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Grand Prix von Österreich

„Den Sound kriegst dein Leben nicht aus dem Ohr“

Im Rahmen des Grand Prix auf dem Red Bull Ring werden auch die unvergessenen M1 Procars zu sehen sein – mit prominenter Besetzung.

Fotos: Philip Platzer/Red Bull Content Pool

Zwei Jahre lang, 1979 und 1980, bereicherte die BMW Procar-Serie die europäischen Formel-1-Wochenenden. Die jeweils fünf trainingsschnellsten Formel-1-Piloten lieferten sich dabei mit Tourenwagen-Spezialisten unvergessliche Rennen auf einem Drittel der jeweiligen Grand-Prix-Distanz. Technische Basis für die Procar-Serie war die Weiterentwicklung des Supercars BMW M1 zur Rennversion.

Der Reihensechszylinder mit 3,5 Litern Hubraum und vier Ventilen pro Zylinder leistete 470 PS und sorgte wegen des Gewichts von 1.020 Kilogramm und der aerodynamisch optimierten Höhe von nur 110 Zentimetern für eine Höchstgeschwindigkeit von 310 km/h. Chancengleichheit und knappe Rennverläufe waren das Ergebnis des Drehzahllimits von 8.500 Umdrehungen pro Minute und Feinheiten in der Abstimmung, die sich auf Fahrwerk und Spoiler beschränkten.

Dem Gesamtsieger der Procar-Serie winkte ein Straßen-M1, dem Zweitplatzierten ein BMW 528i und dem dritten ein BMW 323i. Im hochkarätigen Teilnehmerfeld waren während des nur zweijährigen Bestehens der Serie mit Niki Lauda, Nelson Piquet, Emerson Fittipaldi, Alan Jones, Alain Prost und Mario Andretti insgesamt sechs Weltmeister am Start. 1979 holte sich Niki Lauda den Titel – gerade rechtzeitig, bevor er zum ersten Mal zurücktrat und ihm Hans-Joachim Stuck den Titel noch hätte wegschnappen können.

1980 dominierte Nelson Piquet, auf Platz 2 landete Weltmeister Alan Jones, Hans-Joachim Stuck stand als Dritter abermals am Podest. Zu Beginn der Saison 1980 verkündete BMW, als Motorenlieferant in die Formel 1 einsteigen zu wollen. Sämtliche Kapazitäten in der Motorsport-Abteilung wurden deshalb auf dieses Mammut-Projekt fokussiert, mit Erfolg: Bereits 1983 feierte Nelson Piquet im Brabham-BMW den ersten Turbo-Weltmeister-Titel der Geschichte. Mit Ende der Saison 1980 wurde die Procar-Serie eingestellt.

Insgesamt wurden nur 453 BMW M1 gebaut, davon 54 Procars. Nicht weniger als 14 dieser seltenen Modelle können die Besucher des Großen Preis von Österreich am Red Bull Ring in Action erleben. Am Steuer sitzen hochkarätige, internationale Motorsport-Idole. Gerhard Berger, der 1979 sein erstes Autorennen überhaupt fuhr, ist einer von ihnen. Vor seinem großen Auftritt am GP-Wochenende 2016 drehte er gemeinsam mit dem ehemaligen österreichischen F1-Piloten Dieter Quester ein paar Runden am Red Bull Ring: „Es ist die Summe an Emotionen, die mich an alten Autos im Allgemeinen und dem BMW Procar im Besonderen begeistert. Der Geruch. Der Klang. Der berühmte Reihensechszylinder im Heck: Du kriegst den Sound dein Leben lang nicht mehr aus dem Ohr, und wenn du vom Gas gehst, schießt er Flammen aus dem Auspuff“, sprudelt die Vorfreude aus dem Tiroler heraus.

Die dritte Auflage der Legends Parade am Red Bull Ring verspricht besonders spektakulär zu werden, denn die Fahrer schenken einander nichts. Niki Lauda ist zum dritten Mal dabei und spart nicht mit Kampfansagen: „Diese Rennen sind eine Hetz. Da macht es ,klick!’, und alles ist wie früher. Wenn mich der Berger überholt, werd’ ich versuchen, ihn zurück zu überholen, logisch. Ich stell’ mich heute noch nicht gern hinten wo an.“ Neben Lauda, Berger und Quester vertritt heuer Sepp Manhalter die österreichische Rennfahrer-Ehre. Außerdem rufen am ersten Juli-Wochenende Hans-Joachim „Strietzel“ Stuck, Jochen Mass, Leopold Prinz von Bayern, Christian Danner, Harald Grohs (alle GER), Marc Surer, Markus Hotz (beide CH), Jan Lammers (NED) oder Johnny Cecotto (VEN) Motorsport-Geschichte in Erinnerung – und Jos Verstappen, Vater des Red Bull Racing Stars Max Verstappen!

Niki Lauda: Der dreifache Formel-1-Weltmeister und heutige Mercedes-Rennchef war 1979 erster Gesamtsieger der BMW Procar-Serie mit Siegen in Monaco, Silverstone und am Hockenheimring. Eine Titelverteidigung 1980 verhinderte sein erster Rücktritt vom Rennsport.

Gerhard Berger: Der 210-fache Grand-Prix-Starter war zu Beginn seiner Karriere mit BMW in der Tourenwagen-EM unterwegs (M635 CSi). Auch seine ersten drei F1-Teams wurden von BMW-Motoren befeuert: ATS, Arrows und Benetton.

Jos Verstappen: Der Vater des jüngsten GP-Siegers der Geschichte holte in 107 Grand-Prix-Rennen zwei Podestplatzierungen und schaffte bei zwei Le-Mans-Starts einen Klassensieg. Als die BMW Procar-Serie ausgerufen wurde, war er erst sieben Jahre alt.

Dieter Quester: Der heute 77-jährige Wiener fuhr lange Strecken seiner Karriere auf BMW, vom 2002 ti über die Formel 2 bis zur DTM im M3 bis zu 24-Stunden-Rennen im Z4 Coupé. In historischen Rennen schwört er bis heute auf BMW.

Prinz Leopold von Bayern: Das legendäre Procar im Design der „Münchner Wirte“ passte perfekt zum bayerischen Prinzen. Er fuhr es übrigens nicht in der Procar-Serie, sondern gemeinsam mit Christian Danner und Peter Oberndorfer 1981 im 24-Stunden-Rennen von Le Mans.

Hans-Joachim Stuck: Der 74-fache GP-Starter lieferte Niki Lauda 1979 mit seinen Siegen in Zandvoort und Monza ein spannendes Duell um den Gesamtsieg. Seine beiden Siege in Monaco und am Norisring 1980 machen ihn hinter Nelson Piquet zu jenem Procar-Piloten mit den meisten Einzelsiegen.

Christian Danner: Der beliebte TV-Kommentator war nicht nur in der Formel 1 aktiv, er war auch der erste Deutsche, der obendrein in der IndyCar-Serie punktete. Unvergessen seine Schlachten in der DTM auf Alfa 155 und – natürlich – BMW M3.

Marc Surer: Der Schweizer fuhr zwischen 1979 und 1986 88 Grand Prix und belegte in der Saison 1980 in der Procar-Serie Platz 8, ex aequo mit Jacques Laffite. Surers damaliges Procar-Team kennen wir heute übrigens aus der Formel 1: Sauber.

Jochen Mass: 105 Grand-Prix-Starts, ein Sieg (Barcelona 1975) ein Gesamtsieg in Le Mans 1989, ein Start im Procar (Hockenheim 1979) da gleich vier Punkte geholt: 2016 steigt der gelernte Seemann aus Bayern zum zweiten Mal ein.

Johnny Cecotto: Einer von zwei Menschen, die sowohl auf zwei als auch auf vier Rädern Weltmeister wurden. Auf BMW E30 M3 wurde der Venezolaner zur blauweißen Legende. Ihm zu Ehren wurde ein eigenes auf 505 Stück limitiertes Sondermodell aufgelegt.

Jan Lammers: Der Niederländer war 1980 Teamkollege von Marc Surer bei ATS und gewann 1988 die 24 Stunden von Le Mans in einem Jaguar. Im Procar ist er mit Rang 4 in der Gesamtwertung von 1980 der erfolgreichste Niederländer der Geschichte.

Markus Hotz: Der Schweizer, der mit seinem Team Horag Racing vor allem für seine selbst konstruierten und eingesetzten Rennautos bekannt ist, war 1979 einer jener handverlesenen Privatiers, die sich mit den Formel-1-Größen maßen. Am Red Bull Ring ist er zurück in einem BMW Procar.

Sepp Manhalter: Der mehrfache österreichische Tourenwagen-Staatsmeister in den 1970er und 1980er-Jahren war stets BMW-Mann und fürchtete in der Procar-Serie als Privatmann die Stars nicht. Highlight: Platz 7 in Zolder 1979.

Harald Grohs:Der heute 72-Jährige war einst BMW-Junior und ist bis heute auf BMW im Motorsport aktiv. Mit einem BMW M1 trat der Tourenwagen-Spezialist 1985 beim 24 Stunden-Rennen von Le Mans an, fiel dort aber nach 32 Runden aus.

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