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Grand Prix von Großbritannien

Hamilton in Silverstone unschlagbar

Lewis Hamilton hat den Großen Preis von Silverstone für sich entschieden und damit den fünften Heimsieg in sechs Jahren gefeiert.

Viele haben die Formel 1 nach dem Langweiler in Le Castellet totgesagt - aber Totgesagte leben bekanntlich länger! Nach dem nervenzerfetzenden Thriller in Spielberg dürfte nun auch der Grand Prix von Großbritannien in Silverstone als eines der aufregendsten Rennen aller Zeiten in die Formel-1-Geschichte eingehen.

Nach 52 actiongeladenen Runden sicherte sich Lokalmatador Lewis Hamilton (Mercedes) seinen sechsten Sieg in Silverstone. Zweiter wurde Valtteri Bottas (Mercedes), der Pech mit einer für ihn ungünstig getimten Safety-Car-Phase hatte. Und Dritter Charles Leclerc (Ferrari), dessen elektrisierendes Duell mit Max Verstappen (5./Red Bull) rundenlang begeistern konnte.

Gleichzeitig war das zehnte Saisonrennen wahrscheinlich das Ende aller Titelhoffnungen von Sebastian Vettel (Ferrari). Der Deutsche kollidierte im Kampf um Platz drei mit Verstappen, fiel durch den Reparaturstopp auf den letzten Platz zurück, kassierte dafür auch noch eine Zehn-Sekunden-Strafe und zwei Strafpunkte und hat in der WM nun 100 Punkte Rückstand auf Hamilton.

Für Alexander Wurz ist der Fall klar: "Schuld bei Vettel. Er hat sich beim Bremsen verschätzt", analysiert der 'ORF'-Experte. Vettel streitet das gar nicht erst ab: "Es war mein Fehler. Es sah für einen Moment so aus, als würde er nach rechts ziehen und links eine Tür offen lassen." Als er realisierte, dass dem nicht so ist, "war es schon zu spät".

Der Deutsche entschuldigte sich als erste Tat nach dem Rennen gleich bei Verstappen. Dabei war er im ersten Moment weniger einsichtig: "Was hat er da gemacht?", funkte er an seinen Renningenieur. Und auch Verstappen war baff, als es passierte: "Was zur Hölle?" Im Nachhinein zeigte der Red-Bull-Fahrer dann aber Verständnis.

Davor hatte sich der Spielberg-Sieger ein faszinierendes Duell mit Leclerc geliefert, das in die Geschichte der Formel 1 eingehen wird. Einige Situationen waren hart an der Grenze, doch Leclerc schwärmt: "Das ist das Rennen, das ich in meiner Formel-1-Karriere am meisten genossen habe!" Und er betont: "Seit Spielberg wissen wir, wie weit wir gehen können."

Bereits in der siebten Runde rächte sich, dass Ferrari mit dem Soft-Reifen gestartet war. Leclercs linker Vorderreifen begann sich aufzulösen, sodass der Druck von Verstappen immer größer wurde. In Runde 10 zeigte sich Verstappen erstmals im Rückspiegel, mit einer Hauruck-Aktion vor Stowe. In Runde 11 war er schon fast vorbei.

Die (vorläufige) Entscheidung brachte dann der Boxenstopp in Runde 13: Die Red-Bull-Crew arbeitete etwas flinker als die von Ferrari, sodass Verstappen an Leclerc vorbeikam - die beiden beschleunigten Seite an Seite durch die Boxengasse! In Runde 14 verbremste sich Verstappen aber: "Kein Grip!" Da war Leclerc wieder durch.

Verstappen ließ nicht locker: "Wir waren eindeutig schneller." In Runde 18 beschwerte er sich am Funk: "Er bewegt sich ziemlich spät [auf der Bremse]." Doch dann wurde das packende Duell abrupt beendet, als wegen des Abflugs von Antonio Giovinazzi (Alfa Romeo) das Safety-Car auf die Strecke kam - die rennentscheidende Situation!

Während zum Beispiel der zweitplatzierte Hamilton, Verstappen und Vettel blitzschnell reagierten und sofort zum Reifenwechsel kamen, wartete Ferrari mit Leclerc eine Runde zu. Als er plötzlich wieder Verstappen vor der Nase hatte, fluchte er: "Wie zur Hölle habe ich diese Position verloren?" Die nächste Panne in einer fast endlosen Reihe von Fehlentscheidungen.

Als das Rennen wieder freigegeben wurde, ging das Verstappen-Leclerc-Duell mit harten Bandagen weiter. Den Höhepunkt erreichte es in Runde 24: Leclerc war schon vorbei, doch Verstappen gab neben der Strecke keinen Millimeter nach, blieb voll auf dem Gas und behauptete die Position - eine Aktion, wie sie von den FIA-Kommissaren schon oft bestraft wurde.

Verstappen ging dann kampflos an Gasly vorbei und machte Jagd auf Vettel, der durch die Safety-Car-Phase vom sechsten auf den dritten Platz nach vorne gespült wurde. Gasly hatte gegen Vettel am Start einen Platz verloren, den Deutschen dann aber wieder überholt. Letztendlich wurde Leclerc Dritter, 4,6 Sekunden vor Gasly, der wiederum 4,8 Sekunden vor Verstappen ins Ziel fuhr.

Was im TV nicht zu sehen war: Nach dem Crash mit Vettel kämpfte Verstappen mit einem schwer lädierten Fahrzeug. "Ich glaube, meine Servolenkung ist ausgefallen", berichtet er. Zudem habe sich seine Sitzschale aus der dafür vorgesehenen Verankerung gelöst: "Beim Bremsen bin ich also jedes Mal nach vorne gerutscht."

An der Spitze fuhr Hamilton einen souveränen Sieg ein, 24,9 Sekunden vor Bottas. Der Finne hatte kurz vor Schluss mit seinen frisch aufgezogenen Softs den Bonuspunkt für die schnellste Runde vermeintlich sicher - aber dann legte Hamilton in der letzten Runde auf 32 Runden alten Hards noch 1:27.369 Minuten hin! "Atemberaubend", schwärmt Mercedes-Technikchef James Allison.

Für Hamilton war es der sechste Sieg in Silverstone: "Ich bin so dankbar", freut er sich. "Ich erinnere mich noch an meinen ersten Sieg hier, an meine erste Pole. Die Strecke ist spektakulär zu fahren, besonders mit den Autos, die wir heutzutage haben. Pure Emotion! Ich bin unheimlich stolz, zu den britischen Größen zu gehören, die hier gewonnen haben."

In den ersten Runden war Hamilton der Mann des Rennens. Silverstone war so laut wie seit Nigel Mansell nicht mehr, als er in Runde 4 außen antäuschte und innen an Bottas vorbeiging! Bottas konterte aber mit einem mutigen Manöver bei Copse und behauptete die Führung. Teamchef Toto Wolff beobachtete das "unbesorgt", sagt er: "Wir haben das heute Früh diskutiert."

Weil sie mit sich selbst beschäftigt waren, kamen die Mercedes zunächst nicht von ihren Verfolgern weg. Nach fünf Runden lagen die Top 6 innerhalb von fünf Sekunden. Doch auf die Renndistanz zeigte sich, wie überlegen die Silberpfeile waren. Teamintern sorgte das Safety-Car für die Entscheidung - weil Hamilton seinen Boxenstopp geschenkt bekam.

"Heute ist wirklich alles gegen Valtteri gegangen", seufzt Wolff. "Er hätte es verdient, das Rennen zu gewinnen. Er war superschnell heute." Bottas' Renningenieur meinte bei der Zieldurchfahrt: "Ich weiß nicht, was ich sagen soll. Ist wahrscheinlich am besten, ich halte die Klappe." Bottas selbst sagt achselzuckend: "War nicht mein Tag."

Für Diskussionen sorgt im Nachhinein die Entscheidung, Bottas vor Hamilton an die Box zu holen. Das war aber keine versteckte Stallregie, sondern von Anfang an so abgesprochen. Wolff erklärt: "Wir haben in der Früh gesagt, dass wir das zweite Auto 'offsetten' und dem hinteren Fahrer den härteren Reifen geben würden, damit er länger fahren kann."

Bottas hatte sich in der 16. Runde, vor dem Safety-Car, schon ein wenig von Hamiltons Druck befreit. Da betrug sein Vorsprung 1,5 Sekunden. Nach dem ersten Boxenstopp führte er ein Fernduell gegen die Konkurrenten dahinter um Platz zwei. Als klar war, dass der Vorsprung reichen würde, holte ihn Mercedes nochmal rein. Die Verstappen-Vettel-Kollision kam da ganz gelegen.

"Das Auto war dieses Wochenende wirklich stark. Besonders im Renntrimm", versucht Bottas das Positive an Silverstone zu sehen. In der WM wird's allerdings langsam eng für ihn: Nach zehn von 21 Rennen beträgt sein Rückstand auf Hamilton 39 Punkte. Hamiltons Vorsprung auf Verstappen (3.) 87 Zähler. Das entspricht drei Siegen und einem vierten Platz.

Angesichts der Action im Spitzenfeld ging das Rennen dahinter ziemlich unter. Dabei bot auch das spannende Szenen. Zum Beispiel das Duell zwischen Lando Norris (McLaren) und Daniel Ricciardo (Renault) in der ersten Runde - Norris hätte am Start beinahe sogar Gasly geschnappt, hatte aber Pech und wurde letztendlich Elfter, 1,5 Sekunden hinter Nico Hülkenberg.

Der Renault-Pilot lag über weite Strecken direkt hinter Ricciardo, wurde dann aber in eine Kollision mit Sergio Perez (Racing Point) verstrickt. Daniil Kwjat (Toro Rosso) holte mit einer smarten Fahrt Rang neun. Und Kimi Räikkönen (Alfa Romeo) hat seinen achten Platz vor allem der Tatsache zu verdanken, dass er sich nicht in Scharmützel verwickeln ließ.

Eine Story lieferte auch das Haas-Team ab: Kevin Magnussen und Romain Grosjean kollidierten gleich in der ersten Runde ausgerechnet miteinander. Beide schieden früh im Rennen aus. Der exzentrische Rich-Energy-Chef William Storey, der schon die ganze Woche für Unruhe gesorgt hatte, konnte sich einen Tweet dazu nicht verkneifen: "Toller Start, Jungs!"

Weiter geht die Formel-1-WM 2019 in zwei Wochen mit dem Grand Prix von Deutschland. Für Hockenheim liegt die Latte mit über 140.000 Fans am Renntag in Silverstone hoch - schon die Hälfte wäre beim elften Lauf der Saison ein Erfolg.

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Bericht 3. fr. Training Bericht 3. fr. Training Vettel nimmt Schuld auf sich Vettel nimmt Schuld auf sich

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