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Grand Prix von Italien

Neuer Tiefpunkt für Vettel

Während Charles Leclerc einen brillanten Ferrari-Sieg in Monza einfährt, erlebt Sebastian Vettel einen der schwärzesten Momente seiner Karriere.

"Ich habe mich selbst aus dem Rennen genommen. Tut mir leid." Das waren Sebastian Vettels erste Worte zurück ans Team. Er wird sich noch bei Teamkollege Charles Leclerc für den Sieg bedanken dürfen. Denn das überstrahlt an diesem Wochenende alles - auch einen der bittersten Momente in der Karriere des Deutschen.

Die italienische Öffentlichkeit wird ihn dadurch voraussichtlich etwas weniger schlimm zerreißen. Dennoch wird Vettels Saison durch dieses Manöver nur noch übler. Mittlerweile liegt er auch in der WM-Tabelle hinter seinem weit weniger gut bezahlten Teamkollegen Charles Leclerc.

Was war passiert? In der sechsten von 53 Runden verliert der viermalige Weltmeister die Kontrolle über seinen Ferrari SF90 in der Variante Ascari. Er dreht sich ins Aus, versucht aber so schnell wie möglich, wieder loszufahren. Dabei wendet er unmittelbar vor dem Racing Point von Lance Stroll, der ihm daraufhin über den Flügel fährt.

Für dieses Losfahren hagelt es die härteste mögliche Strafe: Zehn Sekunden Stop-and-Go. Nicht beim Boxenstopp, sondern extra inklusive zusätzlicher Boxendurchfahrt. Zusätzlich zu einem Nasenwechsel und einem Stopp, der so früh war, dass er noch ein zweites Mal reinkommen musste. Am Ende wird er abgeschlagener 13. mit einer Runde Rückstand.

"Natürlich bin ich damit nicht glücklich. Ich kann mit meinem Tag nicht zufrieden sein", sagt der viermalige Weltmeister nach dem Rennen. "Es war ein Fehler meinerseits. Ich war überrascht, wie leicht das Heck bereits am Kurveneingang war. Dann habe ich es immer mehr verloren, bis ich es nicht mehr halten konnte."

Anti-Stall führt zu Anti-Stroll

Der zweite Dreher in zwei Jahren im Autodromo Nazionale Monza wäre an sich schon schlimm genug gewesen. "Von da an war klar, dass der Zug abgefahren war", merkt Vettel an. Doch er sollte alles noch schlimmer machen.

"Ich bin ein paar Mal im Anti-Stall gelandet", führt Vettel weiter aus. "Es war auch nicht möglich, irgendetwas zu sehen." Er habe mit Lance Stroll bereits gesprochen, versichert er.

Er wendete vor dem Racing Point; Stroll bremste zwar noch ab, fuhr aber dem Ferrari über den Flügel und drehte sich selbst, nur um dann selbst denselben Fehler zu begehen. "Ich konnte ihn nicht sehen, aber wie ich da zurückgekommen bin, war natürlich nicht gut."

Für Vettel kam es nun ganz dick: Flügel beschädigt, zu früher Boxenstopp, Strafe. Nahezu alles, was auf einen Rennfahrer einprasseln kann, traf Vettel an diesem Tag. Über Funk machte Ferrari klar, dass man mit dem harten Reifen zu Ende fahren möchte. Das war aber nicht möglich, Vettel musste einen zweiten Stopp einlegen.

Dass Leclerc die Tifosi mit dem ersten Ferrari-Sieg in Monza seit Fernando Alonso 2010 erlöste, spielt für Vettel auch keine Rolle mehr: "Es ist gut für das Team, aber nicht gut von meiner Seite."

Die Vorgeschichte zum Dreher spielte sich bereits beim Start ab, als Vettel den ersten Rückschlag einstecken musste: Er kam gut weg, konnte aber keine Plätze gutmachen. Vor der Variante della Roggia überrumpelte ihn dann Nico Hülkenberg auf der Außenbahn. Möglicherweise war Vettel angesichts der Ereignisse von 2018 an dieser Stelle recht vorsichtig unterwegs.

"Der Start war gut, aber ich konnte einfach nirgendwo hin", sagt er dazu. Jedenfalls schnappte er sich den Renault eine Runde später und begab sich auf die Verfolgung. "Ich kam ihnen näher", sagt er.

Formel-1-Liebe nicht erloschen

Besonderen Druck angesichts der bislang sieglosen Saison habe er auch nicht gespürt: "Ich war vor dem Rennen guter Dinge, aber der Fehler hat uns das Rennen gekostet. Das war kein sonderlich guter Tag. Normalerweise passiert mir das nicht. Heute ist es passiert."

Natürlich wird der erneute Fehler samt gefährlichem Eingreifen ins Renngeschehen zu vielen Spekulationen führen. Vettel stellt aber klar, dass seine Liebe zur Formel 1 nicht erloschen sei: "Ich liebe noch immer, was ich tue. Aber wenn man das, was man eigentlich gut kann, nicht gut macht, kann man natürlich nicht glücklich sein."

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