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Grand Prix von Österreich

„So ist die Formel 1 nicht interessant“

Wäre bei der FIA-Untersuchung von Max Verstappen eine Strafe ausgesprochen worden, hätte man auch bei RBR Konsequenzen gezogen.

Der Grand Prix von Österreich war ein echtes Volksfest, und das natürlich vor allem aus Red-Bull-Perspektive. Die furiose Aufholjagd von Max Verstappen, die euphorischen Holländer auf den Tribünen, das traumhafte Wetter, das Hollywood-Ende: Spielberg 2019 war ein Event ganz nach dem Geschmack von "Oberbulle" Dietrich Mateschitz.

Letztendlich nahm dann auch die kontrovers diskutierte FIA-Untersuchung wegen Verstappens Überholmanöver gegen Charles Leclerc in der drittletzten Runde ein für Red Bull positives Ende. Aber nicht wenige Beobachter glauben: Wenn die FIA Verstappen diesen Sieg weggenommen hätte, hätte sich Mateschitz, einer der wichtigsten und mächtigsten Player in der Formel 1, gut überlegt, ob er sich diesen Sport weiterhin antun will.

Dem klugen Geschäftsmann eine emotionale Entscheidung aus dem Bauch heraus zu unterstellen, würde seinem Intellekt nicht gerecht. Aber dass eine Strafe das Fass möglicherweise zum Überlaufen gebracht hätte, das aus Red-Bull-Sicht schon seit vielen Jahren immer voller wird, schließt auch Helmut Marko nicht aus.

Eine Formel 1, in der so ein Sieg wegen so eines Manövers aberkannt wird, könnte eine Formel 1 sein, "die uns nicht interessiert", bestätigt Marko die Verschwörungstheorien für den Fall des Falles im Interview mit. Und er unterstreicht: "Wenn uns der Sieg genommen worden wäre, hätte das sicher Auswirkungen gehabt."

Welche Auswirkungen das gewesen wären, lässt der 76-Jährige offen. Denkbar etwa, dass Red Bull nach Ablauf des aktuellen Concorde-Vertrags (Ende 2020) aus der Formel 1 ausgestiegen wäre. Und den Österreich-Grand-Prix gleich "mitgenommen" hätte. Oder man sich eine Protestaktion einfallen hätte lassen. Aber das ist letztendlich reine Spekulation.

Er habe mit Mateschitz "nicht konkret darüber gesprochen, was wir tun würden. Aber wir haben gesagt: So ist die Formel 1 nicht interessant", erklärt Red-Bull-Motorsportkonsulent Marko. "Da kann man die Worte von Max verwenden, der gesagt hat: 'Da können wir gleich zu Hause bleiben.'"

Aus seiner Sicht war Verstappens Manöver keinesfalls strafwürdig: "Max war vorne, Leclerc hat völlig offen gelassen. Der hätte ja abdecken und reinfahren können. Der hat genau gewusst, dass er mit seinen schlechten Hinterreifen nicht gescheit rauskommt, und dann wäre Max halt außen rumgefahren."

"Dann hat Leclerc reingezogen, obwohl er wissen musste, dass Max da ist. De facto ist er Max ins Auto gefahren. Aber that's Racing. Endlich haben wir ein Rennen gesehen! Die TV-Quoten rundherum waren toll. Es gab nur positive Reaktionen und Zustimmung. Das war so ähnlich wie damals, als wir unseren ersten Formel-1-Titel gewonnen haben."

Es dauerte nach der Zieldurchfahrt rund drei Stunden, bis Verstappen dann als Sieger feststand. Mateschitz war da schon (mit Verstappens Siegerhelm unter dem Arm) mit dem Hubschrauber abgerauscht, weil er einen Flug erwischen musste. Marko hatte sich mit seinem Aston Martin bereits zu einer Besprechung im nahe gelegenen Zeltweg chauffieren lassen.

Als die Entscheidung feststand, gab Ferrari-Teamchef Mattia Binotto sofort bekannt, dass man diesmal keinen Protest anmelden werde. Anders als in Montreal, nach der ebenfalls strittigen Situation zwischen Sebastian Vettel und Lewis Hamilton. Dort verlor Vettel den Sieg wegen einer Fünf-Sekunden-Zeitstrafe.

Die Darstellung, dass Ferrari die Sache in Spielberg gnädigerweise auf sich beruhen hat lassen, stört Marko: "Die können ja gar nicht protestieren. Das ist eine Farce. Was wollen sie denn bringen? Sie brauchen neue Beweise. Aber es war schon alles am Tisch. So. Die konnten gar nichts Neues bringen."

So wie nach Montreal, wo Ferrari als "neuen Beweis" unter anderem eine TV-Analyse des ehemaligen Formel-1-Piloten Karun Chandhok eingereicht und sich damit im Paddock viel Spott zugezogen hat. Marko: "Den Protest in Montreal haben sie ja auch mehr inszeniert. Das ist vom Gesetzgeber schon so konstruiert, dass das nichts passieren kann."

Dabei hatten nach Spielberg viele das Gefühl, dass es nach den Urteilen in Kanada und Frankreich eine Strafe geben könnte. Angesichts der Präzedenzfälle ist die Frage an Marko berechtigt, ob er als Ferrari-Teamchef genauso gelassen reagiert hätte - und der Österreicher gibt zu: "Nein. Aber wir haben ja immer schon gesagt, auch in Monte Carlo, dass die Regeln falsch sind."

"Die Kommissare stecken in einem Korsett. Wenn ein Fall an sie weitergegeben wird, sind sie an die Regeln gebunden und müssen dann vielleicht auch strafen. Das hätte daher gar nicht an sie weitergegeben werden sollen. Aber der neue Mann hat da noch nicht die Souveränität und Erfahrung, die ein Charlie Whiting hatte."

"Klar hätte ich mich auch aufgeregt. Aber ich habe immer gesagt, es müssen andere Regeln her. Erstens sollten gar nicht so viele Sachen zu den Kommissaren kommen, und zum anderen sollten die nicht gezwungen sein, immer gleich eine Strafe auszusprechen. Sondern die sollten viel mehr Spielraum in ihren Entscheidungen haben", findet Marko.

Dazu muss man wissen: Der neue FIA-Rennleiter Michael Masi ist derjenige, der Rennsituationen zunächst mit seinem Team betrachtet und dann an die Kommissare weiterleitet - oder eben auch nicht. Nur wenn die Kommissare mit einem Fall konfrontiert werden, sind sie auch gezwungen, darüber zu urteilen.

In der Urteilsfindung selbst spielt Masi dann keine Rolle mehr - da sind die vier Kommissare komplett unabhängig. Sollte es nach dem Studium aller vorliegenden Beweise und der Anhörung von Zeugen eine 2:2-Pattsituation geben, entscheidet auch nicht Masi, sondern die Stimme des Chefkommissars. Das ist in der Regel der erfahrenste Mann im Team, aber nie der Experten-Kommissar.

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