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Grand Prix von Japan

Verstappen: „Kann mich nicht in Luft auflösen“

Max Verstappen ist sich keiner Schuld bewusst, was die Ferrari-Piloten Räikkönen und Vettel anders sehen.

Das Rennen zum Japan-Grand-Prix am Sonntag war eine einzige Fehde zwischen Max Verstappen und den Ferrari-Piloten. Nachdem Red Bulls Enfant terrible mit Kimi Räikkönen kollidiert und bestraft worden war, kam es zu einem weiteren Unfall mit Sebastian Vettel - und zu erhitzten Gemütern nach dem Rennen, schließlich beurteilten die beteiligten Parteien die Szenen komplett anders.

Besonders viel Schaum vor dem Mund hatte Vettel, der Verstappen in Runde 8 in der Spoon-Kurve (einer ungewöhnlichen Stelle für ein Überholmanöver) attackiert hatte, mit ihm kollidiert war und sich durch den daraus resultierten Dreher samt Schaden am Seitenkasten sein Rennen zerstört hatte.

Vettel bezeichnet seine optimistische Aktion im Duell um den dritten Platz als "bestimmt, jedoch nicht verzweifelt". Er hätte den besseren Ausgang aus der vorangegangenen Haarnadel-Kurve erwischt und bemerkt, dass an Verstappens Auto das rote Regenlicht aufblinkte. Heißt: Der Red Bull rief in diesem Moment keine Zusatzenergie aus seinen Hybridsystemen ab, während Vettel den Boost voll nutzte. Er hatte ihn sich zu Beginn der Runde extra für eine solche Gelegenheit aufgespart.


"Mir war klar, dass ich am Ende nochmal einen Meter gutmachen würde", meint er. Vettel setzte sich mit Überschuss innen neben den Red Bull und bremste einen Tick später, war mit seiner Nasenspitze jedoch nur auf Höhe von Verstappens Seitenkasten. Trotzdem sagt er: "Meine Lücke war da. Sonst hätte ich es nicht probiert. Er hat sich verteidigt, aber die Innenbahn hat da mir gehört."

Verstappen ließ dem Ferrari scheinbar genug Raum, um auf der Strecke zu bleiben, doch Vettel versuchte unnachgiebig, sein Manöver durchzuziehen. Es knallte. Erst gab es den Kontakt zwischen dem Hinterrad des Niederländers und dem Seitenkasten des Ferrari, dann drehte sich Vettel raus.

"Ich denke, er hat mich gesehen, sonst hätte er nicht zugemacht. Er hat verteidigt. Das ist okay, aber irgendwann muss man halt auch zurückstecken, und das hat er nicht getan", kritisiert Vettel Verstappen. "Dann kann ich mich nicht in Luft auflösen." Eine klare Schuldzuweisung in Richtung seines Kontrahenten, die Verstappen so nicht im Raum stehen lassen will. Er teilt selbst gegen Vettel aus.

Verstappen vergleicht die Szene mit der Kollision der beiden in China. Zur Erinnerung: Damals hatte er sich selbst ungestüm neben Vettel gebremst, nicht zurückgezogen und den Roten abgeräumt. Verstappen hatte sich aber noch in der Boxengasse mehrmals für die Aktion entschuldigt. Die identische Situation mit umgekehrten Vorzeichen hätte sich nun in Suzuka abgespielt, meint Verstappen.

"Er ist mir in die Seite gefahren", moniert er und ist überzeugt, dass Vettel wegen Untersteuerns die Innenbahn nicht hätte halten können. "Er hätte da auch ein bisschen vorsichtiger sein können."

Eine Strafe gegen Vettel zu fordern - wie er sie in Schanghai kassiert hatte - spart sich Verstappen und argumentiert eher in Richtung Rennunfall. Übrigens genau wie Ferrari-Teamchef Maurizio Arrivabene. Vielleicht rührt die Milde daher, dass die Aktion den Titelkandidaten auf den letzten Platz zurückwarf und Verstappen nach einem Ritt durch die Auslaufzone vorn blieb. Allerdings nahm auch der Red Bull Schaden, da er sich in Loch in den Unterboden riss und an Performance verlor.

Vielmehr scheint den selbst als Heißsporn verschrieenen 21-Jährigen zu ärgern, dass Vettel ihn dank des Motorenvorteils "locker" auf einer der nachfolgenden Geraden hätte schnappen können, es aber in der Spoon-Kurve ("eine Stelle, an der man es nicht tun sollte") versuchte. Hinzu kam, dass Verstappen mit einer Fünf-Sekunden-Strafe belegt war und beim Stopp ohnehin zurückgefallen wäre.

Vettel war darüber informiert, sagt aber: "Ich hatte eben das Gefühl, dass wir schneller wären." Als sein Poker mit dem Hybrid-Boost aufging und er die Chance witterte, wollte er sie sich nicht entgehen lassen. "Ich bereue nichts", betont Vettel, doch er hatte die Rechnung ohne Verstappen gemacht.

Gewarnt sein können hätte der Deutsche. Bereits in der dritten Runde war es zu dem Scharmützel Verstappens mit Kimi Räikkönen gekommen, als der Ferrari-Teamkollege - ebenfalls im Fight um Rang drei - vor der Schlussschikane angriff. Verstappen verteidigte und verbremste sich, räuberte durch die Auflaufzone und kam so auf die Strecke zurück, dass der Finne auf den Grünstreifen ausweichen musste, um eine Kollision zu verhindern. Verstappen blieb vorne, Vettel schlüpfte vorbei.

Kurz darauf sprach die FIA die besagte Fünf-Sekunden-Strafe wegen des riskanten Zurückkehrens auf die Fahrbahn aus. Zum großen Unmut Verstappens, der die Entscheidung der Sportkommissare auch mit Abstand zum Geschehen "nicht akzeptieren" will. Er hätte fair sein und nicht den asphaltierten Notausgang der Schikane mit Vollgas nutzen wollen: "Es wäre für mich einfacher gewesen, die Strecke abzukürzen. Aber ich habe mein Bestes getan, um zurück auf die Strecke zu finden."

Dass Räikkönen sofort auf der Außenbahn überholen und nicht die bessere Traktion für ein Manöver auf der folgenden Geraden nutzen wollte, versteht Verstappen nicht. "Er hätte doch einfach warten können, bis ich zurück auf die Strecke gekommen bin", schüttelt er den Kopf. "Ich verstehe einfach nicht, warum ich dafür eine Strafe bekomme. Ich finde es wirklich dumm." Deutliche Worte.

Räikkönen widerspricht: "Ich habe ihm innen Platz gelassen. Er wusste, dass ich da bin, ist jedoch einfach in mich reingefahren und hat mich von der Strecke gedrückt." Weil sein Auto in der Szene Schaden nahm und er wegen einer vermasselten Boxenstrategie Ferraris nicht von der Strafe gegen Verstappen profitierte, betrachtet sich der Ex-Weltmeister als der Gelackmeierte der Geschichte.

Vettel unterstützt den Teamkollegen. "Schauen Sie sich die Szene an", sagt er im Gespräch mit Journalisten. "Er war weg von der Strecke und kommt zurück. Wenn Kimi weiterfährt, kollidieren sie. Es ist nicht richtig, dass stets der andere nachgeben muss." Es sei "immer wieder ein Problem", dass Verstappen sich in Situationen verteidigen würde, in denen es nichts mehr zu verteidigen gäbe.

Red-Bull-Teamchef Christian Horner, der lediglich im Fall Räikkönen einsichtig ist, spielt den Ball zurück. Er glaubt mit Blick auf den Vettel-Crash, dass Verstappens Konkurrenten sich auf die teils rabiate Fahrweise seines Schützlings einstellen müssten. "Bei Max weiß man, dass er keinen Zentimeter Platz lässt. Man muss bei verschiedenen Piloten verschiedene Herangehensweisen wählen."

Eine Ansage, die an Vettel vorbeigeht. Nachdem er in Suzuka fast zweimal das Feld von hinten aufrollte und - im "Kampf" gegen klar langsamere Autos - keine brenzlichen Situationen zu überstehen hatte, lässt er keine Kritik an seinem Fahrstil zu. Ob er bei Verstappen künftig vorsichtiger sein wolle, wird er in einem TV-Interview gefragt. "Fragen Sie ihn jetzt auch, ob er in Zukunft zweimal nachdenkt, wenn er sich verteidigt?", raunzt Vettel. Die Antwort lautet wohl nein, denn Verstappen stellt fest: "Selbst die erfahrensten Fahrer machen Fehler." Dreimal dürfen Sie raten, wen er meint.

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