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"Vettel steht bei Ferrari unter Druck"

David Coulthard beurteilt das Ferrari-Teamduell vor dem Hintergrund des Hockenheim-Wochenendes und ortet bei Charles Leclerc mehr Souveränität.

Ferrari erlebte am Samstag auf dem Hockenheimring ein Debakel, das im 20. Startplatz für Sebastian Vettel und im zehnten Startplatz für Charles Leclerc endete. Die Ursache war in beiden Fällen ein technischer Defekt, allerdings nicht der gleiche. Ferrari-Teamchef Mattia Binotto hat bereits Konsequenzen angekündigt.

Vettel steht in seiner mittlerweile fünften Ferrari-Saison ohnehin unter Druck. Denn in Person von Leclerc hat er erstmals in Maranello einen Teamkollegen, der ihm richtig einheizt. Im Saisonverlauf hat sich der Youngster zwar den einen oder anderen Fehler erlaubt, der viermalige Weltmeister aber erst recht. Jüngstes Beispiel ist der Auffahrunfall mit Max Verstappen vor zwei Wochen in Silverstone.

Dafür, dass er im Qualifying für sein Heimrennen in Hockenheim gar nicht zum Fahren kam, konnte Vettel freilich nichts. "Heute war es nicht sein Fehler", sagt Ex-Formel-1-Pilot David Coulthard im Gespräch mit 'Motorsport-Total.com'. Allerdings erkennt der Schotte auch, dass "Vettel im dritten Training nicht so souverän aussah wie Leclerc". Mehr noch: "Es scheint, als würde Leclerc Druck auf ihn ausüben."

Vettels Mission ist anders als die von Leclerc

Beim Blick auf die Karrieren der beiden Ferrari-Piloten erkennt Coulthard nicht nur unterschiedliche Phasen, sondern auch "unterschiedliche Erwartungen und Wünsche". Was der Vizeweltmeister von 2001 und 13-malige Grand-Prix-Sieger damit meint? "Charles versucht seinen ersten Sieg einzufahren, während Seb versucht, einen weiteren WM-Titel zu gewinnen. Das sind unterschiedliche Ausgangslagen und Gefühle."

Nach der Enttäuschung des Hockenheim-Qualifyings, die zwar auch für Leclerc gegeben ist, für Vettel aber deutlich größer ist, sagt Coulthard: "Es bleibt abzuwarten, ob Seb nach Enttäuschungen wie dieser zurückschlagen kann oder nicht. Er hat momentan nicht gerade seine beste Saison. Sie erinnert mich ein wenig daran, wie er einst neben Daniel [Ricciardo] bei Red Bull fuhr. Auch das war keine großartige Saison für ihn."

Damit spricht Coulthard genau jene Saison 2014 an, die auch dem angesprochenen Daniel Ricciardo selbst direkt einfällt, wenn er das aktuelle Ferrari-Teamduell beobachtet. Ricciardo ist allerdings noch etwas mehr als Coulthard davon überzeugt, dass Vettel zurückschlagen wird.

Punkte als Minimalziel im Rennen

Zumindest für den Grand Prix von Deutschland sieht Coulthard nicht schwarz für Vettel. Er verweist darauf, dass Lewis Hamilton auf dem Hockenheimring vor einem Jahr vom 14. Startplatz zum Sieg fuhr. "Sie haben ein Auto, das auf den Geraden sehr schnell ist", sagt der Schotte über die Ferrari-Piloten Vettel und Leclerc und rechnet im Rennen mit einer Aufholjagd von beiden, insbesondere von Vettel, der vom letzten Startplatz kommt.

"Ich gehe davon aus, dass sie in die Punkte fahren werden. Es ist eine spezielle Strecke. Wenn man es schafft, das Auto ins richtige Fenster zu bringen, dann kann das immer noch richtig gut werden", glaubt Coulthard, dessen beste Platzierung auf dem aktuellen Hockenheim-Layout der zweite Platz im Jahr 2003 war. Auf der alten Strecke war er zweimal Zweiter (1995 und 1998) und einmal Dritter (2000) geworden.

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