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Lewis Hamilton: „Habe keine Antwort“

Mehr als eine halbe Sekunde Rückstand auf Ferrari im Qualifying – bei Mercedes sucht man nach den Gründen.

Das tat weh! Mercedes musste im Qualifying in Schanghai eine krachende Niederlage einstecken. Zwar ist die Ausgangslage mit den Rängen drei und vier für Valtteri Bottas und Lewis Hamilton nicht so schlecht, Sorgen machen muss man sich jedoch über den Rückstand auf die Scuderia: Der betrug heute mehr als eine halbe Sekunde! "Mercedes hatte keine Chance. Ich glaube, sie verstehen das selber nicht", meint Ex-Pilot Nico Rosberg bei 'RTL'.

"Mir macht der Zeitunterschied Sorgen, eine halbe Sekunde ist sehr viel", stimmt Aufsichtsratsvorsitz Niki Lauda zu. Die Silberpfeile hatten nicht erwartet, dass Ferrari unter den Bedingungen so schnell sein würde. Denn eigentlich sah man sich bei kühleren Temperaturen selbst im Vorteil, wie Motorsportchef Toto Wolff am Freitag im Training verkündete - doch davon war heute im Qualifyng nichts zu sehen.

"Wir haben etwas, worüber wir nachdenken müssen", grübelt der Österreicher. Der Schuldige ist bei Mercedes aber schnell ausgemacht: die Reifen. "Uns fehlt einfach Grip", analysiert Wolff. Bottas und Hamilton konnten die Reifen nie wirklich in das gewünschte Temperaturfenster bringen. Eigentlich hatte man in dieser Saison bislang die Hinterreifen etwas zu hart rangenommen, was bei den kühleren Bedingungen hier ein Vorteil sein sollte, doch gezeigt hat sich das nicht.

Zudem haben sich in Schanghai die Vorderreifen als Problemzone erwiesen. Um diese auf Temperatur zu bekommen, bremsten Bottas und Hamilton schon in den Aufwärmrunden so hart, dass die Bremsen in den Boxen stets qualmten - ein eindeutiges Indiz für zu niedrige Temperaturen der Vorderreifen. Und wenn die Temperatur fehlt, bekommt man Untersteuern, womit Hamilton weniger zurechtkommt als sein Teamkollege.

Der Weltmeister musste damit heute die nächste Niederlage gegen Bottas einstecken und war dementsprechend sauer nach der Qualifikation. "Ich bin nicht sicher. Das Auto fühlte sich okay an, aber ich habe keine Antwort", winkt er auf ein mögliches Reifenproblem angesprochen ab. Sein Teamkollege ist da schon auskunftsfreudiger: "Wir konnten niemals das gleiche Gripniveau wie Ferrari erreichen", sagt er.

Die Auswirkungen sind also eindeutig, doch nach den Ursachen muss man bei Mercedes noch forschen. Laut Bottas habe man derzeit ein Problem mit den weichen Mischungen. Auf härteren Reifen sei man durchaus konkurrenzfähig - das hat auch die Bestzeit auf Softreifen in Q2 gezeigt -, allerdings kann man bei den weicheren Mischungen nicht so zulegen wie die direkte Konkurrenz.

Die Hoffnung von Mercedes liegt daher nun auf dem Rennen und einer voraussichtlich wärmeren Strecke: "Es wird erwartet, dass es deutlich wärmer ist, von daher hoffen wir, dass wir beim Set-up das Richtige gemacht haben und eine bessere Rennpace als Ferrari haben", sagt Wolff. Der Eindruck aus den Trainingssessions am Freitag lässt diesen Schluss auf jeden Fall zu.

Sollte Mercedes zulegen können, haben sie das Glück, dass Überholen in Schanghai so einfach ist wie auf fast keiner anderen Strecke. Vor allem die lange Gegengerade sorgt dafür, dass Manöver fast en masse passieren. Das muss auch die Methode für die Silberpfeile sein, denn strategisch ist im Rennen kaum etwas drin. Weil beide Teams in Q2 mit Soft-Reifen die schnellste Zeit fuhren, können sie sich den Ultrasoft und somit den bereits nach wenigen Runden unbrauchbaren Reifen sparen.

Somit wird es voraussichtlich nur einen Boxenstopp und die gleiche Strategie geben: erst Soft und dann Medium. Es droht also das gleiche Szenario wie in Bahrain, doch Nico Rosberg ist sich sicher, dass Ferrari diesmal nicht wieder auf ein mögliches Taktikspielchen von Mercedes reinfallen wird. "Die einzige Hoffnung von Mercedes scheint mir, dass es wärmer wird und ihr Auto dann auf den harten Reifen besser funktioniert", analysiert der ehemalige Weltmeister.

Ansonsten rechnet er Bottas und Hamilton nur schlechte Chancen aus, endlich den ersten Saisonsieg einzufahren. Und selbst Hamilton selber ist wenig optimistisch, wenn er auf den morgigen Tag blickt. Für ein Überholmanöver sei Ferrari (auch dank eines vermeintlichen Leistungssprunges bei den Motoren) auf den Geraden zu schnell, und ob man überhaupt mit der Scuderia mithalten kann, werde man sehen.

Seine Antwort klingt fast schon nach Resignation: "Wir waren heute eine halbe Sekunde langsamer. Im vergangenen Rennen waren wir schneller als sie, trotzdem konnten sie vorne bleiben", so der Brite. Er fürchtet: "Das werden sie vermutlich auch morgen tun."

Und auch die Verantwortlichen schieben den Favoritenstatus zu den Roten: "Es ist wirklich so, dass die Ferrari im Moment einfach besser sind", sagt Lauda. "Das ist der klare Eindruck von hier." Dass es aber gleich mehr als eine halbe Sekunde ist, das hätte man auch im Lager von Mercedes nicht erwartet.

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