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Grand Prix von Russland

Bottas nach Hamilton-Patzer auf Pole

Das hätte er sich nicht besser aussuchen können: Lewis Hamilton holt sich in Russland den zweiten Startplatz und damit den Windschatten für den Start.

Lewis Hamilton hat im Qualifying zum Grand Prix von Russland in Sotschi den nächsten kleinen Schritt in Richtung WM-Titel 2019 gemacht. Der Mercedes-Fahrer verlor zwar den Kampf um die Pole-Position gegen seinen Teamkollegen Valtteri Bottas, steht aber in der Startaufstellung einen Platz vor seinem großen Rivalen Sebastian Vettel (Ferrari).

Während Ferrari im Kampf um die Pole keine Rolle spielte, roch es zunächst lange nach einer klaren Favoritenrolle für Hamilton. Doch im ersten Q3-Run war Bottas überraschend um vier Tausendstelsekunden schneller, weil Hamilton im Mittelsektor stark abfiel. Und im zweiten Run leistete sich Hamilton dann nach klar bester erster Zwischenzeit einen seiner seltenen Fahrfehler.

Da kommen die Verschwörungstheoretiker der Formel 1 ins Spiel: War es womöglich - nachdem Bottas Hamilton im ersten Run geschlagen hatte und klar war, dass Ferrari keine Gefahr darstellen würde - Absicht, dass am Ende der "falsche" Mercedes auf Pole steht? Teamchef Toto Wolff selbst hatte am Freitag gesagt, dass die Pole in Sotschi nicht der beste Startplatz ist.

Fakt ist: Hamilton war im ersten Sektor um 0,227 Sekunden schneller als Bottas' Bestzeit, bis zu seinem Ausritt im Mittelsektor. Doch obwohl er Niederlagen normalerweise nicht gut verkraftet, strahlte er nach dem Qualifying bis über beide Ohren. Was natürlich auch daran liegen kann, dass er Vettel so locker im Griff hat.

Hamilton: Es war ein "intensiver" Kampf

"Es war so intensiv wie immer", sagt Hamilton. Seine beiden Q3-Runden seien "überhaupt nichts Besonderes gewesen, aber du kannst es halt nicht immer perfekt treffen". Wolff ergänzt: "Die Runde hätte wahrscheinlich für die Pole gereicht. Aber in Kurve 7 war er zu schnell und er hatte einen Snap. Jetzt geht's darum, dass wir morgen einen guten Start haben."

Denn der Weg bis zur ersten echten Kurve ist in Sotschi so lang, dass der Polesetter ohne Windschatten schlechter dran sein kann als der Zweite und Dritte. "Letztes Jahr haben wir gesehen, dass Valtteri von P3 aus nach der ersten Kurve in Führung war", erinnert sich Wolff. Oder auch Spa: Hamilton hatte die Pole, Vettel aber den Windschatten - und das bessere Ende für sich.

In Sotschi fehlte ihm eine halbe Sekunde auf Mercedes. "Ich hatte einen winzigen Fehler im letzten Sektor, aber ich wusste, dass ich eine halbe Sekunde finden muss. Das hat nicht geklappt", seufzt er. Trotzdem rechnet er sich Chancen aus, an den 40 Punkten Rückstand zu knabbern: "Ich bin zufrieden. Das Auto läuft gut. Das stimmt mich positiv für Sonntag."

Sagt auch Teamkollege Kimi Räikkönen, der im Qualifying näher an Vettel dran war als in den Freien Trainings (0,294 Sekunden) und Vierter wurde. "Das Auto", sagt er, "hat sich gar nicht so schlecht angefühlt. Aber wir sind halt ein bisschen hinten." Nachteil: Nur die drei ersten Startpositionen befinden sich auf neuem Asphalt mit angeblich mehr Grip. P4 steht noch auf alter Fahrbahn.

Red Bull: Statt zweite Kraft ganz hinten

Immerhin hat Ferrari das Glück, dass die Red Bulls aufgrund ihrer Motorenstrafen von hinten losfahren müssen. Das österreichisch-britische Team lag in Q1 noch vor Ferrari, verzichtete in Q2 aber darauf, eine schnelle Runde zu fahren. Stattdessen schonte man Reifen für das Rennen.

Bitter für Red Bull: Ausgerechnet in Sotschi, wo man sich keinerlei Chancen ausgerechnet hatte und deswegen die Motorenstrafen in Kauf nahm, lief das Auto erstaunlich gut. In Q1 lagen die beiden sogar vor den Ferraris. Aber Max Verstappen trauert der vermeintlich entgangenen Chance nicht nach: "In Q3 wären wir sowieso hinter Ferrari und Mercedes gewesen", sagt er.

Doch nur weil er vom (derzeit noch provisorischen) 18. Startplatz ins Rennen gehen wird, unmittelbar hinter Ricciardo, sei noch lange nicht aller Tage Abend: "Normalerweise müssen wir Fünfter und Sechster werden", sagt Verstappen selbstbewusst. Bei einem Safety-Car könne es sogar noch weiter nach vorne gehen.

Dafür muss der Niederländer aber an einigen starken Gegnern vorbei, die ihre Chance angesichts der Red-Bull-Strafen genutzt haben. Kevin Magnussen (Haas) zum Beispiel, 0,232 Sekunden vor Esteban Ocon (Force India) Fünfter der Startaufstellung. Oder Charles Leclerc (Sauber), der nach dem ersten Q3-Run noch Fünfter war, dann aber noch überholt wurde.

Schon in Q1 hatte es - nach den Trainingsergebnissen fast "programmgemäß" - die beiden McLaren- und Williams-Piloten erwischt. Für Fernando Alonso (17.) egal, weil er wegen Grid-Strafe sowieso außer Konkurrenz fuhr. Lokalmatador Sergei Sirotkin (18.) verabschiedete sich mit einem Dreher von seinem Heimpublikum.

Bizarrer Verlauf des zweiten Qualifyings

Brendon Hartley (Toro Rosso) war als 16. noch am nächsten am Q3-Einzug dran. Ihm fehlten aber vier Zehntelsekunden auf Nico Hülkenbergs rettenden 15. Platz. Im Hinblick auf 2019 wird die Luft für ihn langsam dünn. Schließlich hatte Red-Bull-Motorsportkonsulent Helmut Marko erst am Samstagmorgen gesagt, er müsse "nur" Teamkollege Pierre Gasly schlagen, um bleiben zu dürfen.

Gasly war einer von fünf Fahrern, die in einem kuriosen Q2 quasi kampflos aufgaben. Genau wie die beiden Red Bulls hatte ja auch er schon im Vorfeld eine Grid-Strafe kassiert. Und die beiden Renaults verzichteten freiwillig auf ihre Q3-Chance, weil sie auch ohne gezeitete Runde auf P11 und P12 starten können - und damit freie Reifenwahl für das Rennen haben.

Die Top 10 hätten sich damit den zweiten Q2-Run eigentlich sparen können, weil sie ohnehin sicher weiter waren. Doch selbst Topstar Hamilton fuhr noch einmal raus, um für Q3 zu üben - und kurioserweise brach er seine schnellste Runde nach zwei Sektorenbestzeiten ab, um nicht mit jenen Reifen starten zu müssen, auf denen er mehr gepusht hat als im eigentlich gewerteten Versuch.

Für Mercedes gilt es nun, die Doppel-Pole durch die erste Kurve zu bringen. Dann ist die halbe Miete bezahlt. Auch Teamchef Wolff sagt: "Meiner Meinung nach wird das Rennen am Start entschieden." So wie 2017, als es nach der ersten Runde nur noch ein einziges Überholmanöver gab (Pascal Wehrlein vorbei an Sauber-Teamkollege Marcus Ericsson).

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