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Grand Prix von Australien

Rennleiter Charlie Whiting verstorben

Charlie Whiting ist in Melbourne überraschend verstorben; beim Saisonauftakt übernimmt Michael Masi die Funktion als FIA-Rennleiter.

Die Formel-1-WM trägt beim Saisonauftakt im australischen Melbourne Trauer, denn einen Tag vor Trainingsbeginn im Albert Park ist der langjährige FIA-Rennleiter Charlie Whiting überraschend verstorben, wie der Automobilweltverband bestätigte. Der Brite starb offenbar über Nacht in seinem Hotelzimmer und wurde am Donnerstag Morgen (Ortszeit) tot aufgefunden. Todesursache war eine Lungenembolie.

"Ich habe mit großer Trauer von Charlies Tod erfahren", erklärte FIA-Präsident Jean Todt. "Ich kenne Charlie seit vielen Jahren. Er war ein großartiger Rennleiter, eine zentrale und unnachahmliche Figur in der Formel 1, die die Moral und den Geist dieses fantastischen Sports verkörpert hat. Die Formel 1 hat mit ihm einen treuen Freund und charismatischen Botschafter verloren. Meine Gedanken, die der FIA und der gesamten Motorsportgemeinde sind in diesen schweren Stunden bei seiner Familie, seinen Freunden und allen Fans."

Whiting wurde 66 Jahre alt und hinterlässt seine zweite Ehefrau Juliette und die Kinder Justin (11) und Charlotte (8). Er spielte gern Golf und hatte ein Faible für guten Rotwein. Seine Laufbahn in der Formel-1-WM begann 1977 beim Hesketh-Team, dann wechselte er unter Teamchef Bernie Ecclestone, der ein langjähriger Wegbegleiter werden sollte, zu Brabham. Nach dessen Aus 1988 stieß er zur FIA, wo er 1997 den verantwortungsvollen Posten des Rennleiters an Grand-Prix-Wochenenden übernahm.

Außerdem war er als technischer Delegierter der Formel-1-WM seit Jahren eine zentrale Figur bei regulativen Prozessen und vor allem beim Überwachen der Einhaltung der Regeln. Niemand wusste wohl so viel über die Technik der verschiedenen Formel-1-Boliden wie er. Wenn ein Rennstall eine Innovation im Graubereich des Reglements entwickelt hatte, war es Whiting, der seine Einschätzung abgab, ob etwas legal war oder nicht.

Dieses Insiderwissen wollte sich schon in den 90er Jahren der damalige Benetton-Teamchef Flavio Briatore sichern, der Whiting ein millionenschweres Angebot unterbreitete; die beiden waren sich schnell einig, doch als McLaren-Boss Ron Dennis davon Wind bekam, lief er dagegen Sturm. Die FIA stoppte den Wechsel, indem Whiting mit einer stattlichen Gehaltserhöhung langfristig an den Verband gebunden wurde.

Ende 2016 lief sein Vertrag aus, und Gerüchten zufolge wollte Präsident Todt diesen aufgrund der hohen Personalkosten nicht mehr verlängern; letztlich einigte man sich aber doch. Marcin Budkowski und Laurent Mekies, die als Nachfolger Whitings vorgesehen waren, sind inzwischen nicht mehr bei der FIA: Budkowski arbeitet für Renault, Mekies für Ferrari.

Für den Grand Prix von Australien hat die FIA inzwischen einen neuen Renndirektor nominiert: Whitings Aufgaben übernimmt in Melbourne zunächst Michael Masi, der somit unter anderem das Rennen starten und beenden, über Safety-Car-Phasen entscheiden und sicherheitsrelevante Entscheidungen treffen wird, was zum Beispiel allfälig notwendige Anpassungen der Strecke betrifft.

Im Fahrerlager ist die Trauer über Whitings Tod groß. "Ich kannte Charlie mein ganzes Motorsportleben lang", sagte etwa Ross Brawn, heute Sportdirektor der Formel-1-WM. "Wir haben als Mechaniker zusammengearbeitet, wurden Freunde und haben auf Rennstrecken weltweit viel Zeit miteinander verbracht." Er sei am Boden zerstört und spricht von einem großen Verlust, nicht nur auf persönlicher Ebene.

Günther Steiner erklärte, dass es das Haas-Team ohne die Ratschläge Whitings nicht geben würde. Er konnte die Nachricht gar nicht glauben, als er sie erhielt. Für Christian Horner war Whiting Schiedsrichter und Stimme der Vernunft der Formel-1-WM: "Ein Mann mit größter Integrität, der eine schwierige Aufgabe sehr ausgewogen ausgeübt hat – und im Herzen war Charlie immer ein Rennfahrer."

Auch Mercedes-Teamchef Toto Wolff schloss sich den Kondolenzbekundungen an: "Charlie war ein Eckpfeiler unserer Formel-1-Familie – ausgewogen in seiner Herangehensweise, raffiniert in seinem Verständnis der Dinge und immer mit den Interessen der Formel 1 im Herzen. Er war ein fantastischer Botschafter unseres Sports und ein Behüter seiner Interessen. Jeder, der das Glück hatte, ihn zu kennen, wird sein Lächeln und seinen Sinn für Humor vermissen."

"Charlie war ein Vollprofi", sagte Ferrari-Teamchef Mattia Binotto. "Er hatte extrem viel Wissen, war aber darüber hinaus auch ein wunderbarer Mensch, der jeden immer mit Respekt behandelt hat. Als rastloser und aufgeklärter Motorsportexperte hatte er maßgeblichen Anteil daran, dass die Formel 1 sicherer und besser geworden ist. Wir haben einen Freund verloren und werden ihn sehr vermissen."

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Whiting-Nachfolger Masi Whiting-Nachfolger Masi Raikonnen gelassen Raikonnen gelassen

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