Formel 1

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Wer war dieser Jochen Rindt?

Am 5. September 1970, vor 35 Jahren, starb Österreichs erster F1-Pilot, Jochen Rindt, beim Training in Monza. Und wurde postum Weltmeister. Versuch einer Annäherung.

Michael Noir Trawniczek

35 Jahre ist er her. Der Tod von Jochen Rindt. Diesem Urvater der österreichischen Motorsportgeschichte. Rindt - das ist der Ursprung. Der erste Österreicher in der Formel 1. Geboren am 18. April 1942 in Mainz, als der zweite Weltkrieg seinen grausamen Höhepunkt erreichte. Weil seine Eltern in den Bombenangriffen starben, wuchs er bei seinen Großeltern in Graz auf, erhielt die österreichische Staatsbürgerschaft.

Nach Erfolgen in der Formel 2 debütiert Jochen Rindt 1964 beim Großen Preis von Österreich, am Flughafen von Zeltweg. 20 Fahrer am Start, Rindt qualifiziert sich in einem von Rob Walker eingesetzten Brabham BT11 für den 13. Startplatz. Die Pole schnappt sich Graham Hill im BRM, neben ihm startet John Surtees im Ferrari 158 des North American Racing Teams. Das Rennen aber gewinnt Lorenzo Bandini im Werks-Ferrari 156 Aero. Jochen Rindt muss nach 58 Runden mit einem Lenkungsdefekt aufgeben. Ab 1965 kommt Rindt bei Cooper unter. 1969 wechselt er zu Lotus, feiert in Watkins Glen seinen ersten Grand Prix-Sieg.

1970 dann sein Schicksalsjahr. Der Lotus 72C ist eine filigrane Rakete, der Österreicher gewinnt fünf Rennen. Am 5. September 1970 verunglückt Jochen Rindt im Abschlusstraining auf der Highspeedbahn von Monza tödlich. Doch seine Siege reichen aus, um damit der erste und einzige Formel 1-Weltmeister zu werden, der den Titel postum erringt. Seitdem ist das kleine Österreich eine Motorsportnation...

Rindt: "Entweder ich werde dort Weltmeister, oder ich bin hin..."

Doch wer war dieser Jochen Rindt? Immer wieder fällt sein Name, sieht man sein Bild. Seinen Lotus. Seinen Lorbeerkranz. Seine Locken. Seine Nase. Die Zeitzeugen sprechen von einer wirklichen Persönlichkeit, einem Mann mit Charisma. 1970 war Rindt in Österreich eine Art Nationalheld. Einer, der verehrt und beneidet wurde. Einer, der sich auch derbe Sprüche leisten durfte. "Entweder ich werde dort Weltmeister, oder ich bin hin", war das Rindt'sche Statement zu seinem Wechsel zu Lotus, wie sich Helmut Zwickl im Kurier erinnert. Zwickl kannte Rindt von jungen Jahren an. In der motorline.cc-Serie "F1 Backstage - Österreichs F1-Reporter" erzählte der langjährige F1-Experte: "Ich habe den Rindt kennen gelernt in Aspern, wo er mit dem Alfa gefahren ist. Und an diesem kalten Märztag in Kottingbrunn auf dem Reifenprüfgelände von Semperit hat er diesen Cooper probiert. Das war ein denkwürdiger Tag - weil der Rindt ist zum ersten Mal in einem Monoposto-Rennwagen gesessen und ist da ein, zwei Runden gefahren. Er kam zurück und sagte: 'Das ist ein Schas. Ich seh' nix. Und Rennwagen überhaupt, ein Blödsinn...'“

Zwickl: "Das sind jene Momente, wo du nachdenkst..."

"Oder ich bin hin...", "Das ist ein Schas..." - gerade dieses Kantige, Direkte, irgendwie Ehrliche, dürfte mit eine Rolle gespielt haben, warum Helmut Zwickl oder auch ein Heinz Prüller derart verwurzelt waren mit dem Reinhold Messner der Formel 1, diesem Erstbesteiger. Zudem sei Rindt stets von einer "Aura der Furchtlosigkeit und der Unantastbarkeit" umgeben gewesen, wie Prüller in der Krone schreibt. Sein Tod hat die beiden Sportjournalisten schwer getroffen. Zwickl: "Ich war dabei, wie der Jochen Rindt zum letzten Mal in ein Auto gestiegen ist, in Monza. Wir hatten damals die Sendung 'Motorama' und er hat da noch eine Moderation gesprochen, war aber unkonzentriert, hat sich immer wieder geirrt und er hat zu uns gesagt: 'Wir machen das, wenn ich wieder zurück bin.' Er hat mir noch das Mikro in die Hand gedrückt, doch er ist nicht mehr zurückgekommen. Das sind schon Momente, wo du nachdenkst. Ich kann mich erinnern, nach dem Tod von Jochen Rindt habe ich mit dem Fliegen begonnen, habe sofort den Privatpilotenschein gemacht, weil ich gesagt habe, ich brauche jetzt irgendetwas anderes..."

Die Freundschaft zwischen dem Rennfahrer und dem Journalisten. Damals hieß das noch: Wenn der einsteigt, siehst du ihn vielleicht nie wieder. Damals war Rennfahren ein bisschen wie russisches Roulette. Heinz Prüller erzählte in unserer Serie: "Der Tony Brooks hat mir erzählt: 'Ich bin am Start im Auto gesessen, habe geschaut, rechts, links, vorne, hinten. Wen erwischt es heute? Ist es der neben mir? Ist es der hinter mir?' Dass es er selber sein könnte, da denkt ja kein Fahrer dran."

Prüller: "Sein Tod hat mir körperlich weh getan..."

Für den legendären "Mister Formel 1", dem Mann, ohne dessen Stimme man sich eine F1-Übertragung des ORF eigentlich nicht wirklich vorstellen kann, war der 5. September 1970, und das, was darauf folgte, eine der schlimmsten Erfahrungen seiner Karriere: "Der Jochen Rindt war mein bester Freund. Und wir haben sehr viel miteinander geblödelt, wir haben sehr viel miteinander erlebt. Und ich habe damals in Monza mit Tränen in den Augen meine Berichte gemacht. Ich war fürchterlich ang’soffen vor lauter Traurigkeit. Es ist ja am Samstag passiert, und mein einziger Wunsch war, dass ich am Sonntag den Grand Prix verschlafe. Es hat mir auch körperlich weh getan. Dann bin ich aber schon um Acht munter geworden, bin nach Monza rauf, es war ein fürchterlicher Stau und ich habe gehofft, dass ich zu spät zum Grand Prix komme. Dann war ich kurz vor dem Rennen dort, hab mich in die Kabine gesetzt." Danach wollte Heinz Prüller seine Formel 1-Tätigkeit beenden, hat den GP von Kanada nicht kommentiert. Als er sich in Watkins Glen von den drei Jackies - Stewart, Ickx, Brabham - und all den anderen verabschieden wollte, gelang es ihnen, Prüller ins Gewissen zu reden: "Bitte, bleib du wenigstens..."

Dieser Jochen Rindt, den viele von uns nur von den Fotos und den knisternden TV-Aufnahmen her kennen, hat, so scheint es, viel mehr erreicht als "nur" einen WM-Titel. Er hat anscheinend sein Umfeld, seine Freunde, mit dem viel zitierten Motorsportvirus infiziert. Er hat eine Begeisterung auferweckt und ein ganzes Land angestachelt. Die von diesem Wegbereiter ausgelösten Schwingungen vermag man auch heute noch zu spüren, irgendwie...

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