Formel 1

Inhalt

Grand Prix von China

Verstappen: „Natürlich war es mein Fehler“

Max Verstappen nimmt die Schuld an der Kollision mit Sebastian Vettel auf sich und entschuldigt sich - Vettel zeigt Verständnis.

Versöhnliche Geste zwischen Max Verstappen und Sebastian Vettel nach ihrer Kollision beim China-Grand-Prix in Shanghai am Sonntag: Nach dem Abstellen der Autos und auf dem Weg zurück an die Boxen ging der Niederländer auf seinen Ferrari-Konkurrenten zu und entschuldigte sich bei ihm. Vettel nahm lächelnd an und quittierte die Einsicht per freundschaftlichem Schulterklopfer.

So einig wie nach der Zieldurchfahrt waren sich die beiden auch in der Beurteilung ihres Scharmützels in Runde 43. Im Kampf um den dritten Platz hatte der klar schnellere Verstappen auf den frischeren Reifen am Ende der Gegengeraden nach Vettel gegriffen, sich leicht verbremst und den Ferrari von der Bahn geräumt. "Natürlich war es mein Fehler", räumt ein zerknirschter Verstappen ein.

Geschuldet war das ambitionierte Manöver auch dem vermeintlichen Zeitdruck, unter dem der 20-Jährige auf dem Weg zu einem möglichen Rennsieg stand: "Ich hatte schon gemerkt, dass er Reifenprobleme hat und wollte spät bremsen. Dann haben meine Hinterräder blockiert und ich habe ihn erwischt", lässt er Verstappen die Szene Revue passieren und ärgert sich: "Das wollte ich gar nicht."

Der Sieg seines Teamkollegen Daniel Ricciardo (der zum Zeitpunkt der Szene nur knapp vor dem Duo lag und locker das Rennen gewann) zeigte, dass so viel Eile nicht geboten war - zu schnell war der Red Bull im Renntrimm, zu groß der Vorteil der frischeren Reifen. "Es ist einfach, im Nachhinein zu behaupten, dass ich hätte warten müssen. Das wäre klüger gewesen", so Verstappen.

Vettel nimmt seinen Kontrahenten in Schutz: "Wir haben das ganze Rennen Rückenwind auf der Geraden gehabt. Das Anbremsen war schwierig. Wenn man dazu aus dem Windschatten kommt, ist es noch einfacher, sich zu verschätzen", sagt er. "Man darf nicht außer Acht lassen, dass sich Dinge aus dem Auto heraus sehr schwierig einschätzen lassen, wenn man keinen Unfall bauen will."

Dabei hatte der Heppenheimer in weiser Voraussicht etwas Platz auf der Innenbahn gelassen - weil er schon früher mit einer Attacke gerechnet hatte und darauf vorbereitet sein wollte, dass sich Verstappen bei einem Manöver zumindest leicht verbremst. Doch nachdem er zu Beginn in der DRS-Zone nicht in Schlagdistanz war, musste Verstappen auf der Bremse riskieren. Und übertrieb es.

"Ich wollte mich gar nicht wehren, weil ich schon bei Daniel (Ricciardo; Anm. d. Red.) gemerkt hatte, dass es ist sinnlos ist", betont Vettel, Verstappen nicht die Türe zugeschlagen zu haben - wie der Red-Bull-Fahrer in einer ersten (sehr emotionalen) Reaktion im Funk seinem Renningenieur mitgeteilt hatte.

Vielmehr ging es für Vettel nur darum, wenig Zeit zu verlieren, den vierten Rang gegen die Verfolger abzusichern und sich WM-Konkurrent Lewis Hamilton vom Leib zu halten.

Es kam dicker: Vettel fiel auf Rang sechs zurück und musste Nico Hülkenberg (Renault) sowie Fernando Alonso (McLaren) passieren lassen. Sein Auto hatte bei dem Crash Schaden genommen, er konnte sich nicht verteidigen. Der Ferrari untersteuerte, ließ sich in langsamen Kurven kaum lenken und setzte mit dem Unterboden auf dem Asphalt auf. "Ich hatte Probleme, überhaupt mit dem Auto klarzukommen", klagt Vettel, der den achten Platz vor Carlos Sainz (Renault) ins Ziel rettete.

Verstappen hatte mehr Glück: Er setzte mit intaktem Auto zur nächsten Aufholjagd an und arbeitete sich bis auf Rang vier vor, fiel durch die von der FIA für die Kollision verhängte Zehn-Sekunden-Strafe aber im Endergebnis auf den fünften zurück. Ein schwacher Trost, denn auf die Frage eines Journalisten, wie er sich fühle, antwortet er: "Natürlich sauer. Das Rennen war am Ende scheiße."

Ergo genoss es nach dem Rennen nicht erste Priorität, sich den erhofften Siegerpokal abzuholen, sondern bei Vettel um Absolution zu bitten. "Natürlich", sagt Verstappen, "wir waren alle schon in solchen Situationen und als Fahrer können wir darüber sprechen." Vettel sparte sich im Dialog mit ihm Vorwürfe, weil er wusste, dass der Youngster in erster Linie sich selbst geschadet hatte: "Ihm ist auch klar, dass er locker auf das Podium hätte fahren können. Dumm gelaufen", sagt er.

Dass Verstappen offen mit seinem Patzer umging, imponierte Vettel, der in der Vergangenheit nach ähnlichen Vorfällen auch verschnupftere Reaktionen gezeigt hatte. Stichwort: der russische "Torpedo" Daniil Kwjat. "Ich freue mich, dass er sofort auf mich zugekommen ist. Ich habe ihm gesagt, dass man so damit umgehen sollte - unter vier Augen und nicht, indem man mit der Presse spricht oder für einen großen Aufschrei sorgt", sagt Vettel. Dafür gab es den erwähnten Schulterklopfer.

Drucken
Stallorder vor STR-Crash Stallorder vor STR-Crash FIA nimmt zu SC Stellung FIA nimmt zu SC Stellung

Ähnliche Themen:

18.11.2017
GP von Aserbaidschan

Lewis Hamilton hat Sebastian Vettel nach dessen Baku-Rammstoß vor weiteren Respektlosigkeiten gewarnt und mit Konsequenzen gedroht.

29.08.2014
GP von Belgien

Rosberg gesteht und entschuldigt sich. Mercedes erlaubt weiterhin freies Racing, Kollisionen jedoch werden sanktioniert, offen bleibt: wie?

29.08.2014
GP von Belgien

Mit einem Konkurrenten wäre ein solcher „normaler Rennunfall verständlich“, findet Lauda auf einmal. Kurios: Mercedes bittet User um Straf-Vorschläge…

Grand Prix von China

+ Nachberichte

Sonntag

+ Samstag

Silbernes Jubiläum Goodwood: Auto Union Typ C Rennwagen

Der Auto Union Typ C Rennwagen aus dem Jahr 1936 ("Silberpfeil") gehört zu den Jubiläumsgästen beim 25. Festival of Speed in Goodwood.

Ennstal-Classic 2018 Interview: VW-Motorsportchef Enzinger

Der Motorsport-Verantwortliche im VW-Konzern im Gespräch über die Rekordfahrten von Porsche und einen möglichen Formel 1-Einstieg.

Urbanes Spaßmobil BMW C 400 X - Roller im ersten Test

Wir testen den neuen Mittelklasse-Roller BMW C 400 X auf Herz, Nieren und seine Qualitäten als wendiges City-Mobil für täglich nötige Fahrten.

Mild hybridisiert Facelift Kia Sportage - erster Test

Der aufgefrischte Kia Sportage kommt nicht nur mit Änderungen am Blechkleid daher, sondern vor allem mit neuer Mildhybrid-Technik.