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Grand Prix von Monaco

Binotto: „Wir haben einen Fehler gemacht“

Ferrari-Teamchef Mattia Binotto musste bei einer eigens einberufenen PK nach dem Qualifying-Malheur Fehler einräumen.

Ferrari-Teamchef Mattia Binotto hat nach dem verkorksten Monaco-Qualifying zu einer außerordentlichen Pressekonferenz geladen, um Stellung zum frühen Ausscheiden von Charles Leclerc zu beziehen. Der Italiener versucht erst gar nicht, den Fehler der Boxenmauer zu verschleiern. Das Q1-Aus des Monegassen sei das Resultat einer "Fehleinschätzung".

"Das ist für uns kein guter Tag heute", beginnt Binotto. "Wir haben einen Fehler gemacht", gibt der Teamchef gleich zu Beginn zu. Schließlich könne man so den Grund für Leclercs frühes Aus in seinem Heimqualifying erklären.

"Das war eine Fehleinschätzung, eine falsche Evaluierung der Cut-off-Zeit", begründet er das Malheur. Die Cut-off-Zeit sei jene Zeit, so der Italiener, "mit der wir glauben, komfortabel in der nächsten Session zu sein. Die wird anhand echter Rundenzeiten, die wir auf der Strecke sehen könnten, berechnet."

Diese Zeit basiere auf echten Sektorzeiten aller Piloten. "Wenn die Cut-off-Zeit berechnet wird, dann wird darauf noch ein Zeitpolster draufgerechnet. Dieses Polster erlaubt noch einen Spielraum, eine gewisse Unsicherheit, was in den Sessions passieren kann. Heute hat das nicht ausgereicht, oder war sehr klein."

Zwei Gründe führt der neue Teamchef der Scuderia ins Treffen, weshalb man sich so deutlich verrechnet habe. "Zum einen hat sich die Strecke gegen Ende von Q1 signifikant weiterentwickelt. Zweitens haben wir bei unserem Zeitpolster wohl nicht genügend Variabilität einbezogen, die aufgrund des Selbstvertrauens der Fahrer in Monaco entstehen kann."

Die Streckenbedingungen wurden gegen Sessionende immer besser, außerdem konnten die Fahrer sich immer weiter steigern. Leclerc verpasste den Einzug in das Q2 schließlich um 0,052 Sekunden gegenüber Nico Hülkenberg.

Dieses Zeitpolster müsse man in Zukunft in Monaco "zweifellos" erhöhen, betont Binotto. "Hier reicht es nicht aus, eine Cut-off-Zeit zu errechnen und einen Spielraum zu addieren. Unsere Lehre daraus ist, dass dieses Polster in Monaco größer sein muss. So einfach ist das. Das sind Grundlagen."

Man könne nun argumentieren, dass Ferrari ein solcher Fehler nicht passieren dürfe, weiß der Teamchef. Er versucht jedoch, wie schon Sebastian Vettel, das Team in Schutz zu nehmen und erklärt, wie es schließlich überhaupt zu dem Fehler kommen konnte.

"Ich denke, dass wir als Ferrari gerade in einer Situation stecken, in der wir Punkte in der Meisterschaft aufholen müssen. Will man aufholen, dann muss man auch Risiken eingehen. Wären wir auf Nummer sichergegangen, dann hätte das bedeutet, dass wir einen zweiten Reifensatz verwenden, der uns dann für Q2 und Q3 gefehlt hätte", analysiert er ruhig.

"Für uns war heute klar, dass wir Risiko nehmen müssen, um bestmöglich in Q2 und Q3 abzuschneiden, um unsere Hauptkonkurrenz herauszufordern. Ohne Zweifel hat es allerdings größere Auswirkungen, Q2 nicht zu schaffen, als im letzten Teil des Qualis die Konkurrenz herauszufordern."

Allen voran für Leclerc hat die Fehlkalkulation Folgen. Der Monegasse wird bei seinem ersten Heimrennen in Rot nur von Rang 15 starten. "Es ist schade für Charles, ohne Zweifel. Es ist schade für das Team. Aber so wie ich immer sage: Wir verbessern uns und ich bin ziemlich sicher, dass wir in Zukunft stärker sein werden."

Binotto hadert aber auch mit sich selbst. Denn er als Teamchef hätte die Entscheidungen seiner Crewmitglieder überstimmen können. "Haben wir also auf der einen Seite einen Fehler gemacht, indem wir den Abstand falsch eingeschätzt haben, so haben wir diesen Fehler auch nicht revidiert. Diese Möglichkeit hätten wir gehabt."

Denn obwohl Leclerc fünf Minuten vor Sessionende - zu jenem Zeitpunkt lag er noch auf Rang sechs - noch zur FIA-Waage geholt wurde, hätte Ferrari danach genügend Zeit für einen zweiten Versuch gehabt. Just in diesen hektischen Minuten musste allerdings auch Vettel erneut auf die Piste gehen, um ein Ausscheiden zu verhindern.

Waren womöglich zu viele Augen in der Ferrari-Garage in diesen entscheidenden Momenten auf Vettel gerichtet? "Nein, ganz und gar nicht", weist Binotto entschieden zurück. Schließlich habe man zwei vollständige Teams, eines pro Fahrer. "Wir sind keinen Kompromiss eingegangen."

Beide Fahrer standen auf der Schwelle. Während Vettel sich mit einem allerletzten schnellen Versuch noch in das Q2 kämpfen konnte, kegelte er dabei ausgerechnet Leclerc aus den Top 15. "Charles hat vom Cockpit aus gefragt: 'Soll ich rausfahren. Ich denke, es könnte ein wenig zu knapp werden. Wir könnten gefährdet sein'."

An seiner Mannschaft will Binotto dennoch festhalten. Im Gegensatz zu Experte Alex Wurz, der bereits den Ruf nach einem Köpferollen in den italienischen Gazetten erahnen will, bleibt der Teamchef ruhig und verteidigt seine Mannschaft.

"Ich denke, wir haben die richtigen Leute und die richtige Prozess, aber wir müssen unsere Instrumentarien verbessern. Heute hat uns das eine neue Chance ermöglicht, uns anzuschauen, was wir gemacht haben und was wir in Zukunft anders machen können. Das werden wir ab dem nächsten Rennen adressieren."

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