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Grand Prix von Österreich

Setuproulette durch neuen Asphalt?

Der neue Asphalt in Spielberg könnte für rauchende Köpfe sorgen, und das Wetter dürfte für die Teams alles noch schwieriger machen.

Nach seinem Sieg in Baku hat Nico Rosberg im Titelkampf gegen Lewis Hamilton wieder etwas mehr Luft zum Atmen. Der Deutsche, der zuletzt deutlich unter die Räder gekommen war, reist nun mit einem Polster von 24 WM-Punkten nach Spielberg. Dort genießt der Mercedes-Pilot, der zeitweise in Zell am See aufgewachsen ist, beinahe Heimrecht, denn bei den letzten beiden Grands Prix von Österreich holte er sich stets die 25 WM-Punkte für den Sieg ab.

Diese 100-Prozent-Quote sei etwas Besonderes, sagt der WM-Führende nicht ohne Stolz: "Aber es wäre natürlich noch besser, wenn ich daraus drei Siege in drei Rennen machen könnte." Die Vorzeichen besagen allerdings, dass es dieses Jahr schwieriger als zuletzt werden wird, denn der Kurs wird sich grundlegend anders anfühlen, wenn Rosberg und Co. am Freitag erstmals auf die Strecke gehen. Grund dafür ist der neue Asphalt: Die Strecke ist nun flach wie eine Bowlingbahn, alle Bodenwellen wurden ausgemerzt; auch der Gesamtgrip ist nun höher als zuvor.

Noch scheiden sich darüber die Geister: Während Williams-Technikchef Pat Symonds mit einem höheren Reifenverschleiß als in den vergangenen Jahren rechnet, glaubt der Reifenlieferant an konstanten Abrieb bei zusätzlichem Grip, wodurch die Rundenzeiten im Vergleich zum Vorjahr ordentlich purzeln würden. Da in der Formel-1-WM 2016 neben den Soft- und Supersoftreifen auch die neue Ultrasoftmischung zum Einatz kommt, sind deutliche Verbesserungen zu erwarten.

"Die Polezeit könnte durchaus im Bereich des Rundenrekords liegen", vermutet etwa Mercedes-Cheftechniker Paddy Lowe, dass wie zuletzt 2003 wieder Zeiten knapp unter 1:08 Minuten möglich sein werden. Rosberg und Hamilton gehen mit unterschiedlicher Reifenwahl ins Wochenende: Beide haben je acht Ultrasoftsätze bestellt, der Deutsche hat allerdings nur den einen verpflichtenden Satz der Soft- und vier Sätze der Supersoftmischung zur Verfügung. Beim Briten sind es zwei Soft- und drei Supersoftsätze. Ferrari legt es noch weicher als Rosberg an: Die Scuderia setzt auf neun Mal 'ultrasoft'.

Die Teams haben in den freien Trainings durch den unbekannten Asphalt ordentlich Testarbeit vor sich, um die optimale Reifenstrategie zu finden. Paddy Lowe vermutet: "Durch den neuen Asphalt dürften die Reifen dort ganz anders als bisher funktionieren." Dem könnte aber das Wetter einen Strich durch die Rechnung machen: Während es im ersten freien Training noch trocken sein dürfte, sind für den Freitag Nachmittag Regenschauer und Gewitter angesagt.

Ein ähnliches Bild kündigt sich für den Samstag an: Das Qualifying könnte bei Nässe stattfinden; das Rennen am Sonntag sollte dann aber bei trockenen Bedingungen über die Bühne gehen. "Ein Trockenrennen nach feuchten Bedingungen in den Trainings wäre eine große Herausforderung", meint Williams-Technikchef Pat Symonds. Durch die wechselhaften Bedingungen wären die Teams gezwungen, bei der Reifenstrategie und beim Setup einen "Schuss ins Blaue" zu riskieren. Das hat im Vorjahr in Austin zu einem unterhaltsamen Grand Prix geführt.

Symonds rechnet mit einem Zweistopprennen – und die unterschiedlichen Reifennominierungen dürften dies bestätigen. Diesbezüglich ist er sich mit dem italienischen Reifenmonopolisten einig, obwohl Rosberg im Vorjahr mit nur einem Stopp erfolgreich war. Grund dafür war eine frühe Safety-Car-Phase, die sich auf die Strategien auswirkte. Wird Williams erneut erster Mercedes-Herausforderer sein? Motorsportchef Toto Wolff hat die Briten zumindest auf der Rechnung: "Williams ist in Spielberg immer schnell." Auch Symonds sieht keinen Grund, warum der Kurs dem Team nicht erneut Erfolg bringen sollte.

Auf der Motorenstrecke – der Vollgasanteil liegt bei über 60 Prozent – wird sich auch zeigen, ob Ferrari mit den Turboupdates in Sachen Aggregate wirklich zu Mercedes aufgeschlossen hat. "Die Strecke sollte uns liegen", zeigt sich Sebastian Vettel, der in Nähe des Kurses ein Haus besitzt, optimistisch. "Wir haben auch ein paar neue Teile dabei und können Mercedes hoffentlich ordentlich unter Druck setzen, nachdem wir uns im Vorjahr an Williams ein bisschen die Zähne ausgebissen haben." Niki Lauda, Aufsichtsratsvorsitzender des Mercedes-Werksteams, fürchtet, dass der Vorsprung in der Steiermark geringer ausfallen wird als in Aserbaidschan: "Der sollte nicht so groß sein, das Rennen wird also interesant."

Red Bull Racing möchte, nachdem man sich in Baku beim Setup verrannt hat, ebenso um die Spitze mitkämpfen, zumal man bei den bisherigen Heimspielen mit Platz acht als Bestleistung deutlich hinter den Erwartungen geblieben ist. "Wir haben da mitunter unsere schlechtesten Resultate herausgefahren", sitzt der Stachel im Fleisch von Motorsportkonsulent Helmut Marko tief.

Dieses Jahr glaubt der Österreicher an eine Trendwende: "Jetzt haben wir mehr Power, ein super Chassis und einen neuen Asphalt. Das bedeutet auch mehr Grip, und deshalb hoffen wir dieses Jahr auf bessere Resultate." Nicht zu unterschätzen ist auch Force India: Die britisch-indische Truppe aus Silverstone schaffte es in den vergangenen drei Rennen dank eines beherzt fahrenden Sergio Pérez zwei Mal auf das Siegerpodest.

Die langen Geraden sollten dem mit einem Mercedes-Triebwerk ausgestatteten VJM09 jedenfalls entgegenkommen. Der Mexikaner glaubt, dass eine erneute Überraschung möglich ist: "Wir haben das Auto seit Barcelona deutlich verbessert, und ich rechne damit, dass wir dieses Wochenende wieder konkurrenzfähig sein werden."

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