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Grand Prix von Italien

Hamilton fightet die Ferraris nieder

Sowohl Vettel als auch Räikkönen Rad an Rad besiegt: Lewis Hamilton gewinnt den Grand Prix von Italien. Vettel nach Aufholjagd Vierter.

Bilder: PHOTO4

Lewis Hamilton hat den Grand Prix von Italien gewonnen und damit den Ferrari-Traum von einem Sieg im eigenen Land platzen lassen. Der Mercedes-Fahrer gewann seine Rad-an-Rad-Duelle gegen Sebastian Vettel und Polesetter Kimi Räikkönen und feierte einen für die Weltmeisterschaft 2018 wichtigen Sieg. Denn in der Fahrerwertung führt er nun 30 Punkte vor Vettel.

Und das wohlverdient, denn Hamilton bekam den Sieg in Monza nicht geschenkt, sondern musste hart dafür kämpfen. Zwar ging sein Plan, die Ferraris aus dem Windschatten heraus gleich am Start zu überholen, nicht auf, doch in der Variante della Roggia ließ ihm Vettel rechts die Tür offen - und natürlich stach Hamilton in diese Lücke hinein.

Hamilton war schon halb durch, als Vettel nach rechts zog. Der Ferrari lädierte sich bei der Aktion den Frontflügel. Vettel tobte: "Das war dumm. Wo wollte er hin?" Aber die FIA-Rennkommissare sahen das anders und sprachen ihr Urteil: "No further action."

"Ich finde, ich habe ihm genug Platz gelassen", sagt Hamilton. Vettel sieht das kritischer: "Ich weiß nicht, wie es bei ihm ausgesehen hat. Aus meiner Sicht hatte ich keinen Platz mehr und wurde eingekeilt." Gleichzeitig relativiert er, wenn er sagt: "Ich bin generell kein Fan, dass man immer jemanden bestrafen muss. Sowas passiert leider. Heute hat's halt mich getroffen."

Safety-Car: Glück im Unglück für Vettel

Vettel hatte noch Glück im Unglück, weil aufgrund einer Kollision, die Brendon Hartley (Toro Rosso) das Rennen kostete, das Safety-Car auf die Strecke kam. So fiel er zwar nach dem Reparaturstopp (inklusive Reifenwechsel) ans Ende des Feldes zurück, aber zumindest konnte er von dort aus sofort mit der Aufholjagd beginnen.

Die wurde nur vier Runden lang von Daniel Ricciardo (RB Racing) gebremst, den er sich in der Parabolica zurechtlegte. Und vom zweiten Boxenstopp zurück auf Supersoft, der entgegen der ursprünglichen Hoffnungen der Tifosi doch erforderlich war.

Mit einem nach der Kollision nicht mehr perfekt ausbalancierten Ferrari machte Vettel das möglich, was noch möglich war, und das war der vierte Platz. Zwar fuhr er als Fünfter über die Ziellinie, aber weil Max Verstappen (RB Racimg) für seine Berührung mit Valtteri Bottas (Mercedes) fünf Sekunden Zeitstrafe aufgebrummt bekam, rückte er um eine Position auf.

Verstappen hatte kurzzeitig am Podium gerochen, weil Mercedes Bottas als "Blockas" eingesetzt hatte und das Rennen des Finnen dadurch kompromittiert wurde. Bottas attackierte mit den frischeren Reifen in der ersten Kurve, Verstappen drängte ihn aber nach links ab. Nachdem Verstappen von der Rennleitung schon einmal abgemahnt worden war, gab das die unvermeidliche Strafe.

Verstappen legt sich mit Rennkommissaren an

"Wofür?", regte sich Verstappen auf. "Wirklich toll, wie sie das Rennfahren kaputt machen, ehrlich." Später sagte er: "Ich habe ihm eine Autobreite Platz gelassen, daher verstehe ich die Strafe nicht. Vielleicht haben sie mir die Strafe gegeben, weil ich mich bei einem früheren Angriff von ihm einmal verbremst habe. Aber ich bleibe dabei: Die Strafe ist nicht fair."

An der Spitze lieferten sich Räikkönen und Hamilton indes ein elektrisierendes Duell um den Sieg. In der vierten Runde, beim Re-Start nach dem Safety-Car, bremste sich Hamilton zunächst in der Variante del Rettifilo an Räikkönen vorbei, nur um ein paar Kurven später wieder ausgekontert zu werden - genau so, wie er selbst zuvor Vettel überrascht hatte.

Von da an hielt Räikkönen den Abstand bis zu seinem Boxenstopp in der 20. Runde konstant bei etwa einer Sekunde. Die Mercedes-Crew hatte für Hamilton wie so oft einen Reifenwechsel angetäuscht, kam aber erst in der 28. Runde tatsächlich rein. Zwischendurch wurde der RB von Ricciardo (Motorschaden) weggeschoben - sehr zu Räikkönens Erleichterung ohne virtuelles Safety-Car.

Während alle darauf warteten, wie lange Hamilton noch draußen bleiben würde, schien kurzzeitig die Regengefahr akut zu werden. Obwohl es da logisch gewesen wäre, länger zuzuwarten, holte Mercedes Hamilton an die Box. Als er wieder auf die Strecke rausfuhr, hatte er 5,6 Sekunden Rückstand auf Räikkönen - der aber, und das ist entscheidend, gerade auf Bottas auflief.

Mercedes wendet in der Formel 1 DTM-Taktik an

"Keep Kimi behind you" lautete der unmissverständliche Auftrag an "Blockas", und tatsächlich schaffte es der Finne, seinen Landsmann bis zum Boxenstopp hinter sich zu halten. Obendrein fing sich Räikkönen in der "dirty air" auch noch Blasen am rechten Hinterreifen ein, die sich später als rennentscheidend herausstellen sollten.

Es sprach eigentlich alles gegen Räikkönen: Hamilton, dessen Reifen um acht Runden frischer waren, formatfüllend im Rückspiegel, und weil der Mercedes dank DRS zwischen Parabolica und Rettifilo jede Runde vier Zehntelsekunden geschenkt bekam, wurden die Reifen am Ferrari immer schlechter und Hamiltons Vorteil immer größer.

In der 45. Runde dann der Führungswechsel: Hamilton attackierte mit randvoller Hybrid-Batterie in der ersten Schikane - und zog sofort weg. Von da an war das Rennen entschieden. Ferrari forderte Räikkönen auf, aus Sicherheitsgründen die Randsteine zu meiden - der Zustand seiner Reifen sei "kritisch", hieß es. Bis zur Zieldurchfahrt in Runde 53 wuchs der Abstand auf 8,7 Sekunden an.

"Der Speed war heute da, aber die Reifen haben uns einen Strich durch die Rechnung gemacht", analysiert Räikkönen, der von den Tifosi wie ein Sieger gefeiert wurde - während im Paddock alle rätselten: War es sein letzter Ferrari-Auftritt in Monza? Es mehren sich Medienberichte, wonach er 2019 durch Charles Leclerc (Sauber) ersetzt werden soll.

Leclerc spielte in diesem Rennen übrigens keine Rolle, belegte den zwölften Platz. Hinter den Topteams wurde Romain Grosjean (Haas) unauffällig, aber souverän "Best of the Rest": P6. 1,4 Sekunden vor Esteban Ocon, Sergio Perez (beide Force India), Carlos Sainz (Renault) und Lance Stroll (Williams).

Im Mittelfeld wurde hart gekämpft. Gleich am Start fuhr ein McLaren Hartley über den Frontflügel, später gerieten Kevin Magnussen (17./Haas) und Perez in der ersten Lesmo aneinander ("No further action"), und Ricciardo ärgerte sich in einer Situation über seinen Red-Bull-Nachfolger Pierre Gasly (15./Toro Rosso), als sich die beiden in der ersten Kurve berührten.

Beim großen Geschlagenen des Tages, Sebastian Vettel, hielt sich der Ärger in Grenzen: "Ich mache mir keine Sorgen. Wir sind schnell genug. Die Punkte klingen nach viel, aber es dauert nicht lang, das aufzuholen."

Was Toto Wolff genauso sieht. Aus Mercedes-Sicht sei er für den Rest der WM "gar nicht beruhigt. Es sind sieben Rennen zu fahren. Siebenmal 25 Punkte. Und im Moment ist der Ferrari das schnellere Auto." Wahrscheinlich auch in Singapur, wo Mercedes meistens Schwierigkeiten hat. Das Nachtrennen dort findet am 16. September statt.

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