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Grand Prix von Russland

Motorwechsel: Siegchance verzockt?

Red Bull glaubte, in Sotschi keine Chance zu haben und handelte sich Strafen ein, war im Training aber schneller als Ferrari - Nach Q1 ist wohl Feierabend.

Die Red-Bull-Mannschaft könnte die Chance auf einen Rennsieg beim Russland-Grand-Prix verschenkt haben. Wie die Freien Trainings am Freitag in Sotschi zeigten, sind Max Verstappen und Daniel Ricciardo konkurrenzfähiger als gedacht - müssen aber aufgrund eines taktischen Antriebswechsels im Vorfeld vom Ende der Startaufstellung aus losfahren.

Da die Rochade hin zu einer älteren Version mit Blick auf die in Höhenlage stattfindenden Rennen in den USA und in Mexiko (die der aktuell verbaute C-Spec-Motor nicht durchstehen würde) vorgenommen wurde, hätte Red Bull auch in Japan in den sauren Apfel beißen können. Allerdings sind die Verantwortlichen wohl davon ausgegangen, in Suzuka die besseren Karten zu haben.

Bei Verstappen überwog nach Rang drei in der Tageswertung - mit 0,442 Sekunden Rückstand auf Lewis Hamilton - dennoch die Freude: "Unser Auto hat prima funktioniert", findet er. "Knifflig sind nur die Reifen." Ricciardo, der wegen Rauchentwicklung am RB14 am Vormittag zur Überprüfung des Getriebes lange aussetzen musste, war als Vierter (+0,452 Sekunden) kaum langsamer.

Dass Red Bull auf der eigentlich ungeliebten Bahn in Sotschi schneller ist als Ferrari und die Strafen zum unglücklichsten Zeitpunkt kassiert hätte, will der Australier (noch) nicht glauben: "Hängt davon ab, wie das Tempo am Ende aussieht", sagt er und spielt darauf an, dass Mercedes und die Scuderia ihre Antriebe für das Qualifying in spezielle Modi versetzen und stärker auftreten könnten.

Verstappen ist sicher, dass es so kommt: "In Q3 hätten wir sowieso keine Chance, wenn sie erstmal die Motoren aufgedreht haben", sagt er. "Es ist aber gut, dass wir zumindest mit bei der Musik sind. Wenn uns schon eine halbe Sekunde fehlen würde, müssten wir mehr Hausaufgaben erledigen."

Anzunehmen ist, dass Red Bull am Samstagvormittag fast nur Longruns probt, dann lediglich im ersten Qualifying-Abschnitt auf die Bahn geht und Feierabend macht. Reifen sparen und Material schonen, so lautet die Devise. Von hinten losfahren müssen Verstappen und Ricciardo sowieso.

Verstappen macht keinen Hehl daraus, dass er sich ein anderes Programm gewünscht hätte: "Ich freue mich auf Sonntag. Morgen wird nicht der spannendste Tag, aber wir müssen das Auto für das Rennen verbessern, das zählt." Dazu geht es darum, die richtige Taktik zu sondieren. Da Red Bull bei einem Q2-Verzicht am Rennstart freie Reifenwahl genießt, sind viele Varianten möglich.

Es gibt mehr Verschleiß als erwartet, was den Österreichern gelegen kommt. So lässt sich über die Strategie vielleicht etwas bewerkstelligen. Geht Red Bull die Angelegenheit konservativ an, sind ein Start auf Soft und ein langer erster Stint das Mittel der Wahl. Progressiver wäre eine Taktik mit einer der weicheren Mischungen am Beginn. "Auf den Longruns sind wir extra in den Verkehr gefahren, um herauszubekommen, wie sich das Rennen anfühlen könnte. Überholen ist nicht einfach, aber irgendwie haben wir es hinbekommen", sagt Ricciardo. Spricht für die zweite Variante.

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