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Grand Prix von Bahrain 2013

Rätselhafte Reifensituation

Die Reifensituation stellt die F1-Teams vor ein Rätsel – Alex Wurz erklärt, die Reifen seien eine Wissenschaft, die seit 15 Jahren keiner verstehen würde.

Wer ist denn nun der Reifenflüsterer? Wer geht am pfleglichsten mit den Pirelli-Reifen um? Red Bull Racing, Ferrari oder doch Lotus? Auch nach dem Großen Preis von Bahrain kann diese Frage nicht klar beantwortet werden...

Klar ist höchstens, dass Mercedes und McLaren nach wie vor Probleme mit überhitzenden Hinterreifen haben, die in Bahrain ein Top-Ergebnis nahezu unmöglich machten. Nico Rosberg brachte seine hinteren Pneus im Qualifying am besten auf Temperatur, hatte dadurch schnell den besten Grip. Im Rennen am Sonntag war das jedoch zu viel des guten: Die Pirellis wurden zu heiß.

Ferrari wurde nach dem starken Qualifying mit den Startplätzen drei und vier belohnt, im Rennen waren sie jedoch schnell von der Bildfläche verschwunden: Fernando Alonsos DRS streikte gleich zu Beginn und war permanent aktiviert. Der Spanier, der vor dem Grand Prix als Siegesfavorit galt, musste anschließend komplett auf das System verzichten und fiel zurück.

Teamkollege Felipe Massa rätselt noch über seine zwei kapitalen Reifenschäden. Er rammte in der Anfangsphase zudem Adrian Sutils Force India und musste mit lädierter Nase weiterfahren. Am Ende reichte es für die Scuderia, deren rote Renner auf allen Mischungen als reifenschonend gelten, nur für die Plätze acht und 15. Angesichts der Zwischenfälle kann nicht aufgeklärt werden, wo Alonso und Massa eigentlich gelandet wären.

Während den einen die Reifen um die Ohren flogen - auch Mercedes-Pilot Lewis Hamilton erlitt im 3. Freien Training einen Reifenschaden, der nicht nur das Differenzial sondern auch das Getriebe seines Silberpfeils beschädigte, wodurch der Brite von Platz neun statt vier starten musste - hatten die anderen keinerlei Probleme mit den schwarzen Gummis.

"Wir hatten drei Sätze neue harte Reifen, unser Auto schien damit bestens klarzukommen", sagt Sieger Sebastian Vettel nach dem Rennen. Sein Red Bull Racing-Team hatte sich in letzter Zeit immer wieder über die mangelnde Haltbarkeit der Pirellis beschwert.

Den italienischen Hersteller hatte dies jedoch stets kaltgelassen. Vettel war in Sakhir sogar in der Lage, richtig anzugasen: "Im zweiten Stint realisierte ich, dass sich eine Lücke auftat und dachte: 'Ich packe die Gelegenheit beim Schopfe und ziehe weg'. Obwohl es am Ende mit Sicherheit hilfreich ist, weißt du nicht, was passiert. Es räumte uns Flexibilität ein."

TV-Experte und Ex-Formel-1-Pilot Alexander Wurz kann sich die aktuelle Reifensituation nicht erklären. Für den Österreicher steht aber fest, dass Red Bull Racing der Umgang momentan am besten gelingt.

"Also für Red Bull, die ja in der Vergangenheit immer das Problem gehabt haben, dass sie sich den Reifen nicht so gut einteilen können, haben sie ihn sich heute gut eingeteilt", bilanziert Wurz.

"Wenn sie wissen, wie es passiert ist und sie ihre Lehren daraus ziehen können, dann werden sie extrem stark bis zum Saisonende. Manchmal passiert das einfach, man weiß nicht, warum. Thema Reifen und die Temperaturentfaltung ist eine Wissenschaft, die seit 15 Jahren in der Formel 1 keiner wirklich versteht."

Lewis Hamilton bemängelt den derzeitigen hohen Reifenverschleiß in der Formel 1. Während des Rennens in Bahrain flogen ihm die Reifenbrocken nur so um die Ohren. Der Grund: Gummireste lösen sich von den stark beanspruchten Reifen und fliegen neben die Ideallinie. Fährt ein Auto also eine andere Linie, wirbelt es die Gummireste auf, die dadurch zu gefährlichen Geschossen werden können.

"Es liegt neben der Ideallinie viel zu viel Gummi herum", findet Hamilton und fordert Konsequenzen: "Wir müssen etwas unternehmen. Gemeinsam mit Pirelli müssen wir das in Angriff nehmen. Sie können das, haben viel Erfahrung. Aber es ist zu viel. Gummiteile treffen mich am Kopf, an den Händen. Ich bräuchte fast Schutzhandschuhe wie in der MotoGP."

Das von Hamilton beschriebene Phänomen ist aber offenbar sehr Bahrain-spezifisch, wenn man Wurz' Aussagen Glauben schenken mag: "Bahrain, die extremste Strecke für die Hinterachse sowie die Quer- und Längsbelastungen der Traktion, da ist eine sehr hohe Reibung und der Reifen erholt sich nicht", beschreibt Wurz.

Nicht nur Traktion und Quer- sowie Längsbelastungen lasteten auf den Reifen. Auch das starke Abbremsen am Ende der langen Geraden wirke sich auf die Reifen aus: "Die Strecke ist auch brutal zu den Bremsen", verrät Wurz. "Das heißt, die Bremsen erhitzen ständig auch auf der Geraden den Reifen, so kommt er nie zum Atmen. Bei anderen Strecken ist es meistens der Vorderreifen."

"Der Hinterreifen ist aber wesentlich einfacher für den Fahrer zu kontrollieren - wie viel Durchdrehen du dem Pneu aufzwingst. Den Vorderreifen kontrollierst du eher über das Setup." Ob Pirelli beim kommenden Rennen in Barcelona einen neuen Reifen bringen wird, soll in der kommenden Woche entschieden werden.

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Reifen: In Spanien alles anders? Reifen: In Spanien alles anders? Rennen - Bericht Rennen - Bericht

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