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Grand Prix von Spanien

Hamilton gewinnt Duell gegen Vettel

Ferrari hatte wieder den besseren Rennspeed, Mercedes diesmal aber den besseren Riecher: Lewis Hamilton gewinnt in Spanien vor Sebastian Vettel.

Der Europa-Auftakt der Formel 1 in Barcelona war die erwartete Weichenstellung für den Rest der Saison. Aber nicht etwa wegen eines Wiedererstarkens von Red Bull, sondern weil sich der WM-Kampf nun tatsächlich auf ein Duell zwischen den beiden Superstars Sebastian Vettel (104 Punkte) und Lewis Hamilton (98) zuspitzt. Deren Teamkollegen Valtteri Bottas (63) und Kimi Räikkönen (49) schieden im Rennen auf dem Circuit de Barcelona-Catalunya nämlich aus.

Hamilton feierte nach der 64. Pole-Position den 55. Sieg seiner Karriere. Diesmal allerdings mit tatkräftiger Hilfe des virtuellen Safety-Cars. Der Mercedes-Fahrer hatte 7,8 Sekunden Rückstand auf den führenden Vettel, als die Gelbphase in Runde 34 ausgelöst wurde. In Runde 35 täuschten sowohl Ferrari als auch Mercedes einen Boxenstopp an - und erst in Runde 36 kam Hamilton tatsächlich rein (von Medium auf Soft).

Just in dem Moment wurde das virtuelle Safety-Car wieder aufgehoben, aber zumindest bei der Einfahrt in die Box nahm Hamilton den Vorteil noch mit. Außerdem fuhr er auf seiner Out-Lap im Mittelsektor um 1,3 Sekunden schneller als Vettel, der eine Runde später (inzwischen wieder komplett unter Grün) von Soft auf Medium wechselte. Und als Vettel aus der Box rausfuhr, hatte er Hamilton plötzlich neben sich!

Vettel bremste spät, Hamilton ließ innen die Tür offen - und musste außen in die asphaltierte Auslaufzone, um eine Kollision zu vermeiden. Vorwurf in Richtung Ferrari gibt's von Mercedes dafür keinen: "Lewis hätte das Gleiche gemacht, wenn es umgekehrt gewesen wäre", winkt Niki Lauda ab, und auch Hamilton selbst sagt: "So muss Racing sein! Ich liebe es."

Zumal er von da an für den letzten Stint die weicheren und schnelleren Reifen hatte. Vettels Glück: "Meistens hatte ich ein Auto vor mir, das mir Windschatten spendete." So wurde Hamiltons DRS-Vorteil kompensiert. Aber in Runde 43 dann der Führungswechsel: "Keine Chance, keine Chance", funkte Vettel, als der Silberpfeil mit einem riesigen Geschwindigkeitsüberschuss an ihm vorbeizog.

Mercedes-Sportdirektor Toto Wolff und Daimler-Konzernchef Dieter Zetsche flippten in der Box fast aus, aber der Sieg war damit noch nicht in trockenen Tüchern. Denn schon kurz nach dem Manöver meldete Hamilton überhitzende Hinterreifen - und Vettel hatte mit den härteren Mediums für das Finish theoretisch die besseren Karten.

Vettel bremste spät, Hamilton ließ innen die Tür offen - und musste außen in die asphaltierte Auslaufzone, um eine Kollision zu vermeiden. Vorwurf in Richtung Ferrari gibt's von Mercedes dafür keinen: "Lewis hätte das Gleiche gemacht, wenn es umgekehrt gewesen wäre", winkt Niki Lauda ab, und auch Hamilton selbst sagt: "So muss Racing sein! Ich liebe es."

Zumal er von da an für den letzten Stint die weicheren und schnelleren Reifen hatte. Vettels Glück: "Meistens hatte ich ein Auto vor mir, das mir Windschatten spendete." So wurde Hamiltons DRS-Vorteil kompensiert. Aber in Runde 43 dann der Führungswechsel: "Keine Chance, keine Chance", funkte Vettel, als der Silberpfeil mit einem riesigen Geschwindigkeitsüberschuss an ihm vorbeizog.

Mercedes-Sportdirektor Toto Wolff und Daimler-Konzernchef Dieter Zetsche flippten in der Box fast aus, aber der Sieg war damit noch nicht in trockenen Tüchern. Denn schon kurz nach dem Manöver meldete Hamilton überhitzende Hinterreifen - und Vettel hatte mit den härteren Mediums für das Finish theoretisch die besseren Karten.

Letztendlich konnte Vettel nicht mehr ernsthaft attackieren. Also dachte man bei Ferrari kurz darüber nach, einen zusätzlichen Boxenstopp einzulegen und auf Soft zu wechseln, um im Falle einer Safety-Car-Phase am Ende die frischeren Reifen zu haben. Aber: "Im Endeffekt hätte es keinen Unterschied gemacht", winkt Vettel ab.

Entschieden haben das Rennen zwei Faktoren. Zuerst verlor Vettel "drei oder vier Sekunden", als er nach dem ersten Boxenstopp von Bottas aufgehalten wurde, der einen extrem langen ersten Stint fuhr. Der Mercedes sei "ein Bremsklotz" gewesen, ärgert sich Vettel über die taktischen Spielchen, macht der Konkurrenz aber keinen Vorwurf. Zumal er zugibt: "Lewis hat den besseren Job gemacht."

Der zweite entscheidende Faktor war die Gelbphase, durch die er 7,8 Sekunden Vorsprung verlor. Dabei hatte alles so gut angefangen, als er am Start die Führung übernahm. "Lewis und ich hatten beide Wheelspin", so der Ferrari-Fahrer, "aber ich habe sofort die Kupplung gezogen, um noch einmal neu anzufangen. Damit konnte ich die entscheidenden Meter gutmachen."

"Sebastian", streut Hamilton Rosen, "war unglaublich schnell, aber das Team hat die Strategie perfekt hinbekommen. Er ist so fantastisch gefahren. Es ist ein Privileg, gegen so einen Fahrer anzutreten." Zumal es körperlich ein anstrengender Grand Prix war, wie man am Boxenfunk hören konnte: "Ich habe fast zwei Kilo verloren. Barcelona ist eines der härtesten Rennen", gibt Hamilton zu. Lauda lobt: "Hätten wir den Lewis nicht, hätten wir nicht gewonnen."

Die Dominanz der beiden Topfahrer in den beiden Topteams war erdrückend. Daniel Ricciardo (Red Bull) fühlte sich auf dem Podium wie ein Statist: "Wir nehmen mit, was wir mitnehmen können. Schön, mal wieder hier zu stehen." Sein Rückstand nach 66 Runden: 1:15.8 Minuten. Alle anderen wurden sogar überrundet.

Zwei große Namen mussten sich gleich am Start verabschieden: Max Verstappen (Red Bull) wollte sich außen an Räikkönen vorbeibremsen, der wurde aber nach außen getragen, weil innen Bottas war. "Drei Autos ist halt eins zu viel", analysiert Formel-1-Experte Marc Surer. Die Rennleitung sah das ähnlich und sprach keine Strafen aus.

Bottas konnte zunächst als Dritter weiterfahren, aber das Tempo von Vettel und Hamilton nicht gehen. Nach 38 Runden war Endstation: Der Phase-1-Motor, der am Samstagmorgen unplanmäßig anstelle des neuen Phase-2-Antriebs eingebaut wurde und schon die ersten vier Saisonrennen auf dem Buckel hatte, quittierte den Dienst.

Angesichts der Ausfälle von drei Topfahrern war die Tür weit offen für Außenseiter. Das nutzte Force India, um weitere wertvolle WM-Punkte zu sammeln: Sergio Perez wurde Vierter, Esteban Ocon Fünfter. In der Konstrukteurswertung liegt das Team nun schon 32 Punkte vor Toro Rosso auf dem vierten Platz.

Nico Hülkenberg (Renault) wurde nach einer soliden Vorstellung Sechster und fuhr 3,9 Sekunden vor Pascal Wehrlein (Sauber) über die Ziellinie. Der wurde wegen einer Fünf-Sekunden-Strafe zwar als Achter statt Siebter gewertet (hinter Toro-Rosso-Fahrer Carlos Sainz), war aber die eigentliche Sensation des Rennens. Sein langer erster Stint war dank Gelbphase die goldrichtige Taktik.

Wehrlein gibt zu, dass ihn die Strafe "ein bisschen" ärgert, "trotzdem war es ein super Rennen. Das hätte ich überhaupt nicht erwartet." Und Hülkenberg? "Die ersten zwei, drei Kurven und die erste Runde waren sehr erfolgreich. Ansonsten habe ich eigentlich gar nichts gemacht. Die Kollegen haben sich selbst zur Seite geräumt", spielt er seine Leistung herunter.

Lokalmatador Fernando Alonso (12./McLaren) hätte nach dem Start schon Fünfter sein können, aber stattdessen fiel er in der ersten Runde auf Platz elf zurück. Der Spanier fuhr Rad an Rad mit Felipe Massa (Williams) durch die erste Kurve und wurde dabei abgedrängt. Die meisten der 94.623 Zuschauer wünschten Massa daraufhin einen Reifenschaden an den Hals - und wurden erhört.

Sainz wurde letztendlich als Siebter gewertet, sieben Positionen vor Kevin Magnussen (Haas), von dem er sich beim ersten Boxenstopp nach einem beinharten Duell beim Rausfahren abgedrängt fühlte. Die Rennleitung sah das aber anders und sprach keine Strafe aus. Und Daniil Kwjat (Toro Rosso) wurde nach einem katastrophalen Qualifying heute guter Neunter.

Weiter geht's mit der Formel 1 in zwei Wochen beim Grand Prix von Monaco. Dort beginnt das Training traditionell schon am Donnerstag - und 2017 ohne Alonso. Denn der McLaren-Star räumt sein Cockpit für Jenson Button, um an den 500 Meilen von Indianapolis teilnehmen zu können. Dafür findet schon morgen das erste Training statt.

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