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Grand Prix von Brasilien

Verstappen gewinnt in Sao Paulo

Max Verstappen hat den chaotischen GP von Brasilien für sich entschieden; Vettel und Leclerc eliminieren sich gegenseitig.

Elf Jahre nach dem verrückten Last-Minute-Drama 2008 hat es beim Grand Prix von Brasilien in Sao Paulo wieder ein komplett irres Finish gegeben. Zwar ging's diesmal nicht um den WM-Titel. Aber was sich in den letzten Runden abspielte, wäre als Stoff reif für eine Hollywood-Verfilmung - mit einem würdigen Sieger: Max Verstappen feierte in Interlagos einen seiner besten Siege.

Gleich zweimal fightete der Red-Bull-Pilot Lewis Hamilton (Mercedes) nieder, und das geht ein Jahr nach der denkwürdigen Kollision mit Esteban Ocon runter wie Öl: "Max ist ein brillantes Rennen gefahren", jubelt Red-Bull-Teamchef Christian Horner. "War immer dann schnell, wenn er schnell sein musste. Und hat Lewis zweimal überholt. Das ist die Wiedergutmachung für letztes Jahr!"

Aber das elektrisierende Duell der beiden Superstars der Formel 1 ging im Finish im Drama rundherum beinahe unter. In der 52. Runde rollte Valtteri Bottas (Mercedes) mit Motorschaden aus. Als das Safety-Car deswegen auf die Strecke kam, fuhr Verstappen in Führung liegend an die Box und wechselte von Medium auf Soft - während Hamilton draußen blieb und die Führung erbte.

In der 60. Runde wurde wieder freigegeben, und Hamilton unternahm alles, um nicht ein zweites Mal von Verstappen überholt zu werden. Vergebens: Hamilton bremste zwar auf der allerletzten Rille ins Senna-S hinein, aber mit dem Vorteil der frischeren Reifen konnte Verstappen noch später bremsen - und die Führung ein zweites Mal zurückerobern.

Hinter den beiden hatte Alexander Albon (Red Bull) mit einem extrem couragierten Manöver Sebastian Vettel (Ferrari) überholt. Als dann die Ferraris kollidierten - dazu später mehr -, entschied Hamilton sich, "all in" zu gehen: Anstatt den sicheren zweiten Platz abzuholen, kam er für neue Reifen an die Box, um nach dem Safety-Car-Re-Start mit frischen Reifen auf Sieg zu fahren.

Zwei Runden vor Schluss wurde das Rennen wieder freigegeben, und gleich im Senna-S schnupfte Hamilton den Toro Rosso von Pierre Gasly. Im Infield wollte er auch an Albon vorbei, der innen eine Lücke ließ - aber das ging schief.

Hamilton nimmt den Crash auf seine Kappe: "Ich entschuldige mich bei Albon. Ich habe was versucht, was ich nicht hätte versuchen sollen." Sahen die FIA-Rennkommissare genauso, brummten ihm fünf Sekunden Strafe auf und nahmen ihm so (erst nach der Siegerehrung) den Podestplatz weg.

Albon fiel auf den 14. Platz zurück, Gasly erbte Platz zwei (der ihn völlig zum Ausrasten brachte) - und Hamilton kam als Dritter ins Ziel. Mit einem kaputten Frontflügel hätte er Gasly in der letzten Runde beinahe noch gekriegt. Den Unterschied im Beschleunigungsduell auf den letzten Metern (0,062 Sekunden) machte in der Höhenluft von Sao Paulo der Honda-Turbo.

Hamilton hatte zunächst einen guten Start erwischt, Vettel (Wheelspin) überholt und sich in Verstappens Windschatten gehängt. Beim ersten Boxenstopp versuchte er es mit dem Undercut - und ging zunächst tatsächlich an Verstappen vorbei. Auch, weil der in der Box von Robert Kubica (fünf Sekunden Strafe wegen unsicherer Freigabe) aufgehalten wurde.

Mit Wut im Bauch und einer gesunden Portion Mut bremste sich Verstappen im Senna-S an Hamilton vorbei - was dieser nicht fassen konnte. In den nächsten Runden schimpfte Hamilton am Funk wie ein Rohrspatz über alles Mögliche: eine angeblich leere Batterie, einen kaputten Motor, einen schlechten Reifensatz, den Wind, unterschiedliche Bremsentemperaturen und ein zu langsames Safety-Car.

Aber die kontroverseste Szene des Rennens war der Crash zwischen den beiden Ferrari-Stars. Charles Leclerc überraschte Vettel im Senna-S mit einem spät losgetretenen Mega-Manöver. Doch auf der Gegengerade zog Vettel aus dem Windschatten heraus vorbei, lenkte etwas nach links - und damit direkt in Leclerc hinein. Das bedeutete für beide Rennende wegen Reifenschaden!

Die Reaktionen am Boxenfunk waren eindeutig. Vettel, der minutenlang neben der Strecke stehenblieb und ins Leere starrte, sah die Schuld bei Leclerc: "Mein Gott, muss das sein? So ein Bockmist!" Und Leclerc plärrte seinen Renningenieur an: "Was zur Hölle!"

Nach einer Kopfwäsche bei Teamchef Mattia Binotto ("Habe ihnen gesagt, dass sie ihre Urteile nicht jetzt fällen sollen") klangen sowohl Vettel als auch Leclerc besonnen: "Ich bin mir sicher, dass wir erwachsen genug sind, um das hinter uns zu lassen", grummelt der junge Monegasse, und Vettel meint achselzuckend: "Blöd fürs Team."

Wegen Hamiltons Strafe rückte Carlos Sainz (McLaren), der vom letzten Platz gestartet war, auf den dritten Platz auf. Vierter wurde Kimi Räikkönen (Alfa Romeo) vor seinem Teamkollegen Antonio Giovinazzi und Daniel Ricciardo (Renault). Letzterer hatte zuvor schon eine Strafe kassiert, wegen einer Kollision mit Kevin Magnussen (Haas).

Nico Hülkenberg (Renault) konnte im Rennen keine Akzente setzen und wurde am Ende 15 (inklusive Fünf-Sekunden-Strafe wegen Überholens unter Gelb). Und aus noch einem Grund ist Brasilien 2019 aus deutscher Sicht ein schlechter Tag: Sebastian Vettel kann dieses Jahr nicht mehr WM-Dritter werden ...

3. Freies Training 3. Freies Training Hamilton nimmt Schuld auf sich Hamilton nimmt Schuld auf sich

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