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Grand Prix von Abu Dhabi

Reifen kochen, Verstappen gleich mit

Was hinter einem Ausraster Max Verstappens steckte, warum Red Bull in Sachen Strategie am besten aufgestellt ist aber der Sieg trotzdem fern ist.

Obwohl es beim Abu-Dhabi-Grand-Prix nur um die goldene Ananas geht, war bei Red Bull im Qualifying am Samstag ordentlich Feuer drin. Für erhitzte Gemüter sorgten ironischerweise zu warme Reifen am Auto von Max Verstappen, der deshalb über den sechsten Platz nicht hinauskam. "Was für ein verdammtes Desaster. Unglaublich!", fauchte er den Renningenieur im Teamfunk an, kühlte sich jedoch anschließend so schnell ab wie er durchgereicht wurde.

"Es war eine ganz normale Reaktion", meint Verstappen und nennt einen Fahrfehler bei seinem letzten Versuch in Q3 den wahren Grund für den kleinen Ausraster. "Ich habe das Auto verloren und bin von der Strecke abgekommen. Ich war nur enttäuscht, dass ich meine Runde nicht sauber durchgezogen hatte." Soll nicht heißen, dass die Reifen nicht zu heiß gewesen wären - obwohl Red Bull mit einer kleinen Set-up-Änderung für Q3 versucht hatte, das Problem in den Griff zu bekommen.

Offenbar erfolglos: "Ich bin aus der Box rausgefahren und die Reifen waren sogar noch wärmer. Ich musste also noch langsamer machen." So kühlten die Bremsen zu stark aus und der RB14 verzögerte in der ersten Kurve nicht gewohnt, anschließend erlebte Verstappen eine Schlitterpartie. "Ich habe mir gesagt: 'Verdammt nochmal!' Ich habe es immer wieder probiert, aber es wollte nicht klappen."

Etwas runder lief es bei Ricciardo, der Fünfter wurde und im Gegensatz zu Verstappen das Rennen wie die Mercedes-Piloten und Kimi Räikkönen auf den Ultrasoft-Reifen startet - also die vermeintlich bessere Strategie fahren kann. "Mein Wunsch wäre gewesen, dass alle Hypersoft hätten nutzen müssen", meint der Australier, "weil die anderen damit nämlich viel mehr Probleme haben als wir."

Heißt auch, dass Ricciardo den hinter ihm startenden Verstappen vielleicht vorbeiwinken muss, um dessen Strategie nicht zu ruinieren. Daran denkt er nicht: "Ich will die anderen Jungs vorne angreifen", sagt Ricciardo. "Man darf es in den ersten Runden mit der Strategie nicht übertreiben, sondern muss sein Rennen fahren. Wenn er eine Sekunde pro Runde schneller ist, muss man vielleicht etwas unternehmen, aber hoffentlich bin ich einfach gut genug und damit erledigt sich die Sache."

Verstappen meint nur, dass er sich um Ricciardo "keine Sorgen machen" würden - was auch immer das heißen mag. Die Hypersoft-Reifen stören ihn genauso wenig. "Das sehe ich nicht als Nachteil", sagt Verstappen und sieht Mercedes und Ferrari unter Druck: "Sie müssen sich Sorgen machen, dass ich keinen Undercut gegen sie fahre. Es ist vielleicht gut, dass wir eine andere Strategie haben."

Vorteil Red Bull: Mit einem guten Chassis wie dem des RB14 ist es einfacher, die Reifen zu schonen und Graining sowie Bläschenbildung zu verhindern. Mehr Traktion bedeutet, dass es simpler ist, vorsichtig mit dem Lenkrad, dem Gas- und dem Bremspedal umgehen. Vielleicht lässt sich so sogar ein zweiter Boxenstopp einsparen. "Die Reifen mal abkühlen zu lassen mag gut sein, aber ich gebe ohnehin das ganze Rennen Vollgas", verspricht Ricciardo für seinen letzten Red-Bull-Auftritt.

Ein Podium zum Abschied ist Ricciardos erklärtes Ziel. Das gilt auch für Verstappen, der es kaum für möglich hält, den in Sao Paulo verpassten Sieg nachzuholen. "Daran glaube ich nicht. Die Strecke ist anders als die in Brasilien, wo man dicht auffahren kann. Dort gibt es verschiedene Linien. Hier gibt es nur 90-Grad-Kurven", unkt er. Heißt: Überholen wird auch mit DRS extrem schwierig.

Übrigens: Ein weiterer Grund für Verstappens kurzzeitig miese Stimmung könnte die Tatsache sein, dass Ricciardo ihn in Abu Dhabi zum dritten Mal bezwang und damit ungeschlagen aus dem Qualifying-Teamduell auf dem Yas Marina Circuit geht. "Ich erfreue mich daran, insgesamt gewonnen zu haben", frotzelt Verstappen, der 2018 mit 14:7 den direkten Vergleich für sich entschieden hat.

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