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Grand Prix von Australien

Binotto: Teamorder leichte Entscheidung

Kaum angekündigt musste Ferrari schon in Melbourne auf Stallorder setzen, um seinen Titelfavoriten vor Charles Leclerc zu schützen.

Ferrari hatte bereits vor Saisonbeginn angekündigt, dass Sebastian Vettel im Jahr 2019 zunächst Priorität gegenüber Neuzugang Charles Leclerc genießen würde; ein Dekret, das anders als 2018 bereits im ersten Rennen in Melbourne angewendet wurde, denn als Leclerc gegen Ende des Auftakts der schnellere der beiden Teamkollegen war, wurde er vom Kommandostand zurückgepfiffen.

"Soll ich hinter Sebastian bleiben?", erkundigte er sich abseits der TV-Übertragung am Funk und bekam als Antwort: "Ja, und lass dich ein bisschen zurückfallen." Der 21jährige nahm das mit einem knappen "Okay" relativ gelassen zur Kenntnis und blieb auch nach dem Rennen cool. "Er verhält sich wie ein Teamplayer", lobte ihn Teamchef Mattia Binotto.

Die Frage pro oder contra Teamorder, sagte Binotto, sei in Wahrheit gar keine schwierige Entscheidung gewesen: "Sebastian hatte wenig Grip und ging nicht volles Tempo, brachte nur das Auto nach Hause. Charles hatte einen tollen zweiten Stint, aber zehn Runden vor Schluss gab es keinen Grund dafür, irgendein Risiko einzugehen. Es ging ja nicht um den Sieg. Für uns hatte Priorität, das Auto nach Hause zu bringen und die Punkte zu holen."

Generell dürfte sich Ferrari für den Saisonbeginn eine konservative Herangehensweise auferlegt haben, denn auch die Chance, im Finish einen Boxenstopp einzulegen, um noch den neuen Bonuspunkt für die schnellste Runde abzustauben, ließ man sich entgehen. Ähnlich wie Mercedes hatte man vorab entschieden, für einen einzelnen Zähler nicht das Risiko eines missglückten Reifenwechsels einzugehen.

Für die Zuschauer sah es so aus, als sei Leclerc in Melbourne der deutlich schnellere Fahrer gewesen. Kritik wurde laut, Ferrari habe sich auf Vettel festlegt, obwohl Leclerc ihn vermutlich überholen hätte können; Erinnerungen an eine unselige Teamära, als klar definierte Nummer-2-Fahrer wie Rubens Barrichello und Felipe Massa einen anderen Deutschen sogar vorbeiwinken mussten, wurden wach.

Tatsache ist allerdings, dass Vettel im Qualifying um drei Zehntelsekunden schneller war als Leclerc. Er konnte im ersten Stint bei gleichen Bedingungen ein höheres Tempo aschlagen; erst in der Schlussphase, als Leclerc die frischeren Reifen hatte und Vettel seine schonen musste, schrumpfte der Abstand zwischen den beiden. Leclerc hätte zweifellos angreifen können, doch Vettel fuhr zu diesem Zeitpunkt nicht mehr am Limit.

Aus Ferrari-Sicht hätte es offenbar keinen Sinn ergeben, Vettel wegen des eigenen Teamkollegen zu zwingen, auf abgenutzten Reifen 22 Punkte zu riskieren. "Der ganze zweite Stint auf den 'Mediums' war nicht so stark. Ich weiß nicht genau warum", erklärte Vettel. "Im ersten Stint war ich zufrieden, im zweiten nicht. Es war bei mir genau andersrum als bei Charles."

Der Monegasse tat sich bis zum ersten Boxenstopp schwer: "Der 'Soft' war nicht konstant. Die Balance war nicht gut. Es herrschte aber auch noch mehr Wind, vielleicht lag es daran. Der zweite Stint war dann viel besser, die Balance war berechenbarer, und ich habe mich im Auto wohler gefühlt. Wir müssen uns die Daten genauer anschauen, um das zu verstehen."

Von Teamchef Mattia Binotto gab es nach dem ersten Wochenende – trotz einiger kleiner Fehler wie eines Ausritts im Rennen – nur Lob für Leclerc: "Er hat sich sehr gut ins Team eingefügt und tut sein Bestes, sich einzubringen und die Ingenieure zu motivieren, damit sie ihm ein noch besseres Auto geben."

"Sein erstes Wochenende", lobte ihn Binotto, "war ein starkes. Sein Qualifying war nicht perfekt, das weiß er, aber im Q1 und im Q2 ist er gut gefahren, nur Q3 war vielleicht nicht ganz perfekt. Insgesamt war es ein gutes Wochenende. Sein zweiter Stint im Rennen war auch sehr gut. Ich bin zufrieden damit, wie er an das erste Rennen herangegangen ist. Das ist eine gute Basis."

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