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Grand Prix von Brasilien

Teams rüsten sich gegen Kriminelle

Haben und Nichthaben: In São Paulo soll verstärkte Polizeipräsenz für Sicherheit sorgen, doch die Rennställe ziehen die Tarnung vor.

Anders als die Vorjahresausgabe soll der Grand Prix von Brasilien nicht durch Raubüberfälle auf Teambusse und Personal überschattet werden. Das hoffen zumindest die Organisatoren in São Paulo sowie die örtliche Polizei. Diese hat angekündigt, ihre Präsenz rund um die Strecke zu verstärken, doch die Teams werden überdies selbst aktiv.

"Wir hatten immer das Glück, dass uns nichts passiert ist. Wir werden nach den Vorfällen 2017 jedoch genau aufpassen", versprach Force-India-Teamchef Otmar Szafnauer. Bei Kleinbussen, mit denen Ingenieure, Mechaniker und Mitarbeiter von den Hotels zur Strecke gefahren werden, wird auf Teamlogos verzichtet; Parkkarten werden entfernt, sobald es auf die Straße geht.

"Wir werden auch keine Teamkleidung tragen, wenn wir im Auto sitzen", so Szafnauer. Er begreift die Maßnahmen als zusätzlichen Schutz, nicht als Ausdruck des Misstrauens in die Polizei. Force India setzt sogar auf die Behörden: "Sie werden viel mehr Präsenz zeigen und wissen, wann wir kommen und gehen. Sie werden also zu Zeiten vor Ort sein, wenn es sinnvoll ist."

Dass im Vorjahr viele Streifenwagen längst abgezogen waren, als sich die Rennställe auf den Rückweg aus dem an der Peripherie gelegenen Interlagos ins Stadtzentrum von São Paulo machten, gilt als einer der Hauptgründe für die beispiellose Überfallserie 2017. Damals wurde ein Kleinbus des Mercedes-Teams erstürmt und die darin befindlichen Mitarbeiter mit Waffen am Kopf bedroht; es fielen sogar Schüsse.

Ein Sauber-Fahrzeug wurde gerammt, um es zum Anhalten zu zwingen und die Insassen auszurauben. FIA-Offizielle bekamen es mit der Angst zu tun, als Vermummte mit Pistolen auf die gepanzerten Scheiben ihres Fahrzeugs einschlugen, um sich Zugang zu verschaffen. Ein Überfall auf einen Kleinbus des Reifenausstatters führte schließlich zur Absage der auf dem Autódromo José Carlos Pace geplanten Testfahrten.

Was sich kaum ändern wird: Die Zufahrtsstraße zur Rennstrecke, die an einem alten, rostigen Tor endet und unbeleuchtet ist, führt durch eine Wohngegend, die sogar nach brasilianischen Maßstäben als sozialer Brennpunkt gilt. Schilder warnen davor, das Auto anzuhalten. Bei Dunkelheit ist es erlaubt, rote Ampeln zu missachten – nicht nur, wenn die Formel-1-WM gastiert.

Offenbar haben auch viele Journalisten aus den Vorfällen der vergangenen Jahre Konsequenzen gezogen und reisen nicht nach Brasilien, zumal Diebstähle im eigentlich streng kontrollierten Pressezentrum an der Tagesordnung sein sollen. Laptops, Kameras und Mobiltelefone verschwinden; überdies verzichten auch einige Formel-1-Piloten darauf, Frauen bzw. Freundinnen mitzubringen.

In Brasilien sind nicht nur Überfälle, sondern auch Entführungen zu befürchten. Das Geschäft mit Erpressung von Lösegeld floriert in dem teils bitterarmen und politisch soeben nach rechts außen gerückten Land: 2010 geriet Jenson Button ins Visier einer Bande, konnte dank eines gut geschulten Chauffeurs aber entkommen. Die Schwiegermutter von Ex-Formel-1-Geschäftsführer Bernie Ecclestone hatte 2016 weniger Glück und kam erst nach einigen Tagen frei.

Obwohl er noch nicht im Amt ist, könnte mangelnde Sicherheit beim Grand Prix dem designierten Staatspräsidenten Jair Messias Bolsonaro zusätzlichen Auftrieb verschaffen. Der Populist und rechtsextreme Hardliner bemängelte im Wahlkampf immer wieder eine mangelnde Effizienz der Polizeikräfte. Neue Vorfälle würden ihm wohl einen Anlass liefern, seine teils obskuren Ideen von Kriminalitätsbekämpfung durchzusetzen.

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