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Grand Prix von Monaco

Q2-Debakel: Warum Mercedes strauchelt

Nach Lewis Hamiltons Q2-Aus spricht Mercedes schon von einem "Abschreiber" - Ein sensibles Auto, die hohen Asphalttemperaturen und viel Pech waren schuld.

Als Lewis Hamilton nach Abschnitt zwei des Qualifyings zum Monaco-Grand-Prix am Samstag an die Mercedes-Box rollte, konnte und wollte er seinen Ärger nicht verbergen. Der WM-Zweite gestikulierte frustriert im Cockpit und blieb lange angeschnallt sitzen, nachdem er eine halbe Stunde voller Pleiten, Pech und Pannen hinter sich gebracht hatte. An deren Ende standen für Hamilton das vorzeitige Ausscheiden und der 14. Platz. "Es war einfach ein Problem mit dem Auto", hadert er.

Sportchef Toto Wolff weiß, wie schwer die Schlappe wiegt. Da ist es auch kein Trost, dass Hamilton das Rennen wegen einer Strafe für McLaren-Pilot Jenson Button von der 13. Position aus in Angriff nehmen wird. "Wenn du in Q2 ausscheidest und in der WM knapp dran bist am Führenden, ist es so gut wie ein Abschreiber", bläst der Österreicher die Backen auf und sieht einen "großen Blechhaufen am Anfang" - also einen Startcrash - als letzten Ausweg, um doch ein Topresultat zu landen.

Wolff weiß, dass Überholen mit den breiteren 2017er-Autos im Leitplankendschungel kaum möglich sein wird. Er sieht für Hamilton maximal Rang neun in Reichweite. "In Monaco kannst du daraus nichts mehr machen", winkt er ab. "Wenn er Glück hat, kann er einen Punkt oder zwei mitnehmen. Aber man darf einem Fahrer nicht vor dem Rennen sagen: 'Das kannst du vergessen!'" Dabei sieht es Daimler-Vorstand Dieter Zetsche ähnlich und spricht von "DNF" - also einem Ausfall.

Hamilton schlittert durch Monaco: Zweimal fast in der Leitplanke

Die Vorstellung, die Hamilton am Samstag ablieferte, war rätselhaft. Schon in Q1 hatte er Mühe, es unter die Top 15 und in die nächste Runde zu schaffen. Zunächst glaubten alle, er wolle sich nach nur einem Versuch auf seiner Runde in 1:13.640 Minuten ausruhen und Reifen sparen. Doch wahrscheinlich wäre gar nicht mehr drin gewesen. Das wurde klar, als der Brite in Q2 vogelwild über den Stadtparcours schlitterte. Im Abschnitt am Kasino warf er den Silberpfeil fast in die Leitplanke.

Hamilton fing das Auto meisterlich ab und schüttelte sich die Hand aus, um zu zeigen: "Puh, das war knapp." Die Runde war zerstört. Im nächsten Versuch kam der Wagen auf der Bodenwelle auf dem Weg zur Mirabeau-Kurve quer und die Streckenbegrenzung gefährlich nahe. Der Umlauf in 1:14.106 Minuten, der dabei herauskam und schon zu diesem Zeitpunkt nicht für Q2 reichte, schien sich locker verbessern zu lassen. Doch Hamilton fluchte bereits im Funk: "Ich habe keinen Grip."

Mehr Grip - und plötzlich passt die Abstimmung nicht mehr

Mercedes' Team-Aufsichtsrat Niki Lauda tappt im Dunkeln: "So arg habe ich es nicht befürchtet. Die Autos wurden umgestellt", meint die Rennlegende vor dem Hintergrund, dass das Team das zweite Freie Training mit falschem Set-up verwachst und im dritten nicht gut ausgesehen hatte. Möglicherweise sind es diese Experimente, die in den Teufelskreis führen: "Wir haben ein Auto, das sehr schnell ist, aber sehr sensibel gegenüber geringfügigen Veränderungen", meint Zetsche.

Vieles spricht dafür, dass die Mercedes-Probleme daher rühren, dass der W08 extrem empfindlich auf Modifikationen der Abstimmung reagiert. "Wir haben versucht, es im Detail zu optimieren, aber sind nie mehr auf einen grünen Zweig gekommen", berichtet Wolff. Denn die Parameter des starken ersten Trainings einzustellen und sich darauf zu verlassen, dass Hamilton es richtet, war nicht genug. Die Strecke hatte sich durch mehr Gummiabrieb zwischenzeitlich stark verbessert.

"Sodass die langsamen Auto mit weniger Abtrieb anfangen haben, halbwegs zu funktionieren", erklärt ORF-Experte Alexander Wurz. Für Mercedes sei es "ein Ritt auf Messers Schneide" gewesen, die Reifen auf Temperatur zu bekommen. Wenn dann Verkehr und andere Unwägbarkeiten die Aufwärmrunde stören, läuft bei Silber gar nichts mehr zusammen - besonders auf dem langsamen Monaco-Kurs. Paradox: Noch schlimmer wurde die Situation durch die hohen Asphalttemperaturen.

Die 52 Grad Celsius, die am Samstag gemessen wurden, könnten Hamilton zum Verhängnis geworden sein. "Wenn man ohnehin wenig Traktion hat, drehen die Räder durch", meint Technik-Dino Pat Symonds bei Sky Sports F1. "Das Schlimmste, dass passieren kann, ist, dass die Oberfläche des Reifens verbrennt, aber der Pneu im Inneren nicht anfängt zu arbeiten. Ich denke, das ist vorgefallen." Sollte sich das Problems so darstellen, wäre es eine Hiobsbotschaft auch für das Rennen.

Mercedes-Verantwortliche nehmen Hamilton in Schutz

"Das Auto war so schlecht wie am Vormittag", moniert ein ratloser Hamilton, macht jedoch nicht die Reifentemperaturen alleine für das Debakel verantwortlich: "Hatte ich nicht das Gefühl." Lauda nimmt Hamilton als Piloten in Schutz, auch wenn Stallgefährte Valtteri Bottas als Dritter mit praktisch identischer Abstimmung mehr herausholte: "Bei Lewis ist irgendetwas schiefgegangen. Der Platz, den er jetzt hat, ist ihm nicht würdig." Auch Wolff spart sich Vorwürfe: "Bei Lewis war es so, dass das Auto nicht gut ausgesehen hat. Da verlierst du an Vertrauen." Und es war Pech dabei.

Ehe Hamilton auf seinen zweiten Versuch in Q2 gehen konnte, musste er auf die FIA-Waage und verlor rund 1:30 Minuten Streckenzeit. Als die Zeitenjagd begann, behinderte der (noch fahrende) Stoffel Vandoorne ihn. "Du kannst noch einmal in die Kirsche beißen", funkte sein Ingenieur. Es wurde ein bitterer Happen, denn der Belgier versenkte sein Auto vor Hamilton in der Leitplanke und zerstörte damit das letzte Fünkchen Hoffnung. Die Uhr war abgelaufen und der Star raus.

Trotzdem: Hamilton räumt ein, nie die nötige Form für einen Angriff auf die Pole-Position gehabt zu haben: "Mit der gelben Flagge am Ende hatte ich Pech. Nur hätte mich die Runde gerade unter die besten Zehn gebracht. Dann hätte ich Probleme gehabt, mit diesem Auto in die Top 5 zu kommen." Aus Bottas' Leistung schöpft er Hoffnung, keine Missgunst: "Was Valtteri alles herausgeholt hat, zeigt, dass wir nicht so übel sind. Wir müssen rausbekommen, warum es bei mir nicht ging." Abhilfe schafft diese Erkenntnis aber wohl erst in den kommenden Wochen. Nicht an einem Sonntag, auf den sich Hamilton so gar nicht freut: "Wenn ich einen Punkt bekomme, wäre das toll."

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