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Grand Prix der USA

Hamilton dominiert Trainings

Auch beim letzten Grand Prix der Saison dominiert Lewis Hamilton im Mercedes das Geschehen.

Lewis Hamilton (Mercedes) muss nur Achter werden, um beim Grand Prix der USA den WM-Titel 2019 endgültig zu fixieren. Aber darauf will er es nicht ankommen lassen: Mit einer souveränen Bestzeit im Freitagstraining in Austin unterstrich er, dass er am Sonntag am liebsten mit einem Sieg endgültig den Deckel draufmachen möchte.

Hamilton, der am Freitagmorgen viel Zeit damit verbracht hatte, einen Pirelli-Prototypen für 2020 zu testen, steigerte sich am Nachmittag deutlich. Letztendlich umrundete er den Circuit of The Americas in 1:33.232 Minuten und verwies Charles Leclerc (Ferrari) und Max Verstappen (Red Bull) um 0,301 beziehungsweise 0,315 Sekunden auf die Plätze.

Mercedes-Teamchef Toto Wolff war schon nach FT1 klar, dass die Positionen 8/17 nicht aussagekräftig waren: "Wir haben in der Früh den neuen Reifen getestet. Außerdem war es kalt und nicht repräsentativ", sagt er gegenüber 'n-tv'. Trotzdem geht er davon aus, dass Austin "nicht einfach" wird: "Die sind schon wirklich stark hier", zeigt er Respekt vor Ferrari und Red Bull.

Während Valtteri Bottas (5.) in der Diskussion mit seinem Renningenieur keine Antwort darauf fand, wie ihm Hamilton 0,813 Sekunden abnehmen konnte (Vermutung: zu wenig Motorleistung auf den Geraden), zeigte sich Hamilton auch bei den abschließenden Longruns in WM-Form. Je länger die Runs dauerten, desto größer wurde sein Vorsprung auf die Ferrari-Zeiten.

"Mercedes sieht sehr stark aus, besonders Hamilton", analysiert 'Sky'-Experte Paul di Resta. "Vettel hat seinen Qualifying-Run sicher nicht optimiert. Und Max ist auch mit dabei. Ich glaube, dass Ferrari ein Wörtchen um die Pole mitreden wird, wenn sie in Q3 den Motor aufdrehen."

Bei Ferrari wiederum verlor Leclerc heute Morgen wegen eines Problems mit dem Gaspedal etwas Trainingszeit - eine Folge der in diesem Jahr extremen Bodenwellen, besonders vor der ersten und neunten Kurve. "Jetzt schon zu sagen, dass sich das dieses Wochenende nicht auf die Zuverlässigkeit auswirken wird, finde ich mutig", sagt Ferrari-Teamchef Mattia Binotto.

Hamilton nickt: "Ich habe dermaßen Kopfweh! Die Bodenwellen an sich sind nicht schlimm. Das verleiht einer Strecke Charakter. Aber das hier ist extrem. Mein Problem ist, dass unsere Radaufhängung nicht viel Spiel hat. Wenn die Bodenwellen auf den Unterboden schlagen, geht das direkt in die Wirbelsäule. Ich hatte nach dem ersten Training echt Kopfweh und musste mich hinlegen."

Außergewöhnlich waren am ersten Trainingstag die fröstelnden Temperaturen von morgens nur neun, später dann immerhin bis zu 16 Grad. Trotzdem klagten die Teams kaum über Graining. "Der Asphalt ist hier viel rauer als in Mexiko", klärt Pirelli-Sportchef Mario Isola auf. "Ich glaube, dass wir deswegen weniger Graining sehen."

Trotzdem: Mercedes und Red Bull scheinen die Reifen im Renntrimm weniger schnell zu verschleißen als Sebastian Vettel. Letzterer belegte im zweiten Freien Training mit 0,658 Sekunden Rückstand den vierten Platz, vor Bottas und Alexander Albon (Red Bull/+1,202). Bei den Longruns fuhr er ein anderes Programm als Leclerc, wechselte früh auf den Hard.

Weil dieser am langsamsten auf Temperatur kommt, drehte sich Vettel auf seinem Longrun im Infield. "Das war eine klassische Power-Oversteer-Geschichte mitten in der Kurve. Da muss er mit dem Gaspedal vorsichtiger umgehen", analysiert 'n-tv'-Experte Christian Danner.

"Uns fehlt noch eine ganze Stange", sagt Vettel. "Ich glaube, wir rutschen noch ein bisschen zu sehr. Auf eine Runde sollten wir dabei sein, wenn wir alles hinbekommen. Da bin ich eigentlich recht optimistisch. Was den Renntrimm angeht, ich glaube, da waren wir noch ein bisschen weiter zurück. Das erste Gefühl im Auto war ganz gut. Dann haben wir es ein bisschen verpasst, uns zu steigern."

Vettel war mit seinem Dreher aber in guter Gesellschaft: Nach dem Crash von Romain Grosjean (18./Haas) schon nach zehn Minuten musste die Session sogar unterbrochen werden. Und dutzende Rundenzeiten wurden wegen Ignorierens der "Track-Limits" in der vorletzten Kurve gestrichen.

Zum Beispiel jene von Albon, der eine zweite schnelle Runde nachlegen musste, um seinen sechsten Platz vor Pierre Gasly (Toro Rosso) und Carlos Sainz (McLaren) abzusichern. Ebenfalls in den Top 10: Lance Stroll (Racing Point) und Antonio Giovinazzi (Alfa Romeo). Nico Hülkenberg (Hydraulikproblem am Vormittag) wurde mit seinem Renault 13. Rückstand: 1,756 Sekunden.

Übrigens: Hamilton weiß bei der möglichen WM-Entscheidung wieder seinen Stamm-Renningenieur Peter Bonnington am Kommandostand. Bonnington hatte Mexiko krankheitsbedingt ausgelassen. Zwischen den beiden gab's ein Missverständnis, als der Ingenieur den Fahrer auf einer schnellen Runde anfunkte. "Sorry! Ich dachte, du hättest abgebrochen", entschuldigte sich Bonnington.

Weil Hamiltons Longrun-Dominanz auf dem Hard-Reifen (der im Rennen ohnehin eher keine Rolle spielen wird) genauso ausgeprägt war wie auf dem Soft, gilt der fünfmalige Austin-Sieger jetzt als Favorit auf seinen sechsten Triumph beim Grand Prix der USA. Zumal er seinen WM-Titel dieses Jahr unbedingt auf dem Podium feiern möchte ...

Für Experte Danner waren die drei Topteams am ersten Tag "alle ungefähr gleich schnell - aber mit einem Hamilton, der im Vergleich zu den letzten Grands Prix nicht nur wesentlich entschlossener ist, sondern auch ein schnelleres Paket hat. Das passt für Mercedes besser. So, wie es in Mexiko war, dass Mercedes ein bisschen hinterhergefahren ist, das ist hier nicht zu sehen."

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