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Grand Prix von Mexiko

Wer/Was soll Hamilton noch aufhalten?

Der Titelkampf 2017 ist so gut wie entschieden, doch Mexiko könnte einige Fallen in sich bergen: In der dünnen Luft lauern Defekte.

Sebastian Vettel liegt in der Formel-1-WM nach fünf Siegen seines Titelrivalen Lewis Hamilton seit der Sommerpause vor dem Grand Prix von Mexiko 66 Punkte zurück. Dem Briten genügt schon ein fünfter Platz, um seinen vierten WM-Triumph endgültig sicherzustellen – unabhängig davon, was der Ferrari-Pilot erreicht. Bei einem zweiten Platz Vettels würde Hamilton sogar schon ein neunter Rang reichen; kommt der Deutsche nicht über Rang drei hinaus, wäre die WM auch dadurch entschieden.

Der WM-Führende wird dennoch gewarnt sein, hat er doch im Jahr 2007 schon einmal einen sicher geglaubten Titel noch verloren. Damals hätte ihm ein fünfter Platz im vorletzten Rennen in Shanghai gereicht, doch der McLaren-Pilot strandete im Kiesbett der Boxenzufahrt. Zudem könnte das Autódromo Hermanos Rodríguez in Mexiko-Stadt der Papierform nach Ferrari-Terrain sein, denn Abtrieb ist eine Stärke der Scuderia, was aber nicht bedeutet, dass Mercedes mit einem mulmigen Gefühl anreisen muss, da man auf dem Kurs bislang ungeschlagen ist.

"Alle Autos werden mit maximalem Abtrieb fahren, wie auch in Monaco oder in Ungarn", bestätigte Vettel, der diese beiden Rennen vor seinem Teamkollegen Kimi Räikkönen gewonnen hat, gegenüber RTL. Die Höhenlage von 2.285 Metern sorgt jedoch für äußerst ungewöhnliche Umstände: Trotz der steil gestellten Flügel wird weniger Abtrieb erzeugt als etwa in Monza. Daher erreichte Valtteri Bottas im Vorjahr laut inoffizieller Messung einen neuen Formel-1-Geschwindigkeitsrekord von 373,5 km/h, der in diesem Jahr wohl nicht fallen wird, weil die breiteren Autos mehr Luftwiderstand bieten.

Dennoch hofft Mercedes auf den Faktor Leistung, denn diesbezüglich ist man gegenüber Ferrari nach wie vor im Vorteil, wie Hamiltons spielerisches Überholmanöver in Austin gezeigt hat. Da die Kühlung in Mexiko durch die dünne Luft aber eine große Rolle spielt, und Ferrari diesbezüglich effizienter ist, könnte auch das gegen Mercedes sprechen, auch wenn die Turbomotoren selbst kaum unter der dünnen Luft leiden. Die ungewöhnliche Höhenlage fordert aber das gesamte Material stärker; so fällt es trotz der langen Geraden schwer, die Bremsen ausreichend zu kühlen.

Immerhin deutet der Wetterbericht derzeit nicht auf eine Hitzeschlacht hin, was wiederum Mercedes zugute kommen sollte. An allen drei Tagen werden Höchstwerte im Bereich von 23 bis 24 Grad prognostiziert; am Samstag und am Sonntag dürfte ein bedeckter Himmel dafür sorgen, dass sich die Asphalttemperatur in Grenzen hält. Regnen sollte es nicht. Wie bereits in Texas kommen mit ultrasoft, supersoft und soft die weichsten Reifenmischungen zum Einsatz. Der Belag ist glatt und rutschig, wodurch sich die Abnutzung in Grenzen halten wird. Auch die Tatsache, dass Mexiko über die längste Boxengasse im Kalender verfügt, spricht dafür, dass ein Stopp wie im Vorjahr bei Sieger Hamilton die Erfolgsstrategie sein wird.

Man darf gespannt sein, ob das Team von Daniel Ricciardo und Max Verstappen in Mexiko-Stadt in der Lage sein wird, Mercedes und Ferrari herauszufordern. Der Australier geht mit etwas Bauchweh ins Wochenende: Nach seinem Ausfall in Austin wegen Ölverlusts droht dem WM-Vierten ein Aggregatswechsel und damit eine Rückversetzung in der Startaufstellung. Da Verstappen zuletzt die einzige verfügbare neue Renault-Ausbaustufe erhalten hat, müsste Ricciardo erneut mit einem älteren, schwächeren Triebwerk als der Teamkollege vorliebnehmen.

Da Force India den vierten Platz in der Konstrukteurs-WM (wenn auch nur rein rechnerisch) noch verlieren könnte, müssen sich die streithaften Teamkollegen Esteban Ocon und Sergio Pérez ein weiteres Mal auf Stallregie samt Zweikampfverbot einstellen. Daher wird Lokalmatador Pérez alles tun, um im Qualifying vor dem Franzosen zu landen. Ab dem kommenden Rennen in Brasilien sollte der oktroyierte Nichtangriffspakt dann aber ohnedies der Vergangenheit engehören.

Im Kampf um Platz fünf in der Konstrukteurs-WM hat Williams in den vergangenen Rennen durch regelmäßige Punkteplatzierungen den Vorsprung auf Toro Rosso auf 15 Zähler ausgebaut. Renault liegt zwar 20 Punkte zurück, hat nun aber zwei Piloten in den eigenen Reihen, die jederzeit für Top-10-Resultate gut sind, wie der Einstand von Carlos Sainz junior in Austin bewiesen hat. Bekommt man auch die Zuverlässigkeit in den Griff, könnte es für Williams noch eng werden.

Auch Porsche-LMP1-Pilot Brendon Hartley hat in Austin ein solides Debüt gefeiert und darf seinen Platz bei Toro Rosso wohl bis zum Saisonende behalten; Daniil Kvyat wurde endgültig vor die Türe gesetzt. Der Neuseeländer, der die Strecke aus der Langstrecken-WM kennt, und Pierre Gasly werden sich aber ordentlich strecken müssen, wenn sie Renault hinter sich halten wollen. Das Werksteam hat in den USA bereits den Haas-Rennstall überholt, das einmal Probleme mit den Reifentemperaturen hatte.

Für McLaren-Honda sieht es ebenfalls düster aus: Das Team, das in der WM nur auf Platz neun liegt, fehlen ganze 20 Punkte auf Haas. Außerdem muss Fernando Alonso in Mexiko nach seinem Motorproblem in Austin vom Ende des Feldes starten. Die neue Honda-Ausbaustufe hat sich einmal mehr als Rohrkrepierer erwiesen, auch die langen Geraden sprechen nicht für das frühere Weltmeisterteam. Man darf gespannt sein, ob diesmal auch Stoffel Vandoorne den neuen, verbesserten Frontflügel erhalten wird.

STR mit Gasly und Hartley STR mit Gasly und Hartley Die besten Bilder Die besten Bilder

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