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Grand Prix von Spanien

Darum hatte Vettel trotz Defekt Glück

Sebastian Vettel konnte in Barcelona die Pole-Position angreifen, obwohl er fast in Q1 ausgeschieden wäre - Warum ein glücklicher Zufall die letzte Startreihe verhinderte.

Vom vermeintlich frühen Aus bis fast zur Pole-Position: Sebastian Vettels Qualifying zum Formel-1-Rennen in Barcelona war eine Achterbahnfahrt der Gefühle. Vor der Qualifikation musste der Motor an seinem Ferrari gewechselt werden, und als ihn sein Ingenieur kurz nach dem Start in Q1 anwies, das Auto sofort abzustellen, schien alles vorbei, doch am Ende schrammte der Deutsche sogar nur knapp an der Pole-Position vorbei.

51 Tausendstelsekunden fehlten Vettel auf die Bestzeit von Mercedes-Rivale Lewis Hamilton. Dabei sah es nach zwei Sektoren noch richtig gut aus für die Roten: Während Hamilton seine Zeit aus dem ersten Versuch nicht verbessern konnte, konterte Vettel mit zwei Bestzeiten - einer persönlichen und einer absoluten. Doch im letzten Sektor verbremste sich der Deutsche und musste sich mit Rang zwei zufriedengeben - ähnlich erging es Kimi Räikkönen, dem Rang vier blieb.

"Das Bisschen hätte ich wirklich noch herausholen können", hadert Vettel mit der verpasste Pole-Position. "In der letzten Ecke habe ich mich leicht verbremst und da sind gleich fünf Hundertstel futsch. Das ärgert mich", so der Deutsche, der seinen Mechanikern nach ihrem unermüdlichen Einsatz gerne ein Geschenk gemacht hätte. "Denn das Auto war heute phänomenal."

Vettel lobt seine Mechaniker

Nach dem heutigen Tag dürfte Vettel mit Rang zwei aber gut leben können. Weil das Team ein Wasserleck entdeckte, musste der Motor vor dem Qualifying gewechselt werden. Es wurden ein neuer Turbolader und eine neue MGU-H aktiviert, und speziell beim Turbo wird es schon eng mit dem verfügbaren Elementen. Doch Ferrari leistete gute Arbeit und konnte Vettel rechtzeitig auf die Strecke schicken - wofür er sich sogar auf Italienisch bedankte.

"Es ist ein Wunder", merkt der Deutsche über die Arbeit seines Teams an. "Normalerweise ist das ein Job von drei Stunden, also mussten wir uns beeilen. Ich weiß nicht, wie sie es geschafft haben, aber sie haben keine zwei Stunden gebraucht." Selbst die Crew von Kimi Räikkönen habe an seinem Boliden mitgewerkelt. "Auf der anderen Seite der Garage haben ein oder zwei Mechaniker gearbeitet, die anderen sind wie Bienen um das andere Auto geschwirrt", erzählt Vettel.

Er ist jedes Mal wieder begeistert, wenn er sieht, was seine Mannschaft bei einem Motorwechsel für Anstrengungen bewerkstelligt: "Wenn man sich das anschaut, wie so ein Motor und Getriebestrang da mit allen Kabeln dranhängen. Das ist ja ein Albtraum, sich daranzutrauen", lacht er und gibt einen Einblick in seine eigenen Fähigkeiten: "Ich war früher schon beim Mofa ausgelastet. Die Jungs sind wirklich Künstler", so Vettel.

Verpasste Ausfahrt rettet Vettel

Die Freude über den gelungenen Motorwechsel währte jedoch nicht lange. Schon nach wenigen Sekunden wies ihn sein Ingenieur an, das Auto sofort abzustellen. Doch das tat dieser nicht, und auch der Aufforderung, in die Box zu kommen, kam er nicht nach. Zur Verwunderung vieler fuhr der Heppenheimer einfach weiter - und plötzlich schien sich das Problem in Luft aufgelöst zu haben.

Schon am Morgen erlebte Ferrari Probleme, die mal als Telemetrieproblem und mal als Hydraulikdefekt abgetan wurden. Auch in Q1 blinkten zahlreiche Leuchten in Vettels Cockpit, die sich letzten Endes als Programmierungsfehler herausgestellt haben. "Ich bin in diesem Moment blind und weiß nicht, was zu tun ist", schildert der viermalige Weltmeister seine Hilflosigkeit. Doch warum hörte er dann nicht auf seinen Ingenieur und fuhr weiter?

Das sei Glück gewesen, wie der Deutsche erzählt. Er wollte seinen Wagen an einer möglichst sicheren Stelle abstellen, doch er war gerade erst an einer Streckenöffnung vorbeigefahren. Also musste er noch um das nächste Eck biegen und fragte noch einmal bei seinem Ingenieur nach: "Ich wollte nur sichergehen, dass ich die Nachricht richtig erhalten habe", erzählt er - und Ferrari schien das Problem lösen zu können.

Schikane sorgt für Entscheidung: "Eklig"

Und das war Vettels Glück: Statt als Letzter in Q1 auszuscheiden, ging die Reise für ihn ohne Probleme weiter. Es folgte ein relativ normales Qualifying, bei dem man nach den bisherigen Eindrücken eigentlich darauf eingestellt war, hinter Mercedes die zweite Startreihe zu belegen. Doch als Vettel zum Angriff blies, war die Pole-Position plötzlich in Reichweite. Nach zwei Sektoren lag Vettel vorn, doch der letzte Sektor gehört an diesem Wochenende Mercedes.

Die Silberpfeile dürften wohl mit etwas mehr Flügel fahren, um mehr Abtrieb zu generieren und in den langsamen Kurven besser durchzukommen, doch Vettel hatte trotzdem alle Chancen auf Rang eins - doch in der Schikane verlor er die Zeit. "Ich bin da bestimmt schon mehr als 2.000 oder 3.000 Mal durchgefahren, und bekomme es trotzdem nicht immer richtig hin", ärgert er sich. "Normalerweise muss man den Scheitelpunkt am inneren Randstein der Schikane treffen, aber den habe ich leicht verpasst."

"Im ersten Umlauf von Q3 hat es schon nicht ganz gesessen. Im zweiten hatte ich dann wieder ein stehendes Rad. Wir hatten das gesamte Wochenende über schon Probleme mit der Vorderachse da", so Vettel weiter, der mit der Schikane etwas auf Kriegsfuß steht: "Es ist eine gemeine Kurve. Sie hängt nach außen ab und ist wirklich eklig. Ich weiß nicht, wer die gebaut hat. Vielleicht sollten wir die MotoGP-Schikane nutzen oder zurück auf den alten Kurs gehen", lacht er.

Räikkönen hadert mit eigenen Fehlern

Sein Teamkollege Kimi Räikkönen will kein generelles Problem mit dem letzten Sektor sehen: "Ich war immer schnell im letzten Sektor, außer im Qualifying", winkt er ab. Dass es für ihn nicht zu mehr als Rang vier gereicht hat, schreibt er eher sich selber zu. Denn das Auto sei wirklich schnell gewesen, allerdings habe er keine gute Runde zusammengebracht. "Es waren eben keine einfachen Bedingungen, und in solchen langsamen Kurven verliert man eine Menge Zeit. Man darf eben keine Fehler machen. Da gibt es keine Geheimnisse", so der "Iceman".

Räikkönen hatte im letzten Versuch sogar Vettels Bestzeit in Sektor 1 getoppt, doch weil er unter anderem in den Kurven 4 und 5 etwas zu weit von der Ideallinie abkam, reichte es nicht für die erste Startreihe. "Ohne das hätten wir den ersten Platz herausfordern können. Aber man muss es eben schaffen", sagt er. "Aber wir sind nah dran, morgen werden wir es wieder versuchen. Das Auto hat gut funktioniert, damit bin ich glücklich."

Morgen möchte Ferrari die Silberpfeile wieder deutlich mehr ärgern. Im Qualifying war Mercedes ohnehin meist vorne, doch im Rennen hatte die Scuderia häufig die Vorteile auf ihrer Seite. Die Frage ist, ob Mercedes mit seinem Update-Paket einen Vorteil herausholen konnte. Das Team konnte sein Auto komplett umbauen, während man bei Ferrari weniger sieht. Schon gestern winkte Vettel aber ab und sagte, dass man manche Dinge eben nicht sehe.

Knackpunkt Start

"Sie haben vielleicht visuell mehr gebracht, aber ich bin glücklich mit unseren Updates. Wir hätten heute auch vorne sein können, aber es lag an mir", so Vettel, der zufrieden mit den mitgebrachten Teilen ist. Er rechnet wieder mit einem engen Kampf gegen die silbernen Rivalen und glaubt, dass Lewis Hamilton und Bottas heute einfach einen besseren Rhythmus hatten, nachdem Ferrari bislang starke Probleme am Wochenende hatte.

Vor allem auf den Start dürfte es ankommen, weil Überholen in Barcelona schon eine Kunst ist. Zwar hat die FIA die DRS-Zone auf der Start- und Zielgeraden um 100 Meter verlängert, doch Räikkönen glaubt nicht, dass der Unterschied groß sein wird. "Es kann aber helfen", sagt er. Gut wäre natürlich, wenn die Roten gleich am Start vorbeifliegen, so wie es Bottas in Sotschi gelungen war. "Am Freitag waren wir gut", nickt der Finne.

Jedoch starten die beiden Ferrari-Piloten am Sonntag von der schmutzigen Seite. Doch Vettel will das nicht überbewerten: "Viele Serien fahren hier, von daher ist Platz zwei nicht wirklich ein Nachteil", sagt er. "Ich muss den Start einfach hinbekommen, denn das ist die beste Art anzugreifen und sich zu verteidigen." Sein Fazit heute: "Es wäre toll, die Pole geholt zu haben, aber nun hoffen wir, dass wir morgen eine gute Leistung abliefern können."

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