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Grand Prix von Spanien

Mercedes dominiert das Qualifying

Lewis Hamilton gewinnt das Qualifying mit einem offiziellen Streckenrekord hauchdünn vor seinem Teamkollegen Bottas und Vettel.

Nach drei Ferrari-Poles hintereinander hat das Mercedes-Team beim Europa-Auftakt der Formel 1 in Barcelona zurückgeschlagen und die erste Startreihe erobert. Lewis Hamilton gewann das Qualifying zum Grand Prix von Spanien mit einem neuen offiziellen Streckenrekord von 1:16.173 Minuten hauchdünn vor Teamkollege Valtteri Bottas (+0,040) und Sebastian Vettel (Ferrari/+0,132).

Im Q3-Showdown war es auch ein Reifenpoker, der eine entscheidende Rolle spielte. Während das Mercedes-Duo beide Runs auf den vermeintlich schnelleren Supersofts absolvierte, setzten die beiden Ferraris zuerst auf Supersoft und dann auf den etwas härteren Soft, der sein Potenzial für eine schnelle Runde schon in Q2 angedeutet hatte.

Dass der Poker aufgehen könnte, deutete Daniel Ricciardo an, der als Erster auf Soft wechselte. Der Red-Bull-Pilot verlor im ersten Sektor zu viel, fuhr aber im dritten Sektor absolute Bestzeit. Vettel machte es besser: "Im ersten Run habe ich mich in Kurve 1 leicht verbremst, daher war der erste Sektor zu langsam. Und ich fühlte mich mit dem Reifen nicht ganz wohl", berichtet er.

Der zweite Run auf Soft brachte ihn aber auf Platz drei, 0,092 Sekunden hinter Bottas und 0,307 Sekunden vor Teamkollege Kimi Räikkönen. Der wechselte ebenfalls auf Soft und verbesserte sich noch vom sechsten auf den vierten Platz.

Auch Räikkönen hatte seinen ersten Run mit einem Fahrfehler im ersten Sektor weggeschmissen. Vom idealen Qualifying sei das "gar nicht so weit weg" gewesen, knurrt der "Iceman" in einer ersten Reaktion - und sagt: "Mercedes ist einfach schneller."

"Die Ferraris", analysiert Mercedes-Sportchef Toto Wolff, "sind nach dem letzten Freien Training stark zurückgekommen." Da hatten sie nämlich noch drei Zehntelsekunden Rückstand auf die Hamilton-Bestzeit. Niki Lauda jubelt: "Wir sind zurück!" Für Mercedes ist es die erste Pole-Position seit Hamiltons Wunder-Runde beim Saisonauftakt in Melbourne.

Ricciardo wegen Rückstand desillusioniert

Red Bull hatte sich nach den starken Freitags-Longruns viel ausgerechnet. Die dritte Startreihe mit mehr als sechs Zehntelsekunden Rückstand empfindet Ricciardo aber als "ein bisschen entmutigend, denn ich weiß nicht, was ich noch hätte rausholen sollen. Der Abstand ist einfach zu groß."

Verstappen schiebt indes die üblichen Argumente vor: "Das Qualifying war nicht schlecht. Aber in Q3 haben wir halt nicht die Power-Modes und die Extra-PS." Genau das, was Helmut Marko gebetsmühlenartig predigt ...

In Q2 hatte sich Red Bull noch auf Reifenspielchen eingelassen. Zuerst fuhren alle Topteams ihre Bestzeiten auf Soft. Dann gingen Hamilton und die Red Bulls auf Supersoft noch einmal raus - brachen aber nach teilweise guten Zwischenzeiten ab. Auf Supersoft starten zu müssen, wäre kein Vorteil: "Die zerbröseln im Rennen", glaubt Verstappen.

Selbst auf eine Runde überhitzte der Supersoft bei manchen. Wolff sucht nach Erklärungen: "Der Soft ist wahrscheinlich einen Tick schneller. Man hat das bei Sebastian am Ende gesehen, auch wenn es gegen jede Logik ist. Aber da muss man ein bisschen experimentieren. Und das haben die Ferraris heute gemacht."

Der Abstand von P6 (Ricciardo) auf P7 (Kevin Magnussen) betrug diesmal 0,8 Sekunden. Das Haas-Team sicherte sich die vierte Startreihe, unmittelbar vor Lokalmatador Fernando Alonso (+1,548). "Der Wermutstropfen ist sicher der Zeitrückstand", sagt der McLaren-Star, der sich für das Rennen dank Aero-Update erneut Chancen auf ein gutes Ergebnis ausrechnet.

Scharfe Kritik von Williams-Berater Wurz

Die letzten beiden Plätze belegte - nach den Freien Trainings nicht unerwartet - das Williams-Team. Selbst von Williams-Berater Alexander Wurz wurde das Fahrverhalten des Autos im Live-Kommentar des 'ORF' als "grauslich" und "schiach" beschrieben. Am Ende flog Lance Stroll dann auch noch ab.

"Wir nehmen uns den Abtrieb am Diffusor, also am Unterboden, weg", erklärt Wurz. "Dieses Problem hatten wir schon ein bisschen im Vorjahr, aber da war es nur störend. Jetzt ist es im Grunde ein Strömungsabriss. Da verlieren wir so viel Grip, und dann hat der Fahrer überhaupt kein Vertrauen in das Auto. Das ist unser Problem."

Dass Brendon Hartley (Toro Rosso) ausscheiden würde, war hingegen klar: Sein Auto konnte nach dem Crash im Abschlusstraining nicht rechtzeitig repariert werden. Und auch Marcus Ericssons (17./Sauber) vorzeitiger K. o. war keine große Überraschung.

Aber dass es Nico Hülkenberg schon in Q1 erwischen würde, das war trotz mäßiger Trainingsergebnisse enttäuschend. Nachdem er eine schnelle Runde mit Problemen hatte abbrechen müssen, schob er sich kurzzeitig wieder auf P14 - nur um von Stoffel Vandoorne (11./McLaren) den Todesstoß versetzt zu bekommen. Am Ende fehlten 0,038 Sekunden.

Hülkenberg wegen Defekt früh ausgeschieden

Und Benzindruck: "Im Qualifying hast du wenig Benzin im Tank", seufzt Hülkenberg, "aber das Problem hatten wir trotzdem noch nie." Dabei war das Vormittagstraining mit dem neuen Frontflügel noch zufriedenstellend verlaufen - auch wenn von Anfang an klar war, dass der Circuit de Barcelona-Catalunya keine Strecke für den Renault ist.

Teamkollege Carlos Sainz, der zweite Lokalmatador im Feld, wurde Zehnter. Pierre Gasly (Toro Rosso) landete auf Platz zwölf, vor Charles Leclerc, der im Sauber eine weitere Talentprobe abgab. Und die beiden Force Indias schafften mit dem Q2-Einzug auf P14/15 nur das Minimalziel.

"Die haben ähnliche Probleme wie Williams", analysiert Experte Wurz. "In diesen mittelschnellen Kurven funktioniert die Aerodynamik nicht optimal. Das hat man beim Wintertest schon gesehen, aber natürlich nicht in diesem Ausmaß. Und es ist nicht so dramatisch schlecht wie bei Williams ..."

Der Grand Prix von Spanien wird um 15:10 Uhr deutscher Zeit gestartet. Wer ihn beim neuen Streamingdienst 'F1 TV Pro' verfolgen möchte wird enttäuscht sein: Die Kollegen haben ihr kostenpflichtiges Problem noch nicht im Griff und ernten dafür einen Shitstorm.

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