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Grand Prix von Italien

Räikkönen rast zur Rekordrunde

Kimi Räikkönen im Qualifying zum Italien-Grand-Prix vorne - Schnellste Formel-1-Runde aller Zeiten - Vettel komplettiert Doppel-Pole vor Hamilton.

Bilder: PHOTO4

Ferrari-Pilot Kimi Räikkönen hat sich den ersten Startplatz für das Rennen zum Italien-Grand-Prix gesichert. Beim Heimspiel seiner Scuderia in Monza sorgte der Finne am Samstag für die schnellste Pole-Runde aller Zeiten: 1:19.119 Minuten bedeuten einen Schnitt von 263,5 km/h.

Ein Rundenschnitt, der zuvor noch auf keiner Formel-1-Strecke erreicht worden war. Sein Teamkollege Sebastian Vettel (+0,161 Sekunden) und Mercedes-Star Lewis Hamilton (++0,175) hatten das Nachsehen.

Es sind Geschichten, wie sie nur Ferrari in Monza schreiben kann: "Monza ist pure Leidenschaft", schwärmt Ferrari-Teamchef Maurizio Arrivabene - und das nur fünf Wochen nach dem Tod von Ferrari-Präsident Sergio Marchionne. Da werden Erinnerungen wach: Das letzte Mal, als ein Ferrari-Präsident kurz vor Monza gestorben ist, gab es beim Heimrennen einen Doppelsieg: Gerhard Berger 1988 vor Michele Alboreto - vor genau 30 Jahren, in Memoriam Enzo Ferrari.

Doch mitten hinein in den Ferrari-Jubel mischt sich ein kleines bisschen miese Laune. "Darüber reden wir später noch", funkte Sebastian Vettel, nachdem er vom Renningenieur informiert wurde, dass nicht er auf Pole steht, sondern Räikkönen. Denn Ferrari hatte in Q3 zweimal Vettel vor Räikkönen (Bild unten) auf die Strecke geschickt und somit der vermeintlichen Nummer 2 den so wertvollen Windschatten spendiert.

Von Podium-Interviewer Paul di Resta vor der vollen Haupttribüne darauf angesprochen, wollte Vettel offenbar die gute Laune nicht verderben: "Meine letzte Runde war nicht gut", ließ er die Sache auf sich bewenden. Unterm Strich fehlten ihm 0,161 Sekunden, von denen er 0,122 im dritten Sektor verlor. Dort wirkt sich der Windschatten auf der langen Gegengerade und aus der Parabolica heraus am stärksten aus. Was Vettel unerwähnt ließ: Im gleichen Maß, wie Räikkönen im letzten Stint seinen Windschatten nutzen konnte, profitierte Vettel wiederum vom Windschatten Hamiltons. Objektiv betrachtet hatte der Deutsche also keinen Nachteil.

Trostpreis: Vettel vor WM-Rivale Hamilton

Immerhin: Vettel war um 0,014 Sekunden schneller als sein großer WM-Rivale Lewis Hamilton (Mercedes), der nach den Freien Trainings kaum Hoffnung hatte, gegen Ferrari kämpfen zu können. Doch nach dem ersten Q3-Run lag er überraschend in Führung, und so war die Enttäuschung groß, dass es dann trotzdem nicht reichte. Schon bei der ersten Zwischenzeit war Hamilton nicht mehr so schnell gewesen wie im vorangegangenen Versuch.

Teamchef Toto Wolff versucht dem dritten Startplatz wegen des Windschattens bei der Anfahrt der ersten Kurve etwas Positives abzugewinnen: "Ich glaube, dass die Startposition vorne vielleicht eh nicht ganz das ist, was du willst." Grundsätzlich freilich ist er enttäuscht: "Nach dem ersten Run hat es gut ausgeschaut. Aber im Moment sind die einfach auf einer richtig guten Welle. Auf einer Strecke, die ihnen in der Vergangenheit nicht so gut gelegen ist."

Valtteri Bottas (Mercedes) spielte im Kampf um die Monza-Pole keine Rolle. Ihm fehlte eine halbe Sekunde auf die Bestzeit. Max Verstappen (Red Bull) wurde mit eineinhalb Sekunden Rückstand Fünfter - programmgemäß: "Ich hatte keinen Windschatten, die anderen schon. Aber an der Position hätte das eh nix geändert." Damit, Ferrari und Mercedes angreifen zu können, rechnet er nicht: "Die werden zu schnell sein. Ich fahre mein eigenes Rennen."

Williams schafft erstmals 2018 ein Q3

Romain Grosjean (Haas) setzte seine starke Form der letzten Wochen fort und sicherte sich - auch dank Ferrari-Power - den sechsten Startplatz. Hauchdünn vor Carlos Sainz (Renault) und Esteban Ocon (Force India). Ebenfalls in den Top 10 landeten Pierre Gasly (Toro Rosso) und Lance Stroll (Williams). Für das Williams-Team übrigens der erste Q3-Einzug in der Saison 2018.

Die wahrscheinlich unterhaltsamste Szene in Q2 hatten Kevin Magnussen (11./Haas) und Fernando Alonso (13./McLaren) abgeliefert, als sie ihre letzte schnelle Runde begannen. In Magnussens Windschatten hatte Alonso beim Anbremsen der ersten Kurve einen Geschwindigkeitsüberschuss und setzte zum Überholmanöver an.

Magnussen, der selbst auf Zeitenjagd war, reagierte am Boxenfunk verduzt: "Was zur Hölle will Fernando da?" Aber der McLaren-Star wähnte sich ebenfalls im Recht: "Will der Rennen fahren, oder was?" Nur der McLaren-Kommandostand sah die Sache nüchtern: "Er hat seine eigene Runde auch kaputt gemacht, Fernando." Nach dem Qualifying ein Fall für die FIA-Rennkommissare.

Wurz findet: Alonso mehr schuld als Magnussen

Formel-1-Experte Alexander Wurz ergreift Partei: "Für mich war hier eher Fernando der Bösewicht." Was Magnussen genauso sieht: "Das war dumm von ihm. Er hat versucht, einen guten Windschatten zu kriegen, aber er hat damit auch seine eigene Runde kaputt gemacht." Alonso stichelt zurück: "Es gibt viele Klassen von Fahrern in der Formel 1. Und dann gibt es die Haas-Fahrer ..."

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