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Grand Prix von Monaco

McLaren: MGU-H hält nur ein Rennen

Eigentlich schaffte es McLaren in Monaco ins Q3, doch Strafversetzungen für Jenson Button (+15) und Stoffel Vandoorne (+3) versauen die Party.

Das McLaren-Team ging unter besonders schwierigen Vorzeichen in das Monaco-Qualifying. Sowohl Rückkehrer Jenson Button wie auch Rookie Stoffel Vandoorne, der am Samstag auch noch einen Crash verursachte, hatten bereits vor der Zeitenjagd Strafversetzungen aufgebrummt bekommen. Und das auf einer Strecke, die nicht so sehr auf die reine Motorpower abzielt - eine vergebene Chance für die Briten. Denn eigentlich würden die beiden von den aussichtsreichen Positionen zehn und neun ins Rennen gehen. Nun startet der Belgier nur von Platz zwölf, der Brite bei seinem Comeback gar vom letzten Platz.

"Das war ein tolles Wochenende", beginnt der Brite sein Fazit. "Mir wurde gesagt, ich sollte es genießen und das habe ich." Bis auf den letzten Qualifying-Abschnitt, den er knapp erreichen konnte. Button holte mit einer Rundenzeit von 1:13.613 Minuten den neunten Platz. Er muss allerdings auch zugeben: "Ich habe dem Team gesagt, dass ich nicht wüsste, wo das Limit des Autos liegt. Man kann das Limit hier in Monaco nicht finden." Sonst würde man in der Mauer landen - wie Vandoorne am Ende von Q2.

Der 37-Jährige spricht dennoch von "wunderschönen", neuen Erfahrungen, die er mit der neuen Auto-Generation sammeln durfte. Es sei eben immer schön in Monaco zu fahren - vor allem mit diesen "Monstern". Zwar würden die Boliden durch ihre Breite sehr behäbig wirken, das seien sie jedoch auf keinen Fall. Button geht sogar noch weiter: "Das ist vielleicht der schnellste McLaren, der jemals hier gefahren ist, was die Rundenzeit betrifft. Man hat definitiv viel Grip."

Größte Schwierigkeit für Button: Bremsen und schnelle Kurven

In einigen Bereichen konnte er sogar das Maximum herausholen, in anderen jedoch nicht. "Ich habe mich von Anfang an sehr wohl gefühlt im Auto. Es hat sich normal angefühlt. Die Pedale und das Lenkrad sind immerhin noch an der gleichen Stelle", scherzt er. "Ich konnte die Traktion gut managen und habe versucht, so sanft und präzise wie immer zu fahren." Größere Probleme hatte er in schnellen Kurven und beim Bremsen. Solch ein Fahrverhalten habe er seit 2000 noch nie erlebt, schildert Button.

Vor allem auf der Bremse tat er sich schwer, die Relationen richtig einzuschätzen: "Das hat sich sehr fremd angefühlt. Es war seltsam, so spät zu bremsen und dennoch nicht in der Mauer zu landen. Das sind jetzt komplett andere Tiere. Die Vorderreifen blockieren auch nicht so sehr", teilt er am Samstagabend seine Erkenntnisse. Eine weitere Herausforderung stellten die Pirelli-Pneus dar: "Es ist wirklich schwierig, die Reifen in das richtige Arbeitsfenster zu bringen und alles aus ihnen herauszuholen. Q3 lief nicht ganz nach meiner Vorstellung, Q1 und Q2 schon."

Von McLaren-Rennleiter Eric Boullier gab es für den Briten viel Lob. Button habe einfach eine "perfekte" Leistung abgeliefert. "Er war bereit, fit, schnell und lächelt. Einfach perfekt!" Nach dem Qualifying wurde der Brite bereits im Interview mit 'Sky Sports F1' emotional. Denn er verriet: "Das war meine letzte Qualifying-Session - und vielleicht auch eine der unterhaltsamsten." Schließlich habe er die Formel 1 in den vergangenen sechs Monaten nicht vermisst. Trotzdem genießt er das Erlebnis: "Monaco und dein Heimrennen, das sind die wirklich speziellen Grands Prix. Obwohl ich nicht denke, dass sie mich (in Silverstone; Anm. d. Red.) fahren lassen", lacht der Alonso-Ersatzmann.

Nach Barcelona-Motortausch: MGU-H hielt nur ein Rennen

Er gibt auch zu, dass der Samstag der spaßigere Tag gewesen sei - am Sonntag wird er das Feld von hinten in Angriff nehmen. Allerdings ausgerechnet auf jener Strecke, auf der Überholen als fast unmöglich gilt. Eingebrockt haben ihm die Strafversetzung die MGU-H-Einheit und der Turbolader seines Honda-Antriebs. "Das schmerzt immer noch. Sie haben es mir gestern Mittag gesagt und ich dachte nur: 'Och'. Ich habe mich so auf das Qualifying gefreut, weil es am Donnerstag echt gut lief."

Plus 15 Startplätze wird der Weltmeister von 2009 nach hinten gereiht, weil Fernando Alonsos freies Kontingent erschöpft war. Die fünfte MGU-H und der fünfte Turbolader wurden in das Heck des MCL32 verbaut (vier sind erlaubt). Button scherzt: "Das ist Fernandos Schuld! Ich wünsche ihm ein schreckliches Rennen in Indy - nein, nicht wirklich! Ich hoffe, er macht das gut", schmunzelt er.

Kein anderer Motorhersteller musste bisher Strafen aufgrund der Zuverlässigkeit in Kauf nehmen. Stoffel Vandoorne erwischte es in Russland. Am Auto von Alonso musste bereits nach seinem Motorschaden in Spanien ein neuer Motor eingebaut werden (inklusive neuer MGU-H und Turbolader). Die Komponenten hielten also nur ein Rennen lang. Schon in Bahrain hatte Honda arge Probleme mit dem MGU-H (Energierückgewinnung - Wärme). Gleich drei Schäden mussten die Piloten in der Hitze verkraften. Gibt es also einen Zusammenhang mit dem Schaden an diesem Wochenende?

Honda: Exakter Grund für Motorprobleme ungewiss

"Wir konnten keinen spezifischen Grund dafür finden. Das Verhalten war jedoch sehr instabil, daher wollten wir jegliches Risiko für das Rennen beseitigen", versucht Honda-Motorenboss Yusuke Hasegawa zu erklären. "Wir sind uns nicht ganz sicher. Das Hauptproblem ist das Verhalten. Aus dieser Sichtweise ist es das gleiche Problem (wie in Bahrain; Anm. d. Red.), ja." Den exakten Grund für das Fehlverhalten würde man jedoch noch nicht kennen.

Rennleiter Boullier ist jedenfalls wenig erfreut: "Ich bin nicht glücklich, aber auch nicht total frustriert", gibt er einen Einblick in seine Gefühlswelt. "Wir wissen, dass wir Zuverlässigkeitsprobleme haben und wir hier nicht um viele Punkte mitfahren." Wichtiger sei für ihn jedoch die Pace des Autos. "In Monaco kannst du auch von ganz hinten noch in den Punkten landen", versucht er ein wenig Hoffnung zu geben.

"Wir beide haben Strafen. Er startet von Platz zwölf und ich als Letzter. Wir sind beide aus den Punkten draußen, obwohl wir eigentlich in den Punkterängen wären. Das ist wirklich schade", findet auch Button. Teamkollge Vandoorne hat seine Strafe (+ 3 Startplätze) aus dem Spanien-Rennen mit nach Monaco genommen. Der Belgier bestritt am Samstag sein erstes Qualifying in Monaco. Und der Rookie musste, wie auch Esteban Ocon, Lehrgeld bezahlen. Er landete am Ausgang der Schwimmbad-Schikane in der Mauer.

Vandoorne hätte Startplatz sieben erreichen können

Dennoch fällt Vandoornes Resümee nicht zu negativ aus: "Das war ein positiver Tag für uns. Wir haben uns durch all die Trainingssessions gesteigert. Ich bin sehr zuversichtlich in das Qualifying gegangen. Wir haben in Q1 und Q2 gute Leistungen gezeigt. Mit jeder Runde landeten wir auf den Plätze fünf bis sieben." Tatsächlich schaffte es der Belgier trotz seines Crashs am Ende von Q2 noch in das Q3. Allerdings konnte er dort dann nicht mehr antreten. Seine Runde von Q2, eine 1:13.249 Minuten, hätte im letzten Abschnitt für Startplatz sieben gereicht.

"Leider bin ich am Ende von Q2 gecrasht. Das passiert eben, wenn man die Autos hier am Limit bewegt. Jetzt werden wir das Auto reparieren und morgen ins Rennen gehen und unser Bestes geben", erklärt er reumütig. Das Team werde das Auto wieder aufbauen, es gebe daher kein Problem für das Rennen am Sonntag. Auch Boullier rechnet nicht mit einer weiteren Hiobsbotschaft: "Das Chassis ist in Ordnung, daher glauben wir auch, dass das Getriebe okay sein sollte. Ich warte allerdings noch auf die finale Bestätigung", so der Franzose. Ein Getriebewechsel würde schließlich weitere fünf Startplätze kosten.

Grundsätzlich fühlt sich Vandoorne wohl im McLaren. Er berichtet von positiven Fortschritten: "Ich fühle mich besser und wohler. Das ist definitiv die richtige Richtung. Wir konnten dieses Wochenende unsere Leistung zeigen, hoffentlich können wir das mitnehmen." Er habe bereits erwartet, dass er an diesem Wochenende eine größere Chance haben werde, da es in Monaco nicht auf die Motorpower ankommt.

"Ich habe in den vergangenen Wochen hart gearbeitet mit dem Team, um die Beziehung zu den Ingenieuren zu verbessern. Damit ich das vom Auto bekomme, was ich will. Es ist ein Schritt in eine gute Richtung. Das Ergebnis des Qualifyings war sehr ermutigend - abgesehen vom Crash natürlich", meint der 25-Jährige. Zumindest hat es McLaren theoretisch in die Top 10 geschafft. Das muss auch Eric Boullier ein kleines Lächeln ins Gesicht zaubern, oder? "Sagen wir so: Ich wäre enttäuscht gewesen, wenn wir es nicht ins Q3 geschafft hätten." Seit Ungarn 2016 haben die Briten das mit beiden Autos nicht mehr geschafft.

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