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Grand Prix von Japan

Hamilton fährt in Richtung WM-Titel

Das nächste Drama um Sebastian Vettel: Mit dem Sieg beim Grand Prix von Japan schafft Lewis Hamilton die Vorentscheidung in der WM.

Lewis Hamilton hat den Grand Prix von Japan gewonnen und damit für eine Vorentscheidung in der Formel-1-WM 2017 gesorgt. Der Mercedes-Fahrer gewann das Rennen in Suzuka mit etwas Glück in der Schlussphase 1,2 Sekunden vor Max Verstappen (Red Bull) und baute seinen Vorsprung auf Sebastian Vettel (Ferrari) auf 59 Punkte aus. Denn Vettel erlitt zum zweiten Mal hintereinander einen technischen Defekt. Rettete er in Malaysia nach einem Motorwechsel am Samstag und einem verkorksten Qualifying immerhin noch den vierten Platz, so ging er diesmal komplett leer aus.

Das Unheil bahnte sich schon vor dem Start an: Als Vettel auf den Grid fuhr, stellten die Ingenieure in den Daten ein Problem mit einer Zündkerze fest. Also wurde diese am Start gewechselt. Aber Pressesprecher Alberto Antonini gab Entwarnung, es handle sich wahrscheinlich um kein dramatisches Problem. Die Szenen mit der offenen Motorhaube erinnerten trotzdem frappierend an Malaysia vor einer Woche.

Am Start kam Vettel zunächst sehr gut von der Linie weg; überholen konnte er Hamilton aber nicht. Schon in der ersten Runde ließ er sich in der Haarnadel von Verstappen überrumpeln - und als in Runde zwei das Safety-Car auf die Strecke kam, war er nur noch Sechster. Beim Restart ging es weiter rückwärts, und nach vier Runden war dann endgültig Schluss. "Retire the car", kam es über den Boxenfunk.

Vettel verdaute seine erste Enttäuschung, indem er sich von den Fans an der Boxenmauer trösten ließ, und wirkte relativ gefasst, als er sich den TV-Kameras stellte: "Wir sind alle am Limit. Manchmal gehen Dinge halt auch kaputt", sagt er achselzuckend. "Am Motor war nix. Es war eine Zündkerze." Also nicht der gleiche Defekt wie zuletzt in Malaysia.



In der Weltmeisterschaft hat Vettel nun 59 Punkte Rückstand. 100 Punkte sind in den letzten vier Rennen noch zu vergeben. Das bedeutet, dass Hamilton zum Beispiel mit drei dritten Plätzen auf jeden Fall Weltmeister wäre, selbst wenn Vettel viermal gewinnen sollte. Trotzdem gibt der Deutsche nicht auf: "Wir haben noch eine Chance."

Für Hamilton war es letztendlich ein einfacher Sieg. Besonders im ersten Stint konnte er das Tempo mühelos kontrollieren, und nach dem Boxenstopp konnte ihn Verstappen zwar phasenweise unter Druck setzen, aber letztendlich reichte es nicht für eine ernsthafte Attacke. Knapp wurde es nur zu Beginn der letzten Runde, als Verstappen gerade zum Angriff blies - bis ihm die überrundeten Nachzügler Fernando Alonso (11./McLaren) und Felipe Massa (10./Williams) in die Parade fuhren.


"Fernando war zu hart Max gegenüber. Er hätte schneller Platz machen müssen", findet Formel-1-Experte Damon Hill. Alonso muss sein Verhalten nun vor den FIA-Rennkommissaren rechtfertigen. In der vorletzten Runde war Verstappen schon bis auf 0,3 Sekunden an Hamilton dran. Doch die Überrundung von Alonso und dann auch Massa kostete ihn die entscheidenden Sekunden, sodass eine Attacke unmöglich war.

"Sah so aus, dass du Probleme hattest, wenn ein Auto vor dir war", wunderte sich Verstappen im Podium-Room in Richtung Hamilton. Der nickte: "Ich hatte keinen Grip." Das ging nach dem Boxenstopp los, als Hamilton rundenlang hinter Valtteri Bottas fuhr (der noch nicht Reifen gewechselt hatte) und sich über seinen Teamkollegen beschwerte. Woraufhin Mercedes die Reihenfolge umdrehte und Bottas als Puffer zwischen Hamilton und Verstappen einsetzte.


"Die Red Bulls", analysiert Hamilton, "waren im Renntrimm viel schneller. Ich konnte ihn aber hinter mir halten. Besonders am Ende im Verkehr war es ganz schön eng." Verstappen roch die Chance auf den zweiten Sieg hintereinander: "Mit den Supersofts hatte ich zu kämpfen, aber mit dem Soft war ich konkurrenzfähig. In den letzten Runden konnte ich richtig Druck machen. Überholt hätte ich Lewis aber auch ohne Alonso kaum."

Alonso verteidigt sich: "Es ist schwierig, im Rückspiegel alles zu sehen. Ich sah Lewis kommen, aber ich wusste nicht, ob das andere Auto hinter ihm oder ob es Palmer war, der mit mir kämpft. Ich habe versucht, den Red Bull so schnell wie möglich vorbeizulassen. Sie sind als Erster und Zweiter auf mich zugekommen und waren im Ziel auch Erster und Zweiter. Ich denke nicht, dass ich das Ergebnis beeinflusst habe."

Um den dritten Platz lieferten sich in einem sonst wenig aufregenden Rennen Daniel Ricciardo (Red Bull) und Bottas ein Duell. Letztendlich lagen zwischen den beiden 0,9 Sekunden - die der Finne vielleicht in jener Phase verloren hat, als er Hamilton vor Verstappen abschirmen musste. Trotzdem verteidigt Mercedes-Boss Niki Lauda die Stallorder: "Warum soll man nicht, wenn man kann?" Interessant nur, dass Toto Wolff von einer solchen Stallorder nichts wissen will ...


Kimi Räikkönen (Ferrari), mit Getriebestrafe ins Rennen gestartet, belegte letztendlich den fünften Platz. Ob er ohne die Berührung mit Nico Hülkenberg (Renault) in der ersten Runde eine Gefahr für Ricciardo und Bottas gewesen wäre, ist fraglich. Hülkenberg wurde für die Berührung später "bestraft", als er, auf Punktekurs fahrend, mit einem defekten Heckflügel ausschied. Ansonsten hätte er dank eines langen ersten Stints und frischer Reifen im Finish Achter werden können.

Zwischen den beiden Force Indias lagen nach 53 Runden erneut nur 3,6 Sekunden. Esteban Ocon, in der Anfangsphase nach gutem Start Dritter (aber chancenlos gegen Ricciardo, Bottas und später auch Räikkönen), belegte mit etwas mehr als einer Minute Rückstand auf Sieger Hamilton den sechsten Platz. Zum teaminternen Rad-an-Rad-Duell kam es nicht - obwohl Perez einmal am Funk fragte, ob er attackieren darf.


Kevin Magnussen (Haas) holte sich den achten Platz nach einem harten (gewonnenen) Duell gegen Massa. Als der Williams abgedrängt wurde, rutschte auch Magnussens Teamkollege Romain Grosjean durch. Der Franzose wurde Neunter. Alonso fehlten am Ende 0,9 Sekunden auf einen WM-Punkt. Und Jolyon Palmer (Renault) beendete seinen wahrscheinlich letzten Grand Prix in der Formel 1 auf dem zwölften Platz.

Mit zwei Runden Rückstand wurde Pascal Wehrlein (Sauber) 15. und Letzter. Carlos Sainz flog bei seiner Abschiedsvorstellung für Toro Rosso am Start mit einem stümperhaften Fahrfehler ab und löste eine Safety-Car-Phase aus - sehr zur Freude seines zukünftigen Arbeitgebers Renault, der in der Konstrukteurs-WM gegen Toro Rosso um den sechsten Platz kämpft. Marcus Ericsson (Sauber) crashte ebenfalls. Bei ihm reichte ein virtuelles Safety-Car.


Und dann gab's noch eine Schrecksekunde um Lance Stroll (Williams), der im ersten Sektor bei hoher Geschwindigkeit ins Kiesbett rutschte. Als Stroll zurück auf die Strecke trudelte, nahm er beinahe Ricciardo ins Verderben mit. Die ersten Replays deuten an: Möglicherweise führte eine gebrochene Radaufhängung rechts vorne zu einem Reifenschaden. Für den Kanadier bedeutete das das Ende des Rennens.

So wie Suzuka für Vettel das Ende aller WM-Hoffnungen bedeutet? "Es sind noch 100 Punkte zu vergeben. Ich finde nicht, dass ich schon eine Hand am Pokal habe", winkt Hamilton ab. Lauda ("Vettel tut mir schön langsam leid") sieht das anders. In seinen Augen war das Rennen "ein Riesenschritt" in Richtung WM: "So will kein Mensch gewinnen, aber dadurch ist unser Punktevorsprung unglaublich angewachsen. Es sind nur noch vier Rennen. Der Polster ist nicht schlecht."

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