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Grand Prix von Japan

Ferrari-Debakel im Qualifying

Während Ferrari ein wahres Debakel erlebt, schnappen sich Lewis Hamilton und Mercedes die nächste Pole-Position.

"That's what I'm talkin' about": So emotional hat man Lewis Hamilton nach einer Pole-Position schon lange nicht mehr erlebt! Der Mercedes-Superstar stellte in einem spannenden Qualifying zum Grand Prix von Monaco in Monte Carlo einen neuen Streckenrekord auf (1:10.166 Minuten) und setzte sich knapp gegen seinen Teamkollegen Valtteri Bottas durch.

Letztendlich war es ein Mercedes-Duell um die Pole-Position, denn Ferrari hatte sich schon vor der Entscheidung selbst eliminiert. Charles Leclerc, der Schnellste des Abschlusstrainings, schied in Q1 aus. Und Sebastian Vettel war im entscheidenden Moment nicht voll da - vielleicht Nachwehen seines Unfalls in Sainte Devote zu Mittag.

Dabei hatte es zunächst nicht nach einer erneuten Mercedes-Dominanz ausgesehen. "Wir hatten Schwierigkeiten damit, die Reifen richtig aufzuwärmen", räumt Teamchef Toto Wolff ein. "Wir haben überlegt, eine zweite Aufwärmrunde zu fahren." Im Nachhinein sei man "umso glücklicher" - kein Wunder, bei einer halben Sekunde Vorsprung auf den ersten Verfolger.

Dass letztendlich Hamilton und nicht Bottas auf Pole fuhr, war eine Entscheidung um 0,086 Sekunden. Zunächst hatte Bottas 1:10.252 Minuten vorgelegt. Hamiltons erste Runde war nicht fehlerfrei. Aber dann konterte der Brite, obwohl er "aus der letzten Kurve raus ein bisschen was verloren" hatte. Plötzlich lag der Druck beim Finnen.

Dem hätte er vielleicht standgehalten. Aber wie so oft in einem Monaco-Qualifying wurde er ein Opfer des Verkehrs: "Nach der ersten Runde", berichtet er, "sah ich noch ein paar Möglichkeiten, mich zu verbessern. Aber dann hatte ich Verkehr und konnte die Reifen nicht optimal aufwärmen für meine fliegende Runde." Die brach Bottas nach schlechten Zwischenzeiten ab.

Da stand schon fest, dass Mercedes zum 62. Mal auf Doppel-Pole landen würde - in der ewigen Bestenliste jetzt ex aequo mit Ferrari, Williams und McLaren! Denn Vettel konnte sich vom vierten Platz nach der ersten Runde nicht verbessern: "Tut mir leid, ich habe alles gegeben", funkte er ans Team. "Ich hab's in Kurve 12 verloren."

Der Mauerkuss bei Tabak war nicht sein erster Schnitzer des Tages. Alles begann mit dem Crash in FT3, als er in Sainte Devote den Frontflügel verschrottete und damit jene VSC-Phase auslöste, die Leclerc eine Verwarnung einbrachte. In Q1 hatte er dann schon einmal Glück, als er am Schwimmbad die Leitplanken streifte.

Für Vettel wurde Q1 regelrecht zum Drama. Weil die Zeiten gegen Ende der Session purzelten, musste er spät ein zweites Mal auf die Strecke - und verbesserte sich in letzter Sekunde vom 17. auf den ersten Platz. Dadurch rutschte aber Leclerc aus den Top 15, den die Ferrari-Ingenieure in Sicherheit gewähnt hatten!

"Eine totale Fehleinschätzung von Ferrari", wundert sich 'ORF'-Experte Alexander Wurz. Leclerc ging erst Chefstratege Jock Clear an, ließ dann in den TV-Interviews seinem Unmut freien Lauf: "Ich habe noch gefragt, ob sie sich wirklich sicher sind. Sie haben gesagt, das sind sie. Ich habe gefragt: 'Sollten wir nicht doch nochmal raus?' Aber sie haben mir keine Antwort gegeben."

Ferrari habe sich "voll verrechnet", meint Wurz: "Das ist auf einer anderen Strecke, wo man überholen kann, vielleicht akzeptabel. Aber nicht in Monaco. Damit haben sie sich total ins Knie geschossen. Wenn die italienischen Medien jetzt nicht aufspringen und ein Köpferollen verlangen, wann dann?"

So war die Bahn frei für Max Verstappen, der P3 belegte. Dabei wäre sogar mehr drin gewesen: "Wir haben insgeheim mit der ersten Reihe gerechnet. Die Bottas-Zeit war im Bereich des Möglichen", glaubt Red-Bull-Motorsportkonsulent Helmut Marko. Teamchef Christian Horner relativiert: "Das wäre eine harte Nuss geworden. So nahe dran zu sein, ist für uns schon ein guter Erfolg."

Tatsache ist, dass Verstappen auf der Out-Lap aufgehalten wurde, weil ihm Daniel Ricciardo (Renault) in die Quere kam. Und genau wie bei Bottas fehlte dann beim Anbremsen von Sainte Devote ein wenig Grip: "Meine Out-Lap war zu langsam. Ich hatte in der ersten Kurve kalte Reifen", seufzt Verstappen.

Vieles deutet jetzt auf den sechsten Mercedes-Doppelsieg im sechsten Saisonrennen hin. Aber: "Monaco ist bis zur letzten Runde nicht entschieden", mahnt Wurz - und Wolff ergänzt: "Das Letzte, was ich gehört habe, ist 60 Prozent Regenwahrscheinlichkeit." Und bei Regen könnte der Grand Prix zum echten Automobil-Roulette werden ...

Bei Ferrari geht indes die Ursachenforschung weiter. Teamchef Mattia Binotto macht Fortschritte damit, die Probleme einzugrenzen. Vettel ortet diese im Bereich der Vorderreifen, weiß aber: "Wir müssen noch tiefer graben. Charles war heute Morgen ganz happy. Manchmal geht das Auto. Aber am Nachmittag war's wieder anders."

Das Rennen in Monte Carlo startet am Sonntag um 15:10 Uhr

Binotto erklärt Debakel Binotto erklärt Debakel Bericht 3. fr. Training Bericht 3. fr. Training

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