Ferrari rückt für Vettel damit in weite Ferne.

Drohen personelle Konsequenzen bei Ferrari?

Mit personellen Konsequenzen bei Ferrari sei allerdings nicht zu rechnen, beteuert der Deutsche und meint: "Das ist Quark. Die Jungs arbeiten alle am Limit. Manchmal gehen Dinge auch kaputt. Das ist leider so, auch wenn man es sich anders wünschen würde. Normalerweise haben wir immer alles im Griff. Davon geht man aus. Manchmal geht es aber auch schief."

"Die Jungs sind alle mit Vollgas dran, das Beste herauszuholen. Ich glaube, der Speed ist auch da. Dass solche Dinge passieren, ist natürlich bitter. Ich will nicht sagen, das gehört dazu, aber manchmal trifft es einen." Er müsse seine Ferrari-Crew daher "in Schutz nehmen", sagt Vettel und fügt hinzu: "Unsere Leute haben bisher unglaubliche Arbeit geleistet."

"Natürlich waren die beiden jüngsten Rennen bitter, mit den Problemen bei der Zuverlässigkeit, die wir hatten. Natürlich sind wir allesamt enttäuscht. Aber wir werden uns jetzt damit beschäftigen, frische Energie tanken und bei den noch ausstehenden Rennen wieder mit Vollgas antreten. Wir haben noch eine Chance", sagt Vettel. Doch die Vorteile liegen im Endspurt der Formel-1-Saison 2017 ganz klar bei Hamilton, dem nun schon zweite Plätze zum WM-Titelgewinn reichen.

Wohl auch deshalb denkt Vettel schon über die Formel 1 2017 hinaus, wenn er sagt: "Unser Team ist auf einem guten Weg [für 2018]. Wir steigern uns von Rennen zu Rennen. Wir haben schon mehr erreicht, als die Leute glauben wollten. Es gibt also auch Positives, wobei das heute natürlich nicht im Vordergrund steht. Heute ist nicht der Tag, um sich mit dem Positiven zu befassen."

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