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Grand Prix von Ungarn

Mercedes kocht Sebastian Vettel ab

Mit einem Sieg von Lewis Hamilton verabschiedet sich die Formel 1 in die Sommerpause: Sebastian Vettel verzweifelt hinter Bottas und wird Zweiter.

Lewis Hamilton bleibt in diesen Tagen der Mann für die unerwarteten Siege. Eine Woche nach seinem Überraschungserfolg in Hockenheim triumphierte der Mercedes-Pilot auch auf dem Hungaroring und baute seine WM-Führung auf 24 Punkte aus. Zwar kam der Sieg angesichts der Pole-Position nicht so unerwartet wie am vergangenen Sonntag, doch vor dem Wochenende galten andere als die Favoriten.

Gegen den Briten war aber heute kein Kraut gewachsen: Mehr als 17 Sekunden Vorsprung hatte Hamilton im Ziel auf Sebastian Vettel (Ferrari), der mit Rang zwei noch Schadensbegrenzung betreiben konnte, obwohl es zwischenzeitlich so aussah, als könnte er Hamilton den Sieg noch streitig machen. Doch nach einem schlechten Boxenstopp fiel Vettel hinter Valtteri Bottas (Mercedes) und büßte alle Chancen auf den Sieg ein.

Vettel war im Gegensatz zu den direkten Konkurrenten nicht auf Ultrasoft gestartet, sondern hatte sich am Start den Soft-Reifen geben lassen. Mit dem kam er sofort an Teamkollege Räikkönen vorbei und fuhr natürlich deutlich länger als die Konkurrenz, die schon früh auf Soft wechselte: Räikkönen in Runde 15, Bottas in Runde 16, Hamilton in Runde 25. Vettel hatte an der Spitze fortan freie Fahrt.

Verkehr und Boxenpatzer kosten Vettel Siegchance

Der Deutsche durfte keine Zeit verlieren, um nach seinem Reifenwechsel einen möglichst geringen Rückstand auf Hamilton zu haben und nicht hinter Bottas rauszukommen. Den Finnen hatte er virtuell schon überholt, doch Probleme im Überrundungsverkehr und mit einem langsamen Boxenstopp - das Rad vorne links klemmte - sorgten dafür, dass Vettel doch knapp hinter Bottas auf die Strecke kam, als er in Runde 40 stoppte.

Die Siegchancen waren damit passé. Denn nur wenn Vettel Bottas sofort überholt hätte, hätte er auf frischen Ultrasofts noch Jagd auf Hamilton machen können. Doch auf dem überholfeindlichen Kurs fand er keinen Weg vorbei. "Also hielt ich mich zurück und wartete ab, legte ihn mir für die zehn letzten Runden zurecht", sagt Vettel. "Dieser Plan ging auf, denn seine Reifen wurden schlechter und schlechter."

Erst fünf Runden vor dem Ende ging Vettel in der Anfahrt zu Kurve 2 an Bottas vorbei - doch das endete beinahe im Desaster. Bottas vertat sich und rauschte in den Deutschen rein. Vettel hatte Glück, dass er keinen Schaden erlitt, doch bei Bottas war der Frontflügel beschädigt. Darum musste er auch noch Kimi Räikkönen (Ferrari) vorbeilassen, der mit zwei Boxenstopps auf Rang drei fuhr und das komplette Rennen ohne Trinken auskommen musste. "Ich denke, das war das Beste, was wir heute erwarten konnten", meint der "Iceman", diesmal extratrocken.

Für Bottas kam es aber noch schlimmer. Mit wundem Auto schleppte er sich noch bis ins Ziel und geriet zwei Runden vor Schluss noch unter Attacke von Daniel Ricciardo (RB Racing), der sich von Startplatz zwölf noch nach vorne gearbeitet hatte. Als der Australier in Kurve 1 außen vorbei wollte, untersteuerte Bottas in den RB hinein und beschädigte ihn. Trotzdem hatte Ricciardo am Ende die besten Karten und kam in der Schlussrunde noch vorbei - Ricciardo wurde somit Vierter, Bottas Fünfter.

Wieder Aus: RB Racing stinksauer auf Renault

Weniger gut lief es für seinen Teamkollegen Max Verstappen. Der Niederländer hatte sich am Start bereits von Rang sieben aus auf Position fünf vorgearbeitet, kam jedoch nur fünf Runden weit, bevor er unter lautem Fluchen einen Leistungsverlust feststellte und das Auto parken musste. "Kann ich nicht einfach weiterfahren? Mir doch egal, wenn dieser scheiß Motor hoch geht", beschwerte er sich am Funk. "Das ist doch ein scheiß Witz, jedes verdammte Mal. Ganz ehrlich! Ah!"

Auch am Kommandostand war man alles andere als begeistert: "Wir glauben, es lag an der MGU-K", sagt RB-Racing-Teamchef Christian Horner und kritisiert Motorenpartner Renault: "Wir bezahlen viele Millionen Pfund für diese Antriebe, für diese moderne Technik. Und dann kann das einfach nicht wahr sein. Das ist frustrierend, aber nicht zu ändern. Cyril (Abiteboul, Renault-Boss; Anm. d. Red.) kann jetzt nach Entschuldigungen suchen."

Pierre Gasly überragt mit Rang sechs

Wenigstens gab es beim Juniorteam etwas zu feiern. Pierre Gasly holte als Sechster acht immens wichtige Punkte für Toro Rosso und damit sein zweitbestes Formel-1-Resultat nach Rang vier von Bahrain. Der Franzose schaffte auch das Kunststück, sich als einziger Pilot außerhalb der drei Top-Teams nicht überrunden zu lassen. Teamkollege Brendon Hartley verpasste die Punkte als Elfter äußerst knapp.

Haas musste sich mit den Rängen sieben für Kevin Magnussen und zehn für Romain Grosjean zufriedengeben. Vor allem der Wahl-Franzose haderte mit seiner Strategie, die laut Ansage des Teams auf McLaren abgestimmt war, die letzten Endes aber etwas komplett anderes machten, als man gedacht hatte: McLaren setzte im zweiten Stint auf die harte Medium-Reifen und brachte so vier Punkte nach Hause.

Denn beide Piloten zeigten eine starke Leistung. An seinem Geburtstag fuhr Fernando Alonso zu einem ordentlichen achten Rang, Teamkollege Stoffel Vandoorne blieb immer im Windschatten des Spaniers, bevor er nach 49 Runden mit einem Getriebeschaden ausschied und weiter auf ein Erfolgserlebnis warten muss. Auf Rang neun sicherte sich Carlos Sainz (Renault) zwei Zähler.

Die Franzosen dürften enttäuscht sein, dass es von Startplatz fünf nicht mehr wurde, doch der Spanier fiel im Lauf des Rennens zurück. Zudem beging das Team einen taktischen Fehler bei Nico Hülkenberg und holte ihn während des Virtuellen Safety-Cars (für den Vandoorne-Ausfall) an die Box, um frische Ultrasofts abzuholen. Dadurch fiel der Deutsche jedoch weit zurück und konnte den verlorenen Boden nicht mehr aufholen: Er wurde Zwölfter.

Komplett ohne Punkte und Einfluss auf das Rennen blieben heute Force India (Esteban Ocon 13., Sergio Perez 14.), Williams (Sergei Sirotkin 16., Lance Stroll 17.) und Sauber. Bei den Schweizern sah nur Marcus Ericsson (15.) das Ziel, obwohl der Schwede in Kurve 1 mit Daniel Ricciardo kollidierte. Teamkollege Charles Leclerc schied nach einer Berührung mit Perez bereits in der ersten Runde aus.

An der Spitze cruiste derweil Hamilton zum Sieg und holte sich 24 Zähler Vorsprung in der Gesamtwertung. "Wir wussten, dass Ferrari an diesem Wochenende sehr schnell sein würde. Dass wir jetzt so viele Punkte mitnehmen, ist ein Bonus für uns. Dieses Mal haben wir uns den Urlaub verdient", sagt er anschließend. Doch Obacht: Der Sieg in Ungarn ist eigentlich ein schlechtes Zeichen für die WM. Letztmalig wurde der Sieger am Hungaroring 2004 auch Weltmeister - es war Michael Schumacher. Hamilton selbst hingegen wurde in jenen fünf Saisonen, in denen er den GP von Ungarn gewonnen hatte, kein einziges Mal Weltmeister.

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